Sind diese Aktien nun Franken-Gewinner?

Noch Mitte Januar völlig «out», jetzt langsam wieder «in»? cash nimmt Aktien unter die Lupe, die von einer weiteren Franken-Abwertung profitieren könnten.
17.08.2015 00:01
Von Marc Forster
Die Aktiensturz-Situation von Miite Januar müsste sich nun ins Gegenteil umkehren, wenn sich der Franken weiter abschwächt.
Die Aktiensturz-Situation von Miite Januar müsste sich nun ins Gegenteil umkehren, wenn sich der Franken weiter abschwächt.
Bild: Bloomberg

Mitte Januar, als die Schweizerische Nationalbank die Kursuntergrenze zum Euro abschaffte, verloren Aktien in der Schweiz zwei Tage lang den Boden. Hart traf es Titel, die unter einem aufgewerteten Franken besonders leiden. Das heisst: Hoher Exportanteil in die Eurozone, aber ebenfalls hoher Kostenanteil in Schweizer Franken. Der sich abschwächende Franken in den letzten Wochen könnte die Aktien dieser Unternehmen beflügeln.

Denn Ökonomen zeigen sich zuversichtlich, dass der Euro-Franken-Kurs bald 1,10 Franken erreichen kann. Dieses Kurs-Niveau, verbunden mit einer Erstarkung der Konjunktur der Eurozone, dürfte die Lage der Schweizer Unternehmen entspannen, wie auch der Anlagechef der Zürcher Kantonalbank, Christoph Schenk, kürzlich im cash-Börsen-Talk sagte. Auch der Dollar hat sich zum Franken in diesem Jahr kontinuierlich aufgewertet und steht fast bei der Parität.

Wohin die Reise mit dem Franken geht, und wohin sich der Dollarkurs angesichts der erwarteten Fed-Zinswende entwickelt, ist natürlich unsicher. Ausserdem verfügen weltweit agierende Konzerne auch über natürliches Hedging. Mit Aktien von Unternehmen mit hohem Fremdwährungs-Exposure geht man auch eine Wette ein.

Wo sich ein Blick bei Aktien lohnt, und wo noch andere Faktoren als der Franken-Kurs eine Rolle spielen:

Actelion: Gemäss einer Studie des Brokerhauses Kepler und der Bank Bellerive beträgt das Netto-Auslands-Exposure des Pharma-Entwicklers 68 Prozent. Das heisst, Actelion hat über zwei Drittel mehr Erträge im Ausland als im Inland. Bessere Wechselkurs-Bedingungen würden das Unternehmen stützen, das sowieso im Aufwind ist. Es ist über die Jahre eine der am besten rentierenden Aktien. Seit dem Jahresanfang 2015 hat sich das Papier um rund 17 Prozent gesteigert.

Dabei ist allerdings die Bewertung hoch: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das laufende Jahr schätzen die Analysten bei 23,2 ein. Wer Actelion jetzt kauft, springt auf auf einen schon schnell fahrenden Zug auf.  Solange das Pharmaunternehmen erfolgreich das Bluthochdruck-Mittel Tracleer und dessen Nachfolgepräparate vertreiben kann, braust der Erfolgszug aber weiter. Starke Fremdwährungen ölen die Schienen. Durchwachsene Quartalszahlen im Juli haben für eine Delle im Kursverlauf gesorgt, was aber als Einstiegschance gesehen werden kann.

Swatch: Swatch gehört mit einem Netto-Auslands-Exposure von 40 Prozent ebenfalls zu den sehr währungsabhängigen Unternehmen. Der Konzernchef des Uhren- und Schmuckimperiums, Nick Hayek, gehört seit Mitte Januar, als die Mindestkursgrenze zum Euro fallen gelassen wurde, zu den grössten Kritikern der Nationalbank. Er hätte sich eine Fortsetzung der 1,20er-Politik der Währungshüter gewünscht.

Seit Anfang Jahr entwickelt sich der Swatch-Kurs nur mässig: Der Kurs war sehr volatil und ist heute rund 11 Prozent tiefer als Anfang Januar, massgeblich gedrückt durch den SNB-Kursschock. Zuletzt haben der Aktiencrash in China und die forcierte Abwertung des Yuan für sinkende Kurse gesorgt - wie im übrigen auch bei den ebenfalls stark chinalastigen Unternehmen Richemont und DKSH. Ein Kursanstieg bei Swatch hängt nicht alleine vom Euro und vom Dollar ab, aber solange die meisten Schweizer Uhren exportiert werden, sind starke Fremdwährungen gut für das ungewöhnliche Unternehmen aus Biel.

Sonova: Der Hörgerätehersteller schreckte Anfang März als eines der ersten Unternehmen nach der SNB-Mindestkurs-Entscheidung mit der Nachricht auf, Stellen ins Ausland verlagern zu wollen. Sonova ist mit einem Fremdwährungsexposure von 37 Prozent ebenfalls eines der am stärksten auslandsabhängigen Unternehmen der Schweiz.

Mit dem SNB-Entscheid vom 15. Januar sackte die Aktie massiv ab und verlor über ein Viertel des Wertes. Aktuell befindet sich der Kurs um 8,4 unter Jahresanfangs-Wert. Entspannt sich die Situation des Frankens weiter in Form einer Abschwächung, sind die Anleger auch zuversichtlicher für Sonova. Die Währungsschwankungen gehören neben der harten Konkurrenzsituation zu den grössten Störgeräuschen beim Hörgeräte-Entwickler, zudem ist die Medizinaltechnikbranche immer dem Risiko von Schadenersatzklagen ausgesetzt.

Mit einer starken Bilanz, einem steigenden Bedarf an Hörgeräten weltweit und erfolgreichen Produkten hat Sonova die Aura einer vielversprechenden Aktie aber nicht verloren.

Givaudan: Auch der Aromenmixer hat Mitte Januar stark gelitten, und wie bei Sonova hat sich der Kurs gemessen am Jahresanfang noch nicht ganz erholt. Auch Givaudan verlor am 15. Januar rund ein Viertel des Werts und im Moment fehlen noch 2,1 Prozent, um den Jahresanfangs-Stand einzuholen.

Die Auslands-Erträge übertreffen bei Givaudan die Inland-Kosten um 23 Prozent. Givaudan hat den Ruf einer beliebten Aktie: Das Unternehmen hat eine starke Marktstellung, ist gut in den Schwellenländern verankert und überzeugt mit seinen Produkten. Die Stellung im Sektor für Fertig-Nahrungsmittel erlaubt es den Duftstoffespezialisten, vom wachsenden Konsum weltweit zu profitieren. Auf der anderen Seite ist die Aktie ziemlich hoch bewertet (KGV 2015: 25,4). Die Analysten der ZKB gehen davon aus, dass die Aktie im Moment nur wenig Aufwärtspotential besitzt.

Geberit: Mit den vor kurzem vorlegten Zahlen zum zweiten Quartal hat der Sanitärausrüster die Märkte nicht überzeugt. Der starke Franken wurde dabei als Grund genannt, weswegen das Unternehmen die Umsatzprognosen nicht erreichte. Der grösste Brocken, den das Unternehmen zu verdauen hatte, war aber der Kauf des finnischen Badausstatters Sanitec.

Geberit ist stark von Europa abhängig, und wenig in den Schwellenländern engagiert. Daher ist ein Wachstum in den europäischen Ländern, das Hand in Hand geht mit einer Stärkung des Euro, sehr im Interesse von Geberit. Die Anleger schauen allerdings nicht nur auf die Wechselkurse des Frankens, sondern auch auf die Guidance und die Bewertung: Zwei bis drei Prozent in Aussicht gestelltes Umsatzwachstum werden als tief angesehen. Ein für 2015 geschätztes KGV von über 25 macht die Aktie teuer.

  Netto-Auslands-Exposure (in Prozent) 3-Monats-Wachstum (in Prozent)
Actelion 68 5,7
Straumann 43 13,3
Julius Bär 41 2,9
Swatch 40 1,7
Sonova 37 2,6
Lindt 26 10,4
Roche 24 0,6
Lonza 24 5,4
Givaudan 23 2,1
Geberit 23 -4,0
CS 16 9,9
UBS 15 9,7
Nestle 13 0,7
Richemont 5 -5,0
Novartis 4 4

(Quelle: Kepler, Privatbank Bellerive, cash.ch)