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Sika-Aktie: Es geht noch tiefer

Der Wirbel um den Saint-Gobain-Deal veranlasste zahlreiche Sika-Aktionäre zu Wutverkäufen. Und weitere Frusthandlungen sind möglich. Laut Branchenkennern bleibt die Situation äusserst unberechenbar.
11.12.2014 12:16
Von Marc Forster
Seit Tagen kennt die Sika-Aktie nur eine Richtung: Nach unten.

Das Papier des Bauchemiekonzerns war lange Everybody's Darling - Nun könnte sich Sika für das Prädikat "Meistgehasster Titel an der Schweizer Börse" bewerben. Denn der umstrittene Plan der Gründerfamilie Burkard, ihre mit einer Stimmenmehrheit verknüpften 16,1 Prozent an der Gruppe für 2,75 Milliarden Franken an den französischen Multi Saint-Gobain zu verkaufen, treibt etliche Investoren zur Weissglut.

"Es hat viele langfristig orientierte mittlere bis grössere Aktionäre, welche ihre Sika-Positionen nun hinterfragen", sagt Patrick Appenzeller, Analyst bei Helvea Baader, zu cash. Denn Eigenschaften, für die Sika stand, wie hohes Wachstum, gute Margen, Verlässlichkeit, gutes Management und Unabhängigkeit, seien nun auf einen Schlag in Frage gestellt, so Appenzeller.

Wutverkäufe und die grosse Verunsicherung um die Zukunft des Vorzeigekonzerns haben den Wert der Aktie abstürzen lassen - seit Montag beträgt der Kursverlust 28 Prozent. Das Chaos ist gross, und der Kurs könnte noch mehr fallen. Einen möglichen Tiefstwert für die Aktie nennen Analysten nicht. Am Markt spricht man davon, dass aber ein weiterer Sturz auf 2500 Franken durchaus möglich sei. Am Donnerstag erholt sich die Aktie und notiert um 12 Uhr bei 2794 Franken.

Kursentwicklung der Sika-Aktie (6 Monate).

Analyst Martin Hüsler von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) setzt ein Kursband zwischen 2600 bis 2930 Franken fest, was sich an den Einschätzungen zu vergleichbaren Unternehmen orientiert. "Die Aktie ist aber im Moment eigentlich unbewertbar", gibt der Analyst zu bedenken. Der Markt wisse selber nicht, wohin mit der Aktie, weil die Situation zu unberechenbar sei: "Würde etwa der CEO das Handtuch werfen, könnte der Kurs weiter sinken". Gäbe es hingegen Anzeichen einer Annäherung zwischen dem Sika-Management und Saint-Gobain, wäre dies wiederum gut für den Kurs.

Die ZKB bezeichnet die gesamte Affäre als "lose-lose-Situation" mit nur einem Gewinner, der Schenker Winkler Holding der Gründerfamilie. Derart emotional ist der Rummel um die Transaktion auch geworden, weil die Familie Burkard offensichtlich viel Vertrauen zerstört hat. Nach einem angeblichen Bekenntnis zu Sika im Oktober folgte nun der Plan, die Stimmenmehrheit an Saint-Gobain zu verkaufen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Familie ihre Vorhaben noch geändert wird, ist wohl gering. Möglich ist, dass wütende Aktionäre versuchen werden, Mitglieder der Familie vor Gericht zu bringen. Die Aussicht, dass jemand aus der Familie Burkard oder deren Umfeld verurteilt wird, ist gering, aber eine sich in die Länge ziehendes Gerichtsverfahren könnte sich als neue Belastung für den Kurs erweisen.

Sika galt als künftiger SMI-Kandidat anstelle von Transocean. Als Teil des 20 Titel umfassenden Leitindexes wäre Sika ein must buy für ETFs, Fonds und institutionelle Anleger geworden.