SMI erholt sich langsam

Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Freitag mit etwas festeren Kursen eröffnet und setzt die Erholung zu Beginn des zweiten Halbjahres in moderatem Tempo fort.
01.07.2016 10:35
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Bild: cash

Mit den weiteren Kursgewinnen etabliert sich der Leitindex SMI über der Schwelle von 8'000 Punkten. Damit hat der Index den vor Wochenfrist als Reaktion auf das Brexit-Votum erlittenen Kurseinbruch bereits wieder aufgeholt. Unterstützung erhält die