Smartphones: Google kopiert auch die Margen von Apple

Das neue Google-Smartphone Pixel hat die Form, den Preis und einige Eigenschaften des iPhones von Apple. Was jedoch für Investoren wichtiger ist: auch die Margen sind ähnlich.
26.10.2016 20:05
Es sieht nicht nur aus wie ein iPhone, Google will auch so viel Geld damit verdienen wie Apple: Präsentation des ersten Google-Smartphones Pixel Anfang Oktober in San Francisco.
Es sieht nicht nur aus wie ein iPhone, Google will auch so viel Geld damit verdienen wie Apple: Präsentation des ersten Google-Smartphones Pixel Anfang Oktober in San Francisco.
Bild: Bloomberg

Das Pixel XL mit 32 Gigabytes an Speicherplatz kommt unter Berücksichtigung von Bauteilen und Fertigung auf Produktionskosten von 285,75 Dollar, zeigt eine Analyse von IHS. Angesichts eines Verkaufspreises von 769 Dollar in den USA bedeutet dies, dass die Margen bei diesem Modell bei rund 483,25 Dollar je Gerät liegen - ohne Kosten, die von IHS nicht berücksichtigt wurden. Der Analyse-Firma zufolge ist das mehr als der Gewinn, den Apple mit seinem 32-GB-iPhone-7, das einen kleineren Bildschirm hat, erzielt.

Die Marge beim ersten echten Smartphone von Google legt den Schluss nahe, dass es das Unternehmen aus Mountain View nicht nur auf die Kundschaft von Apple abgesehen hat, sondern auch auf die Profite des Konkurrenten. Das Pixel-Handy sei der Startpunkt einer ganzen Reihe von neuen Produkten des Google-Mutterkonzerns Alphabet, sagt Rick Osterloh, der zuständige Vize-Chef für Hardware.

Die niedrigsten Preise für Apple

Die Margen deuten zudem an, dass "Google dieselben Preise für dieselben Komponenten bekommt wie andere Top-Hersteller von Telefonen", erklärt Andrew Rassweiler, Direktor bei IHS Markit. "Sie haben so viel Zugwirkung wie die anderen grossen Akteure."

Gesichert ist das aber nicht unbedingt. Apple kann Komponenten in massiven Volumina bestellen und sich somit die niedrigsten Preise sichern. Google ist es nicht möglich, dasselbe Volumenversprechen gegenüber Zulieferern abzugeben. Doch die neuen Hardware-Manager des Unternehmens haben sich nach eigenen Angaben das Ziel gesetzt, in der Zukunft ein solches Gewicht zu entwickeln.

Eine der Schlüsseleigenschaften des Pixel XL ist das Kamerasystem - ein Sensormodul, das 12-Megapixel-Fotos mit der Rückseitenkamera und 8-Megapixel-Bilder mit dem Vorderseitensensor schiesst. IHS schätzt, dass der Preis der gesamten Kamera-Komponente des Pixel XL bei 17,50 Dollar liegt. Das ist weniger als die Prognose von 19 Dollar für das Kamerasystem des iPhone 7, das ähnliche Funktionen aufweist.

Hardware-Komponenten als Rohstoff

"All diese verschiedenen Unternehmen, nicht nur Apple und Samsung, können eine gute Hardware-Auswahl treffen, weil Hardware-Komponenten zu Rohstoffen geworden sind", erklärt Rassweiler. "Der Unterschied ist, dass Google versucht, seine Hardware und Software zu integrieren - worauf Apple sich seit Jahren spezialisiert hat."

Googles interne Entwicklungskosten sowie der Preis, Features zusätzlich zum Android-Betriebssystem zu schaffen, bleiben in der Kostenanalyse unberücksichtigt.

Ähnlich wie bei der Beziehung zwischen Apple und Foxconn ist HTC hier die Firma, die die Pixel-Geräte final zusammenbaut. Zwar hat HTC auch Erfahrung dabei, selbst Handys unter einer eigenen Marke zu fertigen. Doch Google-Manager sagen, dass sie selbst verantwortlich seien für die Zuliefererkette, das Design und die Technik der Pixel-Geräte.

(Bloomberg)