«Seien Sie wachsam, der Absturz kommt»

Sie lieben den Auftritt und malen oft schwarz. Börsengurus finden bei Anlegern hohe Beachtung. Über allen steht Warren Buffett. Ein Überblick.
24.10.2013 01:00
Von Daniel Hügli
Warren Buffet gilt weltweit als DIE Investorenlegende.
Bild: Bloomberg

Dieser Artikel ist Teil des Magazins «cash VALUE Trading 2013». Das Magazin kann hier als PDF heruntergeladen oder hier als ePaper gelesen werden.


Er ist die Investorenlegende schlechthin: Mit 82 Jahren steht Warren Buffett noch immer an der Spitze seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, die an über 80 Firmen beteiligt ist, darunter Giganten wie Coca-Cola, Goldman Sachs oder IBM. Eine geschickte Übernahmestrategie machte Buffett, das «Orakel von Omaha», zum drittreichsten Menschen der Welt mit einem Vermögen von etwa 60 Milliarden Dollar. Buffett liebt Grossübernahmen. «Unser Elefantentöter ist nachgeladen, und mein Finger am Abzug juckt», meinte er vor zwei Jahren martialisch. Zuletzt schluckte er zusammen mit einem Finanzinvestor die Ketchup-Firma Heinz für 23 Milliarden Dollar. Die Anlagen Buffetts haben langfristigen Charakter. In seinem Portfolio finden sich ­Lebensmittelgrosshändler, Stromkonzerne, Autoversicherer oder Wohnmobilhersteller. In Technologiewerte investiert er nur wenig. Buffet pflegt den klassischen «Value»-Ansatz: Wie ein Schnäppchenjäger sucht er nach Firmen und Aktien, die seiner Meinung nach unterbewertet sind und Wachstumspotenzial haben. Seine Grundregeln: «Top-Marke schlägt No Name», «Nur kaufen, was man versteht» oder «Investieren statt Spekulieren». «Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückgangs verkaufen würde. Ich suche Unternehmen, die ich verstehe und von deren Zukunftsaussichten ich überzeugt bin», sagt er. Buffetts Investitionen können ganze Branchen neu beleben.

Marktbewegungspotenzial: hoch

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Wann immer etwas in der Welt der Obligationen geschieht, dann ist er zur Stelle: «Bond-König» Bill Gross. Via Twitter, Blogs oder ganz traditionell am Fernsehen gibt er blitzschnell Auskunft, welcher Entscheid einer Zentralbank sich wie auf die Bond-Märkte auswirkt. Er weiss dabei natürlich, dass viele Anleger an der Börse Pimcos Entscheiden folgen. Gross gehörte 1971 zu den Gründern der Vermögensverwaltung Pimco im kalifornischen Newport Beach, die 2 Billionen Dollar verwaltet und inzwischen zur Allianz gehört. Gross ist Pimcos Anlagechef und verwaltet den Flagschiff-Obligationenfonds «Pimco Total Return», den grössten seiner Art weltweit. Dieser ist, seitdem die US-Notenbank das Rückfahren ihrer expansiven Geldpolitik angedeutet hat, jedoch beträchtlich geschmolzen. Grund dafür sind Abzüge von Kunden und Verluste. Pimco fing daher auch an, seine Anlagen zu diversifizieren, und begann 2009 mit der Expansion in den Aktienbereich. Dies, um sich für ein mögliches Ende der seit Jahrzehnten anhaltenden Rally bei Bonds zu wappnen.

Marktbewegungspotenzial: mittel

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Was George Soros von Buffett unterscheidet: Beide haben zwar Jahrgang 1930, doch Soros ist 18 Tage älter. Und Soros hat ein viel grösseres und politischeres Sendebewusstsein als Buffett.  Gerne und oft nimmt Soros Stellung zur Krise in Euroland. Sein Lieblingsfeind ist dabei regelmässig Deutschland, das seiner Meinung nach zu wenig tut, um die Krise um den Euro zu entschärfen. Auf Krisenwährungen beruht auch das Vermögen des Ungarn-stämmigen Soros. Anfang der 1990er-Jahre machte er mit massiven Wetten gegen das Pfund Sterling ein Vermögen und zwang die britische Währung so nebenbei in die Knie. Anfang 2013 verdiente sein Hedgefonds allein an der Abwertung des japanischen Yen mehr als eine Milliarde Dollar. Soros’ Vermögen wird auf 23 Milliarden Dollar geschätzt. Als «Soros Fund Management» Anfang Jahr das Gold-Investitionsvolumen massiv verringerte, fand dies viele Nachahmer – was den Preis des Edelmetalls noch tiefer fallen liess. Soros’ Newsletter kann auf www.georgesoros.com abonniert werden.

