SMI bricht auf Zwei-Jahres-Tief ein

Die Schweizer Börse hat ihre Talfahrt zu Wochenbeginn beschleunigt. Der SMI fällt auf den tiefsten Stand seit Dezember 2013.
08.02.2016 17:35
Ein «schwarzer Montag» an der Schweizer Börse: Der SMI fällt zum Wochenstart auf ein Zwei-Jahres-Tief.
Ein «schwarzer Montag» an der Schweizer Börse: Der SMI fällt zum Wochenstart auf ein Zwei-Jahres-Tief.
Bild: cash

Der erneute Ölpreisrückgang und die Sorge vieler Anleger um die wirtschaftliche Verfassung der USA und Chinas drückten den Leitindex SMI am Montag auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Zum Börsenschluss notiert er 2,5 Prozent tiefer bei 7759 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit Dezember 2013. Zu den Verlierern zählten vor allem konjunktursensible Werte und Bankaktien. Bereits in der Vorwoche war der SMI 4 Prozent abgerutscht, seit Jahresbeginn beträgt das Minus knapp 12 Prozent.

Auch andere europäische Börsen verloren am Montag deutlich an Boden. Viele Investoren hätten nach den jüngsten Einbrüchen aber eher auf eine Erholung gesetzt, sagt ein Händler. Weil diese nun ausbleibe, seien sie verunsichert. "Man ist nicht sicher, wie lange diese Schwächephase der Weltbörsen noch geht. Viele fragen sich, ob sie noch zuwarten sollen und wann wir die Trendwende erreicht haben", sagt der Börsianer.

Auf der Stimmung der Anleger lasteten zudem schwer zu deutende Arbeitsmartdaten aus den USA und ein Ausverkauf bei Technologieaktien an der US-Börse Nasdaq. Diese war am Freitag um über 3 Prozent eingebrochen und setzte die Talfahrt zu Wochenbeginn fort. Darüber hinaus schürte der niedrige Ölpreis Sorgen, Staatsfonds aus ölreichen Ländern wie Abu Dhabi oder Norwegen könnten sich wegen der sinkenden Öleinnahmen von ihren umfangreichen Aktienpaketen trennen. "Es ist eine Vielzahl von Punkten, die da zusammenkommen", sagt der Händler.

«Preiseinbrüche übertrieben»

Die steigende Verunsicherung der Anleger zeigt auch der SMI-Volatilitätsindex. Das sogenannte "Angstbarometer" schoss knapp 11 Prozent hoch.

Die Analysten der Zürcher Kantonalbank erwarten nun tendenziell wieder steigende Kurse. "Wir erachten die happigen Preiseinbrüche an den internationalen Börsen seit Beginn des Jahres als übertrieben", schreiben sie in ihrem Kommentar. Eine rasche und kräftige Erholung sei allerdings nicht in Sicht. Investoren müssten daher viel Geduld mitbringen.

Die Verliererliste unter den Standardwerten führt der Ölausrüster Transocean mit einem Kursminus von fast 10 Prozent an. Grund dafür dürfte neben dem sinkenden Ölpreis auch die vorzeitige Kündigung eines eigentlich bis November laufenden Vertrags zur Nutzung eines Bohrschiffs der Murphy Exploration & Production Company sein. Transocean erhält dafür nach eigenen Angaben jedoch eine Entschädigung.

Bankaktien weiter stark unter Druck

Darüber hinaus trennten sich die Anleger von Bankentiteln: UBS und Credit Suisse verlieren 4,3 und 5 Prozent. Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam distanzierte sich in einem Interview vom Ziel, bis 2018 einen Vorsteuergewinn von neun bis zehn Milliarden Franken zu erreichen. "Niemand konnte voraussehen, dass sich der Januar 2016 für die Finanzmärkte als der schlechteste Jahresauftakt überhaupt herausstellen würde", sagte er der "SonntagZeitung". Die Julius-Bär-Aktien sacken 4,2 Prozent ab.

Auch die Aktien von zyklischen Firmen wie des Personaldienstleisters Adecco, des Elektrotechnikkonzerns ABB, der Sanitärtechnik-Firma Geberit und des Zementproduzenten Lafarge-Holcim standen auf den Verkaufslisten. Ihre Anteile verlieren jeweils gegen 4 Prozent, Lafarge-Holcim brechen gar 8 Prozent ein. An der Spitze des Weltmarktführers kommt es zu einem Wechsel. Präsident Wolfgang Reitzle wird Aufsichtsratschef bei der Industriegas-Firma Linde und legt das Präsidium bei Lafarge-Holcim zurück. Der Rücktritt kommt für den Konzern zur Unzeit. Lafarge-Holcim wurde im vergangenen Juli aus der Taufe gehoben, seither rumort es im Konzernhauptsitz in Zürich und die Aktie hat fast die Hälfte an Wert eingebüsst.

Selbst die als krisenresistent geltenden Pharma-Schwergewichte Novartis und Roche geben jeweils 2,9 Prozent nach. Die Nestlé-Aktien verlieren 0,7 Prozent.

Als einziger Bluechip, der fast den ganzen Tag im Plus notierte, war Syngenta. Zum Handelsschluss fallen die Anteile noch leicht auf 398,10 Franken an. Der chinesischen Staatskonzerns Chemchina will den Agrarchemiekonzern für 43 Milliarden Dollar in bar übernehmen.

(Reuters)