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«Selbsthilfe der Credit Suisse gefällt mir»

Fondsmanager Martin Skanberg von Schroders erwartet eine positive Entwicklung der Eurozone. Der Aktienspezialist analysiert auch den Schweizer Markt und nennt einen SMI-Konzern, dem er einiges zutraut.
20.11.2015 07:43
Von Marc Forster, London
Martin Skanberg, Fondsmanager für europäische Aktien bei Schroders in London.
Bild: cash

"2015 war für den Schweizer Aktienmarkt ein schwieriges Jahr", sagt Martin Skanberg im cash-Börsen-Talk. Das Ende des Mindestkurses im Euro-Franken-Kursverhältnis im Januar habe den Auslöser für eine erlahmende Gewinnentwicklung in vielen Unternehmen gebildet. "Im dritten Quartal, wo wir die Resultate nun vorgelegt bekommen haben, hat sich dieser Gewinnrückgang weiter gezeigt."

Dennoch prägt dieser Eindruck nicht das ganze Bild, wie Skanberg sagt, der beim Londoner Fondshaus Schroders in europäische Aktien ausserhalb des britischen Marktes investiert. "Innerhalb der Schweizer Wirtschaft sehen wir immer noch sehr gute Unternehmen." Der Pharmabereich sei sei besonders gut unterwegs.

In der vergangenen Quartalsaison hat Roche den Ausblick erhöht, und Lonza berichtet von einer positiven Tendenz. Die Lonza-Aktien hat in den letzten Wochen 20 Prozent zugelegt. Einzig bei Novartis enttäuschten die Drittquartalszahlen etwas.

Für Skanberg ist aber auch wichtig, dass der Schweizer Pharmasektor in einer qualitativ guten Verfassung ist. Vor allem dürfte sich die Restrukturierung der Branche und der Umbau der grossen Pharma-Player auszahlen.

Positiv für Banken gestimmt

Bei den Schweizer Banken sieht der Schroders-Fondsmanager einige "Selbsthilfe-Geschichten" auf dem Weg, wie die Credit Suisse: "So etwas gefällt uns, danach suchen wir." Skanberg glaubt, dass die stärkere Fokussierung auf die Vermögensverwaltung die Bank stabilisieren kann. Die Aktionäre der Bank haben mittlerweile auch die Kapitalerhöhung gutgeheissen, die der seit dem Sommer amtierende Chef Tidjane Thiam auf den Weg gebracht hat.

Die schwächer als ihre Konkurrentin UBS kapitalisierte CS will sechs Milliarden Franken zusätzliche Polster. Der zuletzt volatile Kurs der CS-Aktie - innerhalb von sechs Monaten sank der Wert um 4,8 Prozent - zeigt, dass aber auch Zweifel am Gelingen der Kehrtwende bei der zweitgrössten Schweizer Bank bestehen.

Martin Skanberg bricht aber auch eine Lanze für die Banken in der Eurozone; Die Verfügbarkeit von Krediten sei dank Eingriffen der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit in einer positiven Entwicklung: "Ein Teil der Banken in der Eurozone, wie auch die Asset Manager, können sich die EZB-Geldpolitik zunutze machen."

Dazu kommen neuerdings Signale, dass die Reform der Bankenregulierung vor dem Abschluss steht. Dies dürfte den Eurozonen-Banken ebenfalls mehr Stabiliät verleihen. Vielversprechend ist für Skanberg überdies auch der europäische Immobiliensektor, der weiter an Attraktivität gewinne: "Ich denke dabei zum Beispiel an den deutschen Wohnungsbau."

Euro-Exportindustrie auf wackligen Beinen

Neben der EZB-Geldflut, die auch 2016 die Märkte stützen dürfte, erwartet Skanberg auch eine weitere Verbesserung der Fiskalsituation in Europa. "Jahre der Sparpolitik fangen vor allem in Südeuropa - speziell Spanien - an zu enden und derzeit ist die Wachstumsentwicklung gut." Das verfügbare Einkommen steige in Europa, wodurch der Konsum gestützt werden dürfte. In Frankreich und Deutschland erwartet er steigende Konsumausgaben, unterstützt von einem eher schwachen Euro.

Ein äusseres Risiko sind für ihn die Schwellenländer, die bei einer Änderung der amerikanischen Geldpolitik unter Druck kommen könnten. "Von den Ungleichgewichten in der Wirtschaft der Emerging Markets wirkt sicherlich auch ein Deflationsdruck auf Europa." Dies könnte dann wiederum Folgen auf den Aktienmarkt haben: Vor allem die produzierende Industrie, speziell der Export mit tiefmargigen Gütern, komme dann unter die Räder. "Aber es gibt auch innerhalb des Industriesektors Teile, die weiterhin wachsen werden, Automatisation oder Robotertechologie etwa: dorthin fliessen viele Investitionen."

Im cash-Börsen-Talk trifft Martin Skanberg auch eine Einschätzung zu den wirtschaftlichen Folgen der Terrorgefahr in Europa und analysiert die Lage des Euro-Krisenstaats Griechenland.

Interview und Artikel entstanden im Rahmen einer Pressereise, zu der Schroders eingeladen hatte.