Marktbewegungspotenzial: hoch

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Mit Investitionen direkt hat der Universitätsprofessor und Ökonom Nouriel Roubini nicht viel zu tun. Dennoch finden seine markigen Worte an den Märkten hohe Beachtung – auch wenn seine Auftritte bisweilen inflationär sind. Der 55-jährige Roubini, an Partys jeweils lange und gerne auch mit weit offenem Hemd unterwegs, hat sich einen Namen gemacht, als er die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 vorhersagte. Diese Prognose zusammen mit seinen grundsätzlich pessimistischen ökonomischen Einschätzungen verlieh ihm ebenso wie Marc Faber (siehe rechts) den Übernamen «Dr. Doom». Bei Prognosen bleibt der in Istanbul geborene Roubini ziemlich vage. «Weniger» oder «mehr als 50 Prozent» Wahrscheinlichkeit lautet seine Antwort jeweils. Bisweilen ist Roubini genauer. Der Goldpreis werde bis 2015 auf die Marke von 1000 Dollar fallen, sagte er jüngst. On verra.

Marktbewegungspotenzial: mittel

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Unter den Schwarzmalern malt Jim Rogers mitunter am schwärzesten. Dass der Kollaps kommt, ist für Rohstoffpapst Jim Rogers sicher. Im Herbst 2013 etwa prophezeite er «eine Menge Panik an den Märkten», verursacht durch einen Mix aus kriegerischen Auseinandersetzungen, Turbulenzen in den Schwellenländern und der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken. «Passen Sie auf, seien Sie wachsam, der Absturz kommt», rät er Anlegern. Lieblingsfeind von Rogers, der den Rohstoffboom ab 1999 korrekt prognostiziert hatte, ist der US-Dollar. Dieser werde noch in diesem Jahrzehnt kollabieren. Sagt es, und investiert dabei selber in den Dollar – weil dieser als Fluchtwährung wohl weiter steigen werde. Nach Anlagetipps befragt, meint Rogers: «Fragen Sie nicht nach Rat, investieren Sie in das, was Sie wirklich kennen. Jeder hat von irgendetwas eine Ahnung, ob von Mode, Autos oder sonstwas.»

Marktbewegungspotenzial: tief/mittel

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Der Schweizer Marc Faber ist über die Börsen hinaus populär – nicht zuletzt wegen seiner unverblümten Sprache. Sein Credo: Top-Banker sind Idioten, Politiker Versager – und der Chef der US-Notenbank ein Verbrecher. Seine Vorhersagen zu Börsenabstürzen in den 80er- und 90er-Jahren trugen ihm den Ruf eines Crash-Propheten und den Namen «Dr. Doom» ein. «Eigentlich sollte ich einen trinken gehen – in Antizipation des Untergangs», sagte er an einem Vortrag. Schuld am Untergang ist die US-Notenbank, welche die Märkte mit immer mehr Geld flutet. Faber, der Mitglied des bekannten Investoren-Zirkels «Barron’s Roundtable» ist, prophezeit denn auch den finalen Knall des Finanzsystems. Bis es so weit ist, empfiehlt er eine Vermögensaufteilung von 25 Prozent Edelmetallen, 25 Prozent Aktien, 25 Prozent Obligationen und Bargeld sowie 25 Prozent Immobilien.

Marktbewegungspotenzial: tief/mittel

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Mark Mobius
ist der Guru für Schwellenmarkt-Aficionados. Unter den Marktgurus ist er einer der optimistischsten, er lässt sich auch weniger verlautbaren. Der 76-Jährige verantwortet als Executive Chairman den «Emerging-Market»-Bereich von Templeton Investments im Gesamtvolumen von mehr als 50 Milliarden Dollar. Den jüngsten Abstürzen von Schwellenland-Währungen und Aktienmärkten zum Trotz bleibt Mobius für «Emerging Markets» unverdrossen optimistisch. «Der Abschwung in den Schwellenländern ist nur getrieben von der Spekulation, nicht von der Realität.» Auch auf die so genannten «Frontier Markets» wie Afrika oder Teile in Osteuropa steht Mobius. Einen Volltreffer landete Mobius aber anderswo. Die Euro-Krise könnte im Juni 2012 beendet sein, sagte er in einem Interview Ende 2011 zur Verblüffung vieler. Diese Krise ist zwar nach wie vor nicht beendet, doch just im Juni des letzten Jahres drehten die Börsen und setzten zu einer lange anhaltenden Rally an.

Marktbewegungspotenzial: mittel

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Der 57-jährige New Yorker John Paulson ist Spekulant durch und durch: Im Jahr 2007 spielte der Hedgefonds-Manager rund 15 Milliarden Dollar für seine Investoren ein, als er auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes wettete. Paulson, den viele Hobby-Investoren zu kopieren versuchen, macht aber nicht erst seit 2013 schwere Zeiten durch. Er ritt lange Zeit auf der Goldwelle. Und wurde wie andere Grossinvestoren durch den Goldpreiszerfall in diesem Jahr auf dem falschen Fuss erwischt. Auch falsche Spekulationen 2011 und 2012 auf den Verlauf der US-Wirtschaft und auf die Euro-Schuldenkrise führten zu Verlusten. Der grösste Paulson-Fonds ist auf den Kauf von Aktien spezialisiert, deren Firmen in Übernahmen verwickelt sind. Auch hier nimmt Paulson dann und wann öffentlich Stellung dazu, auf welche Firmen und Investments der Fonds setzt. Privatanleger, die Hedgefonds-Manager kopieren wollen, können auf den im letzten Jahr lancierten «Top Guru Holdings Index ETF» setzen.

Marktbewegungspotenzial: tief/mittel