SMI dreht in die Verlustzone - Zinssorgen belasten

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Mittwoch nach einem wenig veränderten Handelsstart zunehmend unter Druck gekommen.
17.08.2016 12:43
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey: Das Minus bei den Aktien lastet am Mittwoch auf dem SMI.
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey: Das Minus bei den Aktien lastet am Mittwoch auf dem SMI.
Bild: Bloomberg

Angeführt von Zyklikern und mit dem Gewicht der Nestlé-Abgaben fiel der Leitindex SMI unter die Schwelle von 8'200 Punkten zurück. Dabei verliert das Schweizer Börsenbarometer weiter an Terrain, nachdem Gewinnmitnahmen das Geschäft bereits am Dienstag stark belastet hatte. Die wiederaufflammende Debatte um den nächsten Zinsschritt in den USA würden die Stimmung am Markt derzeit belasten, meinen Händler.

Bereits am Dienstag hatten zwei ranghohe US-Notenbanker durchblicken lassen, dass eine Fortsetzung der Ende 2015 begonnenen Zinswende aus ihrer Sicht noch in diesem Jahr möglich sei. Sogar eine Zinsanhebung bereits im September wollte der New Yorker Notenbankpräsident William Dudley nicht ausschliessen. Die Anleger hoffen nun, dass ihnen das am Abend zur Publikation anstehende Protokoll zur letzten Fed-Sitzung im Juli weitere Hinweise zur geldpolitischen Entwicklung in den USA liefern wird. Bis dahin stehen keine marktbewegenden Konjunkturdaten auf dem Programm.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert bis um 11.50 Uhr 0,34% auf 8'187,23 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,47% auf 1'228,30 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,39% auf 8'904,66 Stellen. Von den 30 Blue Chips liegen nun bis auf Swatch (+0,4%), Actelion (+0,2%) und Geberit (+0,1% auf 420,80 CHF) alle im Minus.

Geberit um den Vortagesstand

Damit weiten Geberit, wenn auch nur moderat, die starken Kursavancen des Vortages aus. Die Aktien des Sanitärtechnikers sind am Dienstag mit gut aufgenommenen Halbjahreszahlen um 4,6% in die Höhe geklettert. HSBC hob daraufhin das Kursziel um 35 auf 385 CHF an, beliess das Anlagerating aber auf "Hold". Zwar habe Geberit an sich ein gutes Umsatzwachstum in Lokalwährungen vorgelegt, es sei aber nicht zu einer generellen Beschleunigung gekommen, urteilt der Analyst.

In die Gegenrichtung geht es mit den Partizipationsscheinen von Schindler, die nach dem gestrigen 4,4%-starken Kurseinbruch nun um weitere 0,3% nachgeben. Ein verhaltener Ausblick des Lift- und Rolltreppenherstellers sowie Gewinnmitnahmen nach den Avancen der vergangenen Wochen sind die meistgenannten Gründe dafür.

Nebst Schindler verlieren auch andere Zykliker wie LafargeHolcim (-1,2%) oder Richemont (-1,3%) an Terrain, und die Grossbanken UBS und Credit Suisse geben um je 0,8% nach. Die deutlichsten Einbussen verzeichnen allerdings Galenica, die sich um 2,7% auf 1'189 CHF verbilligen.

Belastet werden Galenica von der Ratingabstufung auf "Reduce" von "Hold" durch die Bank Vontobel. Das Kursziel nahm die zuständige Analystin auf 927 von 1'200 CHF zurück. Mit dem Kauf von Relypsa habe Galenica zwar einen wichtigen, strategischen Schritt gemacht, heisst es im Kommentar. Allerdings werde es wohl bis zu drei Jahren dauern, bis die Investoren einen Nutzen aus der Akquisition ziehen.

Index-Schwergewichte im Minus

Die Index-Schwergewichte Novartis, Roche (je -0,2%) und Nestlé (-0,4%) liegen nun ebenfalls allesamt in der Verlustzone. Bei Nestlé blicken die Anleger bereits auf die morgige Zahlenpublikation.

Während sich die Nachrichtenlage bei den Blue Chips sehr dünn präsentiert, haben am Berichtstag erneut eine Reihe von Firmen aus der zweiten Reihe Geschäftszahlen vorgelegt. So auch der Solarzulieferer Meyer Burger (Aktie: -2,3%), der wie bereits im Juli angekündigt den Reinverlust im Halbjahr deutlich verringert hat und auf Stufe EBITDA wieder schwarze Zahlen schreibt. Nun gehe es darum, die Refinanzierung der Anleihe mit Ablauf im Jahr 2017 zu sichern, warnen Analysten.

Gar 4,6% büssen Ascom ein. Das Technologieunternehmen hat wie ebenfalls vorgängig angekündigt im Halbjahr einen Verlust erlitten. Analysten zeigten sich vom Ausmass des Verlustes überrascht und noch ist unklar, was mit der verlustbringenden Sparte Network Testing geschehen wird. Weiter legten auch noch die St.Galler KB (Aktie: -0,8%), Hochdorf (-0,3%) und Cicor (-3,8%) Zahlen vor. Die Cicor-Gruppe wechselt zudem die Führungsspitze aus.

Basilea (-3,7%) können derweil nicht von den News zur neuen Vertriebsvereinbarung für das Antimykotikum Cresemba (Isavuconazol) im Nahen Osten und Nordafrika profitieren, während VZ Holding (+1,4%) sich vom Kurseinbruch des Vortages erholen. Die Bank Vontobel hat das Kursziel nach den Zahlen angehoben.

(AWP)