Sesselkleber - Generationenwechsel im VW-Clan noch nicht in Sicht

Beim VW-Grossaktionär Porsche ist ein bisschen wie im britischen Königshaus: Die Erben werden immer älter, aber die bisherigen Chefs treten so bald nicht ab.
03.06.2017 03:44
Ferdinand Piëch (80) sitzt immer noch im Aufsichtsrat von Porsche.
Ferdinand Piëch (80) sitzt immer noch im Aufsichtsrat von Porsche.
Bild: Bloomberg

Die Generation der Erben im Porsche-Piech-Clan wird wie der ewige Thronfolger Prinz Charles immer älter. Doch so wie die Queen behalten ihre Väter, die betagten Enkel des VW-Ahnen und Käfererfinders Ferdinand Porsche, das Zepter in der Hand.

Oben auf der Bühne der Hauptversammlung der PSE in Stuttgart nahm die betagte Riege der führenden Familieneigner Platz, einschliesslich des jahrzehntelang dominanten Ferdinand Piech (80). Einige der rund 30 Personen starken Generation der Nachrücker verfolgte das Treffen als Zuschauer in der ersten Reihe.

Den letzten beiden Hauptversammlungen war Piech, der sich in der Öffentlichkeit seit seinem Rücktritt vom Vorsitz des VW-Aufsichtsrats 2015 rar machte, fern geblieben. Sein mit Spannung erwarteter Auftritt in der Porsche-Arena war unspektakulär: Schweigend und reglos hörte er sich die Vorhaltungen von Kleinaktionären etwa über Versagen des Managements im VW-Dieselskandal an. Auch bei Kritik oder Beifall zu seiner erneuten Kandidatur für den Aufsichtsrat verzog er keine Miene.

Alles bleibt beim Alten

Piech verkaufte kürzlich seinen Anteil von 14,7 Prozent an der Finanzholding an seinen Bruder Hans Michel Piech (75). Der Wiener Anwalt ist schon seit Ferdinands Rückzug von allen VW-Kontrolleursposten 2015 führender Repräsentant des Piech-Zweigs neben dem Porsche-Clanchef Wolfgang Porsche (74). Das wird vorerst auch so bleiben: "Wolfgang Porsche und Hans Michel Piech werden sich nicht so bald zurückziehen", sagt ein Kenner der Familie.

Auf der Hauptversammlung der von den Porsches und Piechs kontrollierten Finanzholding PSE in Stuttgart soll alles beim Alten bleiben: Piech will im Aufsichtsrat bleiben, bis der Verkauf seines Anteils vollständig rechtlich vollzogen ist. "Herr Professor Piech ist ein ausgewiesener Kenner der Automobilbranche", sagte Wolfgang Porsche, der Aufsichtsratschef der PSE.

Piechs Ausstieg wäre demnach spätestens im kommenden Jahr möglich. Seine Wiederwahl ist reine Formsache, denn allein die Familieneigner mit ihren Stammaktien sind stimmberechtigt.

Eine Designerin und ein Musiktherapeut

Unter den übrigen vier Verwandten im PSE-Aufsichtsrat entstammt nur der 56-Jährige Ferdinand Oliver Porsche der vierten Generation. Auch Louise Kiesling, eine Nichte von Ferdinand Piech, nahm an der Versammlung teil. Die Unternehmerin und promovierte Designerin ist die älteste Porsche-Urenkelin, sie feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. Seit zwei Jahren sitzt sie bereits im Aufsichtsrat von Volkswagen und wäre ebenso wie ihre Cousine Julia Kuhn-Piech (Jahrgang 1981) Kandidatin, wenn Piechs Platz frei wird.

Auch Peter Daniell Porsche (Jahrgang 1973) bereitet sich vor, in nicht allzu ferner Zukunft seinen Vater Hans-Peter Porsche im PSE-Aufsichtsrat abzulösen. Dieser überschrieb seinen Anteil bereits dem einzigen Sohn.

Ende 2015 hatte der mittlerweile 76-jährige Ingenieur angekündigt, in zwei bis vier Jahren sein Mandat an Daniell abtreten zu wollen. Der Musiktherapeut und Verleger sitzt bereits im Aufsichtsrat der tschechischen VW-Tochter Skoda. So lange noch alles offen sei mit Piechs Anteilsverkauf, könne er nichts sagen, wehrte er freundlich die Fragen von Journalisten ab.

«Man muss nicht Ingenieur sein»

Die vierte Generation übernehme allmählich mehr Verantwortung, hatte Wolfgang Porsche im März auf der Automesse in Genf erklärt. Dass ihr automobiltechnischer Sachverstand allenfalls angelesen ist, ist Porsche zufolge kein Problem. "Man muss nicht Ingenieur sein", sagte er. Wie er gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im April betonte, soll künftig bewusst kein Familienmitglied mehr operativ im Konzern tätig sein wie einst Ferdinand Piech, langjähriger Audi- und VW-Chef.

Auch Ferdinands jüngster Sohn Gregor begleitete seine Eltern zur Hauptversammlung nach Stuttgart, wo ein Kleinaktionär den Sachverstand seines Vaters lobte und andere Familienmitglieder als "Waldorfschüler, Blockflötenspieler und Bäumeumarmer" bezeichnete. Der frühere VW-Firmenpatriarch nahm erstmals seit seinem Rücktritt von den VW-Aufsichtsratsposten im Frühjahr 2015 wieder an einem Aktionärstreffen teil. Lob und Kritik verfolgte er wort- und regungslos.

Von Piechs zwölf Kindern hatte sich bisher keines in Stellung gebracht für Posten im VW-Imperium. Sie haben nach dem Anteilsverkauf vermutlich auch keine Aktien mehr in Europas grösstem Autokonzern. Piech behielt noch einige PSE-Aktien in einer Stiftung ein. Ob an dieser seine Kinder beteiligt sind, ist unbekannt. Es sei deshalb unwahrscheinlich, dass Ferdinands Nachkommen eines Tages Aufsichtsratsposten übernehmen, erklärte ein Insider.

(Reuters)