SMI: Anleger auf dem Bremspedal

Enttäuschende Konjunkturzahlen aus China haben bei den Anlegern an der Schweizer Börse am Dienstag die Furcht vor einer globalen Wirtschaftsabkühlung geschürt.
08.03.2016 17:30
Swisscom legt am Dienstag gegen den Trend zu.
Swisscom legt am Dienstag gegen den Trend zu.
Bild: Bloomberg

Zudem dämpfte das am Donnerstag anstehende Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) die Kaufbereitschaft, sagten Händler. Die Erwartungen an die EZB seien sehr hoch und damit sei auch das Enttäuschungspotenzial erheblich. Der SMI sank um 0,6 Prozent auf 7971 Punkte unter die psychologisch wichtige 8000er-Marke. Am Vortag war der Leitindex um 0,5 Prozent gestiegen.

In der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft brachen die Exporte im Februar um ein Viertel ein und auch die Importe waren geringer als erwartet.

Besser als erwartete Zahlen zur deutschen Industrieproduktion und der leichte Rückgang der Schweizer Arbeitslosenquote im Februar konnten die Stimmung nicht aufhellen, hiess es. "Der SMI scheint in einer Handelsspanne zwischen 7800 und 8000 Punkten gefangen zu sein", sagte ein Händler. Für einen Anstieg über 8000 Punkte fehlten die Impulse. Allerdings sei auch das Rückschlagpotenzial begrenzt, sagte ein Händler. Die Marktteilnehmer scheuten einfach die Risiken.

Vontobel verliert

Die Aktien der Privatbank Vontobel-Aktien reagierten zunächst mit einem Kurssturz von mehr als zehn Prozent auf den überraschenden Abgang des Star-Fondsmanagers Rajiv Jain. Später grenzte die Aktie dank Schnäppchenjägern den Verlust auf 4,9 Prozent ein. Die attraktive Dividendenrendite von mehr als vier Prozent habe ebenfalls Käufer angezogen, hiess es.

Jain galt laut ZKB als das "Gesicht des Asset Managements" der Bank, der rund 48 Milliarden Dollar oder über ein Drittel des Gesamtbestandes der Bank verwaltete. Jain will nach 22 Jahren bei dem Zürcher Institut eigene unternehmerische Pläne verfolgen. Sein Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Matthew Benkendorf.

Die Aktien von Vontobel-Rivale Julius Bär verloren 1,3 Prozent, die von EFG International büssten 2,5 Prozent ein. Die Anteile der Grossbanken Credit Suisse und UBS wurden 2,5 und 1,8 Prozent schwächer gehandelt.

Bei den meist nachgebenden Versicherungswerten verloren Swiss Re 1 Prozent. Citigroup nahm die Empfehlung für den Rückversicherer auf "Neutral" von "Buy" zurück.

Die Anteile der als krisensicher geltenden Index-Schwergewichte Novartis und Roche wurden 0,3 und 0,4 Prozent tiefer gehandelt. Nestle, ein weiteres Schwergewicht, verlor 0,4 Prozent.

Die Anteile zyklischer Firmen büssten ebenfalls Terrain ein.

Zu den Kursgewinnern gehörten die Syngenta-Aktien mit 0,4 Prozent Plus. Der Chemieriese ChemChina hat die 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Pflanzenschutz- und Saatgut-Herstellers offiziell eingeläutet. Die Frist für die Andienung der Aktien soll am 23. März starten und zunächst bis 23. Mai laufen.

Richemont legt zu

Die Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont stiegen 1 Prozent. Händler verwiesen auf den Anstieg der Aktien des britischen Luxusmode-Anbieters Burberry, der aufgrund von spekulativen Käufen sechs Prozent zulegte. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge ist das Unternehmen auf der Suche nach Unterstützung im Kampf gegen eine mögliche Übernahme.

Die Namenaktien und Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli gaben trotz des höher als erwarteten Gewinns leicht nach. Der Edelschokolade-Hersteller steigerte vergangenes Jahr trotz der hohen Rohstoffpreise, des starken Frankens und eines sinkenden Schokolade-Appetits im heissen Sommer den Gewinn um gut elf Prozent auf 381 Millionen Franken. Die Dividende soll auf 800 von 725 Franken je Aktie steigen. Im laufenden Jahr hält Lindt am Ziel fest, den Umsatz aus eigener Kraft um sechs bis acht Prozent zu steigern.

Erneut verkauft wurden die Aktien von Alpiq. Die Titel des Stromkonzerns, der am Vortag erneut einen hohen Verlust bekantgegeben hatte, sanken um weitere 11,9 Prozent.

(Reuters)