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«Small- und Mid-Caps sind nun spannend»

EFG-Fondsmanager Urs Beck macht sich für Aktien kleinerer und mittelgrosser Firmen stark. Im cash-Börsen-Talk nennt er seine Favoriten. Er sagt auch, bei welchen SMI-Titeln der schöne Schein täuschen könnte.
20.02.2015 01:05
Von Marc Forster
Urs Beck, Leiter Aktien Schweiz bei EFG.
Bild: cash

Erfreulich hat sich für Urs Beck, der beim Vermögensverwalter EFG den Fonds "New Capital Swiss Select Equity Fund" betreut und als Leiter Aktien Schweiz fungiert, der Sektor der mittleren und kleineren Werte entwickelt. Den Fonds gibt es erst seit letztem Jahr und investiert in 35 bis 45 Schweizer Aktien.

Ein Favorit ist für ihn AMS (früher: Austria Microsystems), wie Beck im cash-Börsen-Talk sagt. AMS liefert analoge Chips an Apple. Ein Wachstumsfeld ist die Ausrüstung für die "Near Field Communication", also Sender mit kurzer Reichweite für Smartphones, mit der beispielsweise bargeldlos bezaht werden kann. AMS überzeuge ihm mit der Technologieführerschaft, einem hohen Cash Flow und Innovation, sagt Beck. Die AMS-Aktie sei auch nicht hoch bewertet.

Generell ist AMS bei Managern von Small- und Midcap-Fonds beliebt: Das Unternehmen gehört zu den 25 populärsten europäischen Nebenwerten, wie eine kürzlich eine Erhebung der Credit Suisse bei 50 repräsentativen Fonds zum Schluss kam. AMS lieferte 2014 zwar einen Rekordumsatz, Aussagen des Managements zur Margenentwicklung liessen die Aktie Anfang Februar etwas zurückfallen. Seither hat die Aktie aber wieder satte 15 Prozent zugelegt.

Auch der Technologietitel Temenos gefällt Fondsmanager Beck: Im Zuge der Jahresergebnisse hat Julius Bär angekündigt, dass bei der Informatik mit dem Genfer Softwareunternehmen zusammenarbeiten werde. Auch andere Banken hätten Nachholbedarf bei der Informatik: "Temenos bietet Lösungen an, die viel billiger sind, als wenn jede Bank ihre eigenen Systeme baut." Für Beck bleibt die Welt der Small- und Midcaps spannend.

«Vorsicht bei den Grossen»

Im Februar 2014 wurde Beck zum neuen Leiter des Bereichs Schweizer Aktien von EFG Asset Management ernannt. Davor war Beck für die Zürcher Kantonalbank tätig, wo er während sieben Jahren als Leiter Aktien Schweiz tätig war. Der bei der ZKB von ihm gemanagte Schweizer Aktienfonds wurde 2013 und 2014 von der Fondsanalysefirma Feri als bester Fonds Aktien Schweiz ausgezeichnet.

Von den grossen Titeln hat Beck Swiss Re stark überzeugt, wie er im Börsen-Talk weiter sagt: "Dividende plus Sonderdividende plus unerwartet Aktienrückkauf", fasst er die Highlights der Ergebnispräsentation vom 19. Februar zusammen. Mit der Kapitalrückführung an die Aktionäre biete Swiss Re eine Alternative zu Obligationen.

Ein Titel, der in diesen Tagen wegen einem Chefwechsel, Problemen infolge des tiefen Ölpreises und einem sinkenden Kurs in den Schlagzeilen steht, ist Transocean. "Never catch a falling knive - Greif niemals in ein fallendes Messer" ist Urs Becks Statement zu diesem Titel. "Der Wert der Aktie ist von 100 auf 16 Franken gefallen, seit sie vor fünf Jahren in der Schweiz kotiert wurde. Das Unternehmen hat mehr Probleme als ein tiefer Ölpreis." Für Beck gilt generell ein "Finger weg" von Aktien, die mit dem Ölgeschäft im Zusammenhang stehen.

Aus Sicht des Vermögensverwalters bilden die drei grössten Aktien in der Schweiz - Nestlé, Novartis und Roche - eine Welt für sich. Bei Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 19 seien diese im vergangenen Jahr aber "sehr weit gelaufen", sagt Beck. Das Potential für weitere Kursanstiege hält er für begrenzt. "Der gesamte Rest des Marktes, der für rund 50 Prozent der Kapitalisierung steht, ist bei einen Price-Earnings-Verhältnis von 14 bis 15, und dort findet man die attraktiven Werte."

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Urs Beck auch zur Börsenerholung seit dem Ende der Euro-Franken-Kursuntergrenze und gibt eine Einschätzung zum viel zitierten "Grexit" ab, also dem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der europäischen Gemeinschaftwährung.