Sind Firmenbonds noch interessant?

Die Zinskurve bei Schweizer Unternehmensanleihen zeigt schon seit einiger Zeit nach unten. Welche Rolle dabei die Europäische Zentralbank spielt - und was dies für Anleger bedeutet.
12.04.2016 22:55
Von Pascal Züger
Eine sechsjährige Roche-Anleihe weist derzeit eine Rendite von minus 0,41 Prozent auf.
Eine sechsjährige Roche-Anleihe weist derzeit eine Rendite von minus 0,41 Prozent auf.
Bild: Bloomberg

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt noch einen drauf: Seit April kauft sie monatlich Anleihen für 80 Milliarden Euro - das sind 20 Milliarden Euro mehr als zuvor. Neu sollen damit nicht mehr nur Staatsanleihen, sondern auch direkt Unternehmensanleihen erworben werden. Viele europäische Banken rechnen deshalb mit rekordtiefen Renditen bei Unternehmensanleihen.

Und tatsächlich ist bereits nach der Ankündigung des Programms am 10. März die durchschnittliche Rendite europäischer Unternehmensanleihen mit Investment Grade – das heisst solche mit hoher Bonität– auf unter 1 Prozent gesunken. Als Folge kam es bereits zu einer Vielzahl an Neuemissionen, da Unternehmen günstig Kredite aufnehmen können.

Hat das auch Auswirkungen auf Anleihen von Schweizer Firmen? "Die neueste EZB-Massnahme drückt die Rendite von Schweizer Unternehmensanleihen nicht direkt nach unten", meint Patrick Hasenböhler, Anleihenexperte bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), auf Anfrage von cash. Indirekt wirke es sich hingegen sehr wohl aus, zumal die Schweizerische Nationalbank (SNB) schaue, dass der Franken nicht zu stark werde - was wiederum Anleihen in Franken attraktiver mache. Ausserdem drückten auch die Negativzinsen die Rendite nach unten - deren Einführung auch eine Folge der EZB-Politik ist.

Ein Blick auf die Rendite der letzten 12 Monate von Schweizer Unternehmensanleihen mit Investment Grade zeigt jedoch, dass der Trend nicht erst seit der neuesten Draghi-Ankündigung in Richtung tiefere Verzinsung geht:

Daten: six-swiss-exchange.com

Die durchschnittliche Rendite von Schweizer Unternehmensanleihen liegt aktuell bei mageren 0,13 Prozent - und ist damit 35 Prozent tiefer als vor der Draghi-Ankündigung im März. Doch der Abwärtstrend dauert schon viel länger an: Im Juni 2015 lag die Rendite noch bei 0,6 Prozent.

Grundsätzlich orientieren sich die Renditen von Corporate Bonds, so der englische Name für Unternehmensanleihen, sehr stark an der Rendite von Staatsanleihen. Wobei noch ein Risikoaufschlag dazu kommt, welcher Anleger für das grössere Ausfallrisiko im Vergleich zu den staatlichen Bonds kompensiert. Je geringer die Bonität, desto grösser der Aufschlag - und desto höher auch die Rendite.

Schaut man sich einzelne Anleihen grosser börsenkotierter Schweizer Firmen an, findet man sogar viele mit negativen Renditen, was eigentlich absurd ist. Investoren werden "bestraft", weil sie Unternehmen Geld zur Verfügung stellen. Eine sechsjährige Roche-Anleihe hat beispielsweise eine Verfallrendite von minus 0,41 Prozent, eine neunjährige Swisscom-Anleihe minus 0,35 Prozent und eine siebenjährige Obligation von Givaudan rentiert für Anleger mit minus 0,28 Prozent.

Nicht für Privatanleger geeignet

Aber wer lässt sich denn überhaupt auf eine solche Anleihen ein? Es sind grosse institutionelle Anleger, die ihr Geld irgendwo anlegen müssen. "Eine leicht negative Rendite für institutionelle Anleger ist immer noch günstiger, als die Negativzinsen der Nationalbank zu bezahlen", so Hasenböhler. Investoren hätten dabei das Zinsrisiko zu tragen, welches jedoch mangels Anlagealternativen und wegen des teilweisen Investitionszwangs - vor allem für Pensionskassen - in Kauf genommen werde.

Für private Anleger heisst dies also: Finger weg von Unternehmensanleihen. Auch Alex Hinder, Inhaber Hinder Asset Management in Zürich, empfiehlt derzeit keine ETF oder aktive Fonds im Bereich Unternehmensanleihen zum Kauf: "Für uns als Vermögensverwalter und auch für Kleinanleger sind diese Anleihen uninteressant." Zusammen mit den Gebühren seien diese schlicht nicht attraktiv, so der Vermögensverwalter. Am ehesten kämen noch Unternehmensanleihen aus den USA in Frage, wo auch bei guter Bonität Renditen von 3 bis 3,5 Prozent Rendite drinlägen. Allerdings sind Anleger dann dem Währungsrisiko ausgesetzt.

Auch eine Erholung der Rendite bei Schweizer "Corporates" ist derzeit nicht absehbar. Im Gegenteil: Sollte es im Rahmen der Brexit-Diskussion wieder zu einer Aufwertung des Frankens kommen, schliesst Hinder eine Ausweitung der Negativzinsen durch die SNB nicht aus. Das würde auch Schweizer Unternehmensanleihen weiter nach unter drücken.