SGS-Aktien nach Semesterzahlen abgestraft

Die Aktien des Warenprüfers SGS gehen zum Wochenauftakt auf Tauchgang. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen nach einem enttäuschenden Halbjahresabschluss.
18.07.2016 10:40
Am Montagmorgen stark unter Druck: Die SGS-Aktie.
Am Montagmorgen stark unter Druck: Die SGS-Aktie.
Bild: Screenshot

Dabei sind die Valoren auch ein Opfer ihres eigenen Erfolgs: Am Freitag noch hatten die Papiere in der Hoffnung auf gute Semesterzahlen ein neues Rekordhoch erreicht. Für Gesprächsstoff sorgt im Handel vor allem eine überraschende Margenwarnung.

Bis um 10.30 Uhr sacken SGS Namen um 4,1% auf 2220Franken ab. Der Gesamtmarkt (SMI) notiert derweil bei 8149 Punkten und damit um 0,1% unter dem Schlussstand vom Freitag.

In Analystenkreisen wird die in den ersten sechs Monaten beobachtete Umsatzentwicklung als solide beurteilt. Dass sich das organische Wachstum beschleunigt hat und die diesbezüglichen Erwartungen übertroffen wurden, wird gar sehr begrüsst. Treiber des Wachstums waren die Segmente Umwelt, Regierung und Transport.

Rohstoffpreise als Spielverderber

Die stark von der Entwicklung der Rohstoffpreise abhängigen Sparten wie Minerals und Öl & Gas schnitten hingegen unterdurchschnittlich ab. Sie hätten aber ebenfalls besser abgeschnitten, als er erwartet habe, merkt Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy an. Und Daniel Bürki von der ZKB meint, es werde noch einige Zeit dauern, bis sich die Erholung gewisser Rohstoffpreise auch bei der SGS wieder in zusätzlichem Umsatz manifestiere.

Die Gewinnzahlen von SGS haben hingegen durchs Band enttäuscht. Die Genfer begründen den Margenrückgang im ersten Semester unter anderem mit Investitionen in die Infrastruktur der Gruppe, wie etwa in die IT oder in den Aufbau der Shared Services. Zudem seien die zuletzt akquirierten Unternehmen noch wenig profitabel, so die Genfer. Daher würden auch die Margen vorübergehend etwas unter Druck kommen.

Zweifel an Akquisitionsstrategie

Und genau diese Margenwarnung wird SGS verübelt. Denn die Experten hatten im Gegenteil eine steigende Profitabilität erwartet, weil im Vergleich zum Vorjahr viel tiefere Restrukturierungskosten angefallen seien. Und dass die Marge vorübergehend von den kleineren Firmenübernahmen belastet werde, lasse Zweifel am Erfolg der Akquisitionsstrategie aufkommen. Die Börse hatte sich hier eine Gewinnverdichtung und keine kurzfristige Verwässerung erhofft.

Chris Burger von Helvea Baader bringt ein wenig Verständnis für SGS auf: Die zuletzt hohen Investitionen würden zwar zunächst die Margen etwas verwässern. Sie würden aber auch die Betriebseffizienz der Organisation erheblich verbessern und seien ein integraler Bestandteil der bis 2020 laufenden Transformationsinitiative.

Etwas Kritik kommt auch an der Wachstumsguidance auf. Er sei überrascht, dass diese nicht angehoben wurde, so Vontobel-Experte Bertschy. Trotz eines organischen Wachstums von 3,4% im ersten Halbjahr peilt das Management um CEO Frankie Ng im laufenden Jahr unverändert eine Rate von 2,5% bis 3,5% an. Dabei falle doch das zweite Semester bei SGS in der Regel stärker aus, so Bertschy.

(AWP)