SMI: Banken und Zykliker führen Erholung an

Die Schweizer Börse hat zum Wochenschluss zu einer Erholung angesetzt. Erfreuliche Konjunkturzahlen aus China und den USA sowie unerwartet gute Quartalsberichte von US-Grossbanken ermunterten die Anleger zu Käufen.
14.10.2016 17:30
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Bild: cash

An der Spitze standen Aktien zyklischer Firmen und von Banken, um die die Anleger am Vortag wegen Konjunktursorgen und Zinsängsten noch einen Bogen gemacht hatten.

Der Leitindex SMI stieg um 1,1 Prozent auf 8090 Punkte und machte damit die Einbussen, die er im Laufe der Woche verbucht hatte, praktisch wieder wett.

"Man kann schon fast von einem regelmässigen Phänomen sprechen", sagte ein Händler. Auf einen schwachen Wochenverlauf folge meist ein starker Freitag.

In der weltgrössten Volkswirtschaft erholten sich die Einzelhandelsumsätze von ihrer Delle im August und legten im September um 0,6 Prozent zu. Vor allem das Geschäft mit Autos lief rund. Auch die gewachsene Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember konnte die Stimmung nicht trüben. Schliesslich sei dies auch auf eine anhaltende Erholung am Arbeitsmarkt zurückzuführen, sagte der Chef des regionalen Fed-Ablegers in Boston, Eric Rosengren.

Weitere Hinweise auf die Zinsentwicklung erwarteten die Marktteilnehmer zudem von einer Rede der US-Notenbank-Chefin Janet Yellen am Abend. Börsianer schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes bei der Sitzung der Währungshüter im Dezember inzwischen auf über 60 Prozent ein.

Syngenta gegen den Trend

Die Standardwerte verbuchten meist starke Gewinne. Syngenta sanken jedoch um 2,1 Prozent. Ein Bericht über eine Fusion zwischen ChemChina, die den Pflanzenschutzmittelhersteller für 43 Milliarden Dollar kaufen will, mit Sinochem habe Fragen aufgeworfen, hiess es am Markt. Vorsichtige Anleger nähmen daher Kursgewinne mit, sagte ein Händler. Beide Firmen wiesen den Bericht zurück. Syngenta wollte sich dazu nicht äussern. Ein Scheitern der Transaktion sei sehr unwahrscheinlich, sagten Händler. "Wer Mut hat, nützt den Kursrückschlag und kauft", sagte ein Börsianer.

ChemChina wäre auch nach einer möglichen Fusion verpflichtet, die Übernahme von Syngenta zu vollziehen. Im Prospekt zur Transaktion fehlt eine Klausel, die ChemChina bei einem Kontrollwechsel einen Ausstieg erlauben würde. Syngenta und ChemChina treffen gemäss Insidern am Montag wegen der Übernahme Vertreter der EU-Wettbewerbsbehörde.

Bankaktien gefragt

Die Aktien der Banken, die am Vortag noch europaweit unter die Räder geraten waren, legten befeuert von ermutigenden Ergebnissen der US-Grossbanken kräftig zu. Branchenprimus JP Morgan und die Rivalen Citigroup und Wells Fargo übertrafen mit ihren Einnahmen die Erwartungen am Markt. Die Anteile der Credit Suisse kletterten 3,1 Prozent nach oben. UBS stiegen 1,3 Prozent und Julius Bär gewannen 0,7 Prozent.

Die Papiere zyklischer Firmen, denen am Vortag Konjunktursorgen zu schaffen gemacht hatten, eroberten verlorenes Terrain zurück. ABB (+1,1 Prozent), Adecco (+0,6 Prozent), LafargeHolcim (+2,9 Prozent) und Oerlikon (+1,3 Prozent) legten zu. Auch die beiden Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont setzten den Aufwärtstrend der Vortage mit grossen Schritten fort.

Auch die schwergewichtigen Pharmawerte Novartis und Roche sowie der Lebensmitteltitel Nestle zogen deutlich an.

Am breiten Markt schossen die Anteile von GAM 5,8 Prozent in die Höhe. Der Kurs des Vermögensverwalters hat im laufenden Jahr allerdings auch fast 50 Prozent eingebüsst. Zuletzt habe ein grösserer, nun aber abgeschlossener Verkaufsauftrag, den Kurs zusätzlich belastet.

Gefragt waren Technologietitel wie Kudelski, Comet, Meyer Burger oder AMS. Die Aktien der Derivatboutique Leonteq machten den Vortagesabschlag wett und gewannen 1,9 Prozent.

Gewinnmitnahmen drückten die Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) um 3,5 Prozent. Der Titel hat sich im laufenden Jahr nahezu verdoppelt.

(Reuters)