SMI baut Kursgewinne dank Pharmaaktien aus

Der Schweizer Aktienmarkt legt am Freitag dank Unterstützung der Index-Schwergewichte zu und dem Leitindex SMI ist bis am Mittag der Sprung über die Marke von 8000 Punkten gelungen.
09.12.2016 13:05
Hauptsitz von Roche: Die Pharmawerte lupfen den SMI über 8000 Punkte.
Hauptsitz von Roche: Die Pharmawerte lupfen den SMI über 8000 Punkte.
Bild: Bloomberg

Bei den Blue Chips zeigt sich allerdings ein zweigeteiltes Bild: Während die defensiven Novartis, Roche und Nestlé die Börse mit kräftigen Avancen antreiben, werden in den zuletzt starken Bankaktien Gewinne mitgenommen. Die Anleger seien derzeit noch daran, die gestrigen Entscheide der Europäischen Zentralbank (EZB) einzuordnen, meinen Händler. Am Nachmittag richtet sich das Augenmerk auf die Angaben der Uni Michigan zum US-Konsumentenvertrauen.

Am Donnerstag hatte die EZB angekündigt, dass sie am expansiven Kurs in der Geldpolitik festhalten will. Der Entscheid, die Anleihekäufe zwar auf monatlich 60 von bislang 80 Mrd EUR zu drosseln, gleichzeitig aber das Programm nicht wie erwartet um sechs sondern um neun Monate zu verlängern, sorgt für gute Stimmung an den internationalen Börsen. Die EZB habe den Weg für ein Jahresendrally frei gemacht, heisst es im Handel. Ein weiterer Zinsschritt der US-Notenbank in der kommenden Woche werde allgemein erwartet und sei auch weitestgehend eingepreist.

SMI über 8000 Punkten

Bis um 12.05 klettert der Swiss Market Index (SMI) um 0,87% auf 8'023,25 Punkte nach oben und weist im Wochenvergleich ein Plus von 3,1% aus. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI) leidet darunter, dass die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, und gewinnt lediglich 0,15% auf 1'284,78 Zähler. Der breite Swiss Performance Index (SPI) steigt derweil um 0,75% auf 8'750,95. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 16 im Plus und 14 im Minus.

In einem insgesamt an Börsennews armen Handelstag geben die Pharmaschwergewichte Novartis (+2,2%) und Roche (+2,1%) gemeinsam mit Nestlé (+1,6%) den Ton an. Die Titel hatten sich in der laufenden Woche bislang klar schwächer als der Gesamtmarkt entwickelt und können nun gegenüber der Konkurrenz im SMI/SLI aufholen. Händler schätzen die Preissorgen am US-Pharmamarkt durch den designierten US-Präsidenten Donald Trump als gering ein und sprechen von einer überverkauften Situation, die gute Einstiegsnotierungen biete.

Weit vorne bei den Blue Chips sind ohne News auch noch Aryzta (+2,5%), Sonova (+1,5%), Swisscom (+1,3%) oder Galenica (+0,9%) zu sehen. Der Berner Gesundheitskonzern hat das Praxis-Informationssystem TriaMed an Swisscom Health verkauft. Analysten sprechen allerdings von einem sehr kleinen Deal.

Banken auf der Verliererseite

Auf der Gegenseite büssen UBS nach dem Steigerungslauf der vergangenen Tage nun bereits 2,2% ein und auch Credit Suisse (-1,3%) sind im Handelsverlauf stärker unter Druck gekommen. Gewinnmitnahmen sind aktuell im gesamten europäischen Bankensektor zu sehen. Bei der CS kommen die Kursverluste nicht ganz überraschend. Die Titel hatten, vom Investorentreffen am Mittwoch befeuert, stark zugelegt. Analysten begrüssen den verschärften Sparkurs, den die Bank nun eingeschlagen hat. Demgegenüber hat die Senkung der Gewinnziele in wichtigen Sparten nicht überrascht.

Einbussen verzeichnen auch die ebenfalls zuletzt gut gelaufenen Luxusgütertitel von Swatch (-1,5%) und Richemont (-1,3%). Adecco verlieren 0,8% oder Swiss Life 1,3%.

SGS (+0,4%) halten sich weiterhin trotz einer Kurszielsenkung durch Goldman Sachs knapp im Plus. Der Warenprüfkonzern hat 70% am portugiesischen Lebensmittellabor Biopremier übernommen. Das Labor ist auf DNA-Sequenzierungsverfahren spezialisiert und beschäftigt rund 30 Mitarbeitende.

Im breiten Markt klettern Straumann (+4,3%) in die Höhe. Die US-Bank Morgan Stanley hat das Rating für die Papiere des Dentalimplantate-Herstellers auf 'Overweight' hochgestuft. Und Cosmo (+2,1%) wurden von Berenberg mit 'Buy' ins Ratinguniversum aufgenommen.

Derweil haben die Aktien der Immobiliengesellschaft Varia US Properties den zweiten Handelstag in Angriff genommen. Beim Börsendebüt am Donnerstag lag der Kurs am Ende mit 37 CHF über dem Ausgabepreis von 35 CHF. Heute verlieren sie aktuell 2,2% auf 36,20 CHF.

Die Aktien der Elektroinstallateur-Gruppe Burkhalter verteuern sich um 1,1%. CEO Marco Syfrig berichtet im Interview mit AWP von einem bislang guten Geschäftsgang im zweiten Halbjahr. Das Umfeld sei weiterhin günstig. Die Grenzen würden derzeit nicht von den Aufträgen gesteckt, sondern von der Verfügbarkeit der Fachkräfte, sagte er mit Blick auf die politische Diskussion um Einwanderungsfragen.

(AWP)