SMI-Anleger suchen Zykliker und Finanzwerte

Die Schweizer Börse hat am Dienstag im Verlauf Fahrt aufgenommen. Das Geschäft verlief ruhig. «Es ist noch immer Ferienzeit und Impulse sind dünn gesät», sagte ein Börsianer.
09.08.2016 17:30
Die Anzeigetafel an der Schweizer Börse.
Die Anzeigetafel an der Schweizer Börse.
Bild: ZVG

"Aber die Anleger zeigen wieder etwas mehr Mut", sagte ein Händler. Sie bevorzugten Aktien zyklischer Firmen und Finanzwerte. Der SMI legte 0,7 Prozent auf 8229 Punkte zu.

"Solange die Zentralbanken rund um den Globus mit Geld nur noch so um sich schmeissen und damit inzwischen zu grossen Playern an den Aktienmärkten geworden sind, muss man sich eigentlich keine Sorgen vor einem Kniefall der Aktienmärkte machen", sagte ein anderer Händler.

Auch sorgte ein stabiler Ölpreis von mehr als 45 Dollar je Fass für eine positive Grundstimmung. Dieser konnten auch verhaltene Konjunkturdaten nichts anhaben. Die US-Produktivität fiel im zweiten Quartal unerwartet.

Seit Jahresanfang entwickelte sich der Schweizer Aktienmarkt schlechter als andere Börsenplätze. Sollten aber die Papiere der als wenig zyklisch geltenden Pharmariesen Novartis und Roche und des Lebensmittelkonzerns Nestle ebenfalls von der Aufwärtsbewegung miterfasst werden, könnte sich dies ändern. Die drei Schwergewichte sind mit gut 60 Prozent im Leitindex vertreten. Händler hofften, dass dem Leitindex nun der Ausbruch über die Widerstandszone um 8200 bis 8250 Zählern gelingt. "Dann wäre der Weg nach oben in Richtung 9000 offen", sagte ein Händler.

Der Kurs der Nestle-Aktie legte 0,6 Prozent zu. Novartis stiegen ebenfalls um 0,6 Prozent und Roche um knapp 0,7 Prozent.

Bis auf die Aktien des Biotechnologiekonzerns Actelion, der Grossbank UBS und des Pflanzenschutzherstellers Syngenta, die sich leicht ermässigten, tendierten sämtliche Standardwerte fester.

SGS-Aktien gefragt

Gesucht waren die Versicherungstitel Swiss Re und Swiss Life mit einem Kursgewinn von 1,6 Prozent. Swiss Re und Branchenvertreter Zurich werden am Donnerstag ihren Zwischenbericht vorlegen. Ebenfalls gut abschnitten die Anteile des Prüf- und Inspektionskonzerns SGS mit einem Kursgewinn von 1,5 Prozent oder der Uhrenhersteller Swatch mit plus 1,4 Prozent.

Am Tag vor der Quartalsberichterstattung gewannen die Aktien von Adecco 1,6 Prozent. Der Personalvermittler dürfte nach Schätzungen der von Reuters befragten Analysten den Gewinn im zweiten Quartal um 6,2 Prozent auf 188 Millionen Euro gesteigert haben.

Die Anteile anderer zyklischer Firmen tendierten ebenfalls freundlich. Der Elektrotechnikkonzern ABB gewann 1 Prozent. Der Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan rückte 1,4 Prozent vor. Die Sanitärtechnikfirma Geberit wurde um 0,8 Prozent höher gehandelt. Der Zementkonzern LafargeHolcim setzte den Erholungstrend um 1,9 Prozent fort. Die Maschinenbauer Sulzer und Oerlikon rückten um 3,3 und 1 Prozent vor. Der Anteil des Autozulieferers Autoneum stieg auf das Rekordhoch von 286 Franken.

Die Aktien der Grossbank Credit Suisse rückten um 1,7 Prozent vor. Bei den Papieren der Vermögensverwalter waren Julius Bär, GAM Holding und Vontobel etwas höher, EFG International schwächten sich ab.

Galenica-Papiere stürzen ab

Am breiten Markt stachen die Aktien von Galenica mit einem Minus von 6 Prozent hervor. Der Halbjahresabschluss der Arzneimittel- und Apotheken-Firma habe die Erwartungen leicht übertroffen, sagten Händler. Galenica bekräftigte die Pläne für eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Unternehmen im kommenden Jahr. Im ersten Halbjahr steigerte Galenica den Gewinn um 23,3 Prozent auf 194,6 Millionen Franken und für das ganze Jahr wurde ein Gewinnplus von zehn Prozent in Aussicht gestellt. "Das Ergebnis war ok, was die Anleger aus den Titeln treibt ist die Ungewissheit, wann Grossaktionär Sprint seine Beteiligung ganz zurückfährt", sagte ein Händler.

"Das macht die Anleger vorsichtig und sie ziehen fürs erste etwas Kapital ab", sagte ein anderer Börsianer. Im Mai hatte Grossinvestor Sprint die Beteiligung um fünf auf 20 Prozent reduziert und damit den Aktienkurs unter Druck gesetzt.

(Reuters)