Schwellenländer-Anlagen als sicherer Hafen?

Von negativen Zinsen bis zum Brexit - zuvor Unvorstellbares ist zur harten Realität geworden. In dieser neuen Welt werden die Schwellenländer überraschend zu einem Hafen für Investoren.
04.09.2016 06:20
Anlegern setzen wieder vermehrt auf Schwellenländer wie etwa Brasilien.
Anlegern setzen wieder vermehrt auf Schwellenländer wie etwa Brasilien.
Bild: pixabay.com

Dies sagt Michael Hasenstab, Chief Investment Officer der Templeton Global Macro Group, im Interview mit Bloomberg Television.

Hasenstab hat jahrelang fast alle seine Konkurrenten geschlagen, bis er bei Wetten auf den Yen und US-Treasuries falsch lag. Seine Vorliebe für Schwellenländer-Anlagen ist nicht neu - er sah die Rally im letzten Oktober voraus. Aber nun geht er noch weiter und stellt die Emerging Markets in einen Kontrast zu den politischen Zwistigkeiten in Europa und den USA.

"Politisch sehen wir in den meisten Schwellenländermärkten eine grössere Stabilität als in den USA oder Europa, mit dem Anstieg von Populismus und Nationalismus vor dem Hintergrund von stagnierendem realen Einkommenszuwachs", sagt der Investor. "Die meisten Schwellenländer befürworten weiterhin eher eine orthodoxe Politik, was unsere Investments sicherer macht."

Rekordhohe Geldzuflüsse

Nach drei Jahren, die durch abnehmendes Wachstum und abwertende Währungen gekennzeichnet waren, erholen sich die Schwellenländer. Länder wie Argentinien und Brasilien führen Reformen durch, um das Vertrauen von Investoren zurückzugewinnen. Die aufkommenden Anzeichen einer wirtschaftlichen Belebung haben dazu beigetragen, dass rekordhohe Geldsummen in Schwellenländer fliessen, da Investoren nach Alternativen zu negative Renditen in Europa und Japan suchen.

Schwellenländer-Bonds in lokaler Währung haben dieses Jahr auf Dollar-Basis einen Ertrag von 15 Prozent eingebracht, wie aus Index-Daten von JPMorgan Chase & Co. hervorgeht. In den drei Jahren zuvor kamen die Bonds auf Verluste von 27 Prozent. Angeführt haben die Rally brasilianische, in Real denominierte Staatspapiere. Sie legten 45 Prozent zu, mit der Hoffnung, dass eine Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff den Weg für eine neue Regierung freimacht, die für eine Belebung der Wirtschaft sorgen wird.

Hasenstab hatte die Rally korrekt vorausgesagt. Im Oktober sagte er, dass Währungen wie der mexikanische Peso, der malaysische Ringgit und die indonesische Rupiah Gelegenheiten bieten, die es jahrzehntelang nicht gegeben habe. Er verkaufte seine Positionen in Irland und Ungarn im letzten Jahr und schichtete die Gelder nach Lateinamerika um, darunter Brasilien - was sich als vorausschauend erwies.

"Toxische Politik"

Wenn die "toxische Politik"  aufhört, "hat Brasilien grossartiges Potenzial, das sich gerade zu entfalten beginnt", sagte Hasenstab im Interview.

Sein Flaggschiff-Fonds, der Templeton Global Bond Fund im Volumen von 45 Mrd. Dollar, kommt für die letzten 15 Jahre auf einen Ertrag von rund 8,2 Prozent jährlich und schlägt damit laut Daten des Fondsbeobachters Morningstar Inc. 98 Prozent seiner Konkurrenten. Für 2016 liegt der Fonds mit 0,9% im Minus und schneidet 97 Prozent schlechter ab als die Konkurrenz. Hasenstab kassierte Verluste mit Wetten auf einen fallenden Yen und steigende Renditen von US-Treasuries, was die Gewinne in den Schwellenländern aufzehrte.

Hasenstab will aber an den bislang verlustreichen Wetten festhalten. Mit zehnjährigen Renditen von etwa 1,57 Prozent seien Treasuries zu teuer, da die Inflation im Verlauf dieses Jahres bis auf drei Prozent ansteigen könne, sagte er. In Japan ächzt die Wirtschaft unter dem starken Yen. Das könnte die Geldpolitiker veranlassen, Massnahmen zu ergreifen, um die seit 17 Jahren anhaltende Aufwertung des Yen umzukehren.

Auch bei seinen Wetten gegen den Euro rechnet Hasenstab noch mit einem Erfolg. Denn die Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, unterstreiche "den Mangel an politischem Willen", den Euroraum zusammenzuhalten.

"Wegen Flüchtlingskrise, wegen Terrorismus, wegen stagnierender Volkswirtschaften nehmen Populismus, Nationalismus zu - die Dinge, die das Projekt Eurozone demontieren, werden nur noch zunehmen", sagte Hasenstab.

(Bloomberg)