Schwergewichte hieven Schweizer Börse deutlich ins Plus

Die Schweizer Börse hat am Dienstag, am Tag vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed, kräftig zugelegt.
13.12.2016 17:45
Stemmen den SMI am Dienstag fast im Alleingang: Die Basler Pharmawerte Roche und Novartis (im Bild der Novartis-Hauptsitz).
Stemmen den SMI am Dienstag fast im Alleingang: Die Basler Pharmawerte Roche und Novartis (im Bild der Novartis-Hauptsitz).
Bild: Bloomberg

Vor allem die wenig konjunktursensitiven und lange links liegen gelassenen Schwergewichte waren laut Händlern stark gefragt und hievten den Markt in die Höhe. Dagegen hinkten die Finanzwerte nach der jüngsten positiven Entwicklung dem Markt hinterher. Der SMI steigt bis Handelsschluss um 1,5 Prozent auf 8162 Zähler - der höchste Stand seit gut zwei Monaten.

Der anhaltende Rekordlauf an den US-Börsen ermuntere die Anleger zu Käufen, heisst es. Die Marktteilnehmer gehen mehrheitlich davon aus, dass die Fed den Leitzins am Mittwoch um einen Viertelpunkt anhebt. "Wie vor einem Jahr - nur mit dem Unterschied, dass dem ersten Schritt im Gegensatz zu 2016 im kommenden Jahr weitere Schritte folgen dürften", sagt ein Händler. Bislang rechnen Anleger für 2017 meist mit zwei Schritten nach oben. Die Fed wird Mittwoch nach Börsenschluss in Europa die Beschlüsse ihrer zweitägigen Beratung veröffentlichen.

Stützen des Marktes sind die als krisenresistent geltenden Schwergewichte. Händler sprechen von einer Sektorrotation. Die Anleger kauften Aktien, die schlecht gelaufen seien und die daher ein gewisses Nachholpotenzial hätten. Zudem schütteten diese Firmen eine attraktive Dividende aus, sagen Händler.

Pharmatitel im Höhenrausch

Die Anteile des Lebensmittelriesen Nestlé klettern um 1,9 Prozent in die Höhe. Die Pharmatitel Novartis und Roche gewinnen 2,6 und 2,2 Prozent. HSBC senkte zwar das Kursziel für Novartis auf 83 von 86 Franken, bestätigte aber die Kaufempfehlung. Die ebenfalls dividendenstarken Swisscom-Titel rücken 1,4 Prozent vor.

Die Aktien von Lonza erholen sich vom Kursrückschlag von über 5 Prozent am Montag und legen 1,7 Prozent zu. Das Unternehmen hatte Gespräche über den Kauf der US-Firma Capsugel bestätigt. Händler befürchten, dass es wegen der auf rund fünf Milliarden Dollar geschätzten Transaktion zu einer Kapitalerhöhung und damit zu einer Verwässerung kommen könnte.

Bei den Aktien zyklischer Firmen erfreuten sich Adecco mit einem Kursplus von 2,4 Prozent reger Nachfrage. Eine Kaufempfehlung der Citigroup und die Zusammenlegung der Tochterfirma Beeline mit dem Anbieter von Anstellungs-Software IQNavigator sorgten für anziehende Nachfrage. Adecco erhält vom Finanzinvestor GTCR, dem Mehrheitseigentümer von IQNavigator, eine Barzahlung von 100 Millionen Dollar und eine Zusage für weitere 30 Millionen Dollar. Mehrheitsaktionär des fusionierten Unternehmens mit mehr als 500 Beschäftigten ist künftig GTCR.

Die ZKB begrüsste die Transaktion, da sich Adecco auf seine Kernkompetenzen fokussiere. Beeline habe weniger als 1 Prozent zum Gruppenumsatz beigetragen. Nach Ansicht der Bank Vontobel hat die Transaktion keine wesentlichen Auswirkungen auf die Anlagebeurteilung durch das Institut.

Citigroup hatte das Rating für den Personalvermittler auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 77 von 59 Franken angehoben.

ABB gegen den positiven Trend

Die Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont gewinnen 1,9 Prozent. Berenberg stufte den Titel auf "Hold" von "Sell" hoch. Die Anteile von Rivalin Swatch rücken um 0,9 Prozent vor. Lafarge-Holcim, Geberit und Clariant notieren ebenfalls fester.

ABB verlieren gegen den positiven Trend 0,3 Prozent auf 21,45 Franken. Jefferies senkte die Empfehlung für die Anteile des Elektrotechnikkonzerns auf "Underweight" von "Hold". Kepler Cheuvreux reduzierte das Kursziel auf 23 von 24 Franken.

Freundlich zeigen sich die Aktien der Versicherer. Zurich steigen um 1,2 Prozent. Credit Suisse hat die Abdeckung mit "Outperform" und Kursziel 330 Franken wieder aufgenommen.

Die Anteile der Banken hinken dem Markt hinterher. UBS ermässigen sich um 0,2 Prozent. Der Vermögensverwalter Julius Bär rückt 0,4 Prozent vor. Credit Suisse sind um 0,6 Prozent höher bewertet.

Händler sagen, der Bankensektor profitiere zwar von den steigenden Renditen, der anziehenden Konjunktur und den Fortschritten im italienischen Bankensektor bei der Bewältigung von Altlasten. Nach der jüngsten Überentwicklung tue eine Konsolidierung Not.

Erneut hohe Kursausschläge zeigten die Aktien und Anrechte von Meyer Burger. Am Dienstag endet der Handel mit dem Anrecht aus der Kapitalerhöhung.

(Reuters/cash)