SGS enttäuscht - Aktie mit schwerem Stand

Der Warenprüfkonzern SGS enttäuscht mit einem markanten Margenrückgang. Entsprechend verhalten fallen bisweilen die Analystenreaktionen aus. Die Aktie liegt über weite Strecken im Angebot..
23.01.2017 11:46
Von Lorenz Burkhalter
Der Warenprüfkonzern SGS muss auf ein schwieriges 2016 zurückblicken.
Der Warenprüfkonzern SGS muss auf ein schwieriges 2016 zurückblicken.
Bild: Screenshot

SGS verfehlt im vergangenen Jahr sowohl beim Umsatz als auch auf den Stufen operativer Gewinn (EBIT) und Reingewinn die Analystenerwartungen. Das überrascht, hatte der Warenprüfkonzern aus Genf doch schon im Oktober versucht, die Erwartungshaltung zu dämpfen. Nur mit mässigem Erfolg, wie sich jetzt herausstellt.

Anders als damals enttäuscht nicht das mit 2,5 Prozent am unteren Ende der firmeneigenen Zielbandbreite von 2,5 bis 3,5 Prozent liegende organische Wachstum, sondern der markante Margenrückgang.

Auch der sehr vage formulierte Ausblick weiss nicht so recht zu überzeugen, weshalb die Aktie nach einer freundlichen Eröffnung einen eher schweren Stnad hat. Zur Stunde verliert sie an der Schweizer Börse SIX noch 1,3 Prozent auf 2'066 Franken. Im bisherigen Handelsverlauf bewegten sich die Kursnotierungen zwischen 2'039 und 2'118 Franken.

Wie der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst schreibt, deckt sich das organische Umsatzwachstum exakt mit den bankeigenen Schätzungen. Seines Erachtens haben sich vor allem die Geschäftsbereiche mit Bezug zur Öl- und Gasindustrie als bremsend erwiesen. Das profitable Geschäft mit Kunden aus dem Konsumbereich sei hingegen um 4,7 Prozent gewachsen.

Hohe ausserordentliche Kosten verhageln das Geschäftsjahr 2016

Was den Margenrückgang anbetrifft, so fällt dieser mit 70 Basispunkten auf Stufe des operativen Gewinns (EBIT) markanter als vom Experten erwartet aus. Vor allem auf nicht-bereinigter Basis werden seine Prognosen sowohl beim EBIT als auch beim Reingewinn ziemlich deutlich verfehlt.

Der Analyst macht vor allem ausserordentliche Kosten, unter anderem im Zusammenhang mit den eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen, für die Differenz zu seinen Schätzungen verantwortlich. Die um Sonderfaktoren bereinigten Gewinnzahlen erfüllen die tiefen bankeigenen Erwartungen hingegen. Aufgrund der starken Kursentwicklung der letzten 12 Monaten und der hohen Bewertung wird die SGS-Aktie bei der Zürcher Kantonalbank nur mit "Marktgewichten" eingestuft.

Ausblick bedarf einer Erklärung

Wie einem Kommentar aus dem Hause J.P. Morgan entnommen werden kann, liegt der operative Jahresgewinn auch um Sonderfaktoren ausgeklammert um rund 1,5 Prozent unter den Konsenserwartungen. Wenigstens sei mit 2,5 Prozent aber das organische Wachstum innerhalb der Zielbandbreite ausgefallen, so gibt der Autor zu bedenken. Er schätzt die Aktie weiterhin nur neutral ein.

Sein Berufskollege von Exane BNP Paribas stösst sich hingegen am wenig aussagekräftigen Ausblick für das laufende Jahr. Er erhofft sich in diesem Zusammenhang von der für 14 Uhr angesetzten Analystenkonferenz klärende Zusatzinformationen. Bis dahin hält er am "Neutral" lautenden Anlageurteil sowie am Kursziel von 2'050 Franken fest. SGS selber strebt für 2017 "einen höheren bereinigten operativen Gewinn bei einem soliden organischen Umsatzwachstum" an.

Den verhaltenen Wortmeldungen anderer Experten hält der Analyst von Baader Helvea entschieden entgegen. Er verweist dabei auf die angekündigte Dividendenerhöhung sowie auf das neu ins Leben gerufene Aktienrückkaufprogramm. Seinen Berechnungen zufolge liegt die Ausschüttungsquote bei 98 Prozent des effektiven Jahresgewinns beziehungsweise bei 84 Prozent des bereinigten Jahresgewinns. Er stuft die Aktie wie bis anhin mit "Neutral" und einem Kursziel von 2'000 Franken ein.