SMI dreht ins Minus - Schwergewichte unter Druck

Der Schweizer Aktienmarkt verliert zu Wochenschluss an Flughöhe. Der Leitindex SMI startete mit festeren Kursen, drehte aber unter dem Eindruck der nachgebenden Index-Schwergewichte ins Minus.
21.10.2016 12:37
Schwankende Kurse an der Schweizer Börse.
Schwankende Kurse an der Schweizer Börse.
Bild: ZVG

Belastet wird das Börsengeschehen allenfalls von sinkenden Ölpreisen, ansonsten verläuft das Geschäft in ruhigen Bahnen. Nachdem EZB-Chef Mario Draghi mit seinen Äusserungen die Kurse am Donnerstagnachmittag durchgeschüttelt hatte, gönnten sich die Anleger am Tag des kleinen Optionsverfalls nun eine Verschnaufpause, meinen Händler.

Mario Draghi hatte mit der Aussage für Unruhe gesorgt, wonach der EZB-Rat weder über eine Verlängerung des bis mindestens März 2017 laufenden Anleihenkaufprogramms noch über eine Reduktion des Umfangs ("Tapering") diskutiert habe. Nun müssten sich die Anleger bis Dezember gedulden, um zu erfahren, ob und in welchem Umfang die Käufe weitergeführt werden sollen, hiess es am Markt.

Bis 11.55 Uhr verliert der Swiss Market Index (SMI) 0,50% auf 8'029,24 Punkte und liegt unter dem Schlussstand der Vorwoche (8'090 Punkte). Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,21% auf 1'241,94 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,39% auf 8'774,75 Stellen. Von den 30 wichtigsten Titel liegen 15 im Plus, 14 im Minus und Lonza notieren unverändert.

Actelion schmiert ab

Zu Reden geben am Berichtstag erneut Actelion (-2,5%). Die Aktien des Biopharma-Unternehmens stehen nach dem Kurseinbruch des Vortages (-6,5%) weiterhin stark unter Druck. Der Aktienkurs habe auf die eigentlich ausgezeichneten Quartalsresultate überraschend negativ reagiert, meinte ein Analyst. Allerdings habe die Kurs-Performance der Actelion-Aktie den SMI auch im 2016 bislang deutlich übertroffen und nun würden Gewinne ins Trockene gebracht. Unter anderen haben HSBC oder Jefferies ihre Kurszielerwartungen reduziert.

Auch Nestlé (-1,0%) weiten nach gehaltenem Start mittlerweile die gestrigen Kurseinbussen aus. Im Anschluss an die Publikation der Umsatzzahlen und dem nach unten revidierten Ausblick, senkten einige Analysten ihre Price Targets leicht. Banken wie Société Générale, Kepler Cheuvreux oder Barclays empfehlen die Titel dennoch weiterhin zum 'Kauf'. Mit der Wachstumsenttäuschung im dritten Quartal sei wohl der Tiefpunkt erreicht worden, schreibt etwa Kepler-Analyst Jon Cox. Er rechnet nun mit einer Beschleunigung im Q4. Zusätzlichen Druck auf den SMI üben derzeit Novartis (-0,9%) aus.

Derweil halten sich die Kurseinbussen bei Roche (-0,4%) in Grenzen. Nach der Zahlenvorlage und den eher moderaten Kursverlusten am Donnerstag haben auch hier eine Reihe von Banken (SocGen, HSBC, Kepler, Natixis oder Deutsche Bank) die Kursziele gesenkt. Die Umsatzzahlen seien insgesamt zwar in Ordnung gewesen, allerdings habe das Medikament Avastin eine klare Schwäche in den USA gezeigt, heisst es etwa bei HSBC.

Auf der Gegenseite klettern derweil Kühne+Nagel um 1,1% in die Höhe. Hier hat die CS eine Kurszielerhöhung vorgenommen. Festere Kurse sind auch bei Aryzta (+0,8%) oder Swiss Re (+0,6%) zu sehen.

Bankentitel knapp im Plus

Die Aktien der Credit Suisse (+0,3%) und UBS (+0,2%) steuern derweil auf eine äusserst erfolgreiche Börsenwoche zu. Sie profitierten zuletzt von guten Zahlen der US-Grossbanken und der sich abzeichnenden Entspannung bei der Deutschen Bank. Laut Agenturmeldungen hatte sich zudem der Staatssekretär für internationale Finanzfragen, Jörg Gasser, in Treffen mit amerikanischen Behörden und der US-Notenbank für die beiden Grossbanken stark gemacht und die Auswirkungen möglicher Strafzahlungen wegen umstrittener Hypothekengeschäfte aufgezeigt.

Im breiten Markt überzeugte der IT-Logistiker Also (+1,6%) die Anleger mit der für die ersten neun Monate gemeldeten Gewinnsteigerung. Und auch der Innerschweizer Farbmetrik-Spezialist Datacolor (+4,9%) wies für das Geschäftsjahr 2015/16 klar bessere Kennzahlen aus. Demgegenüber musste der Lausanner Finanz-Broker CFT (-0,6%) im dritten Quartal einen Umsatzrückgang hinnehmen.

Bossard (Aktie: +2,8%) hat indessen mit der Übernahme von Arnold Industries die Präsenz im Nordosten der USA kräftig ausgebaut. Und bei Newron (+5,3%) wird die positive Reaktion der FDA zu einem Xadago-Zulassungsantrag gut aufgenommen.

Bell fallen um 2,7% zurück, nachdem bekannt wurde, dass der Fleischverarbeiter Ende 2017 die Frischfleischproduktion in Cheseaux bei Lausanne schliesst.

(AWP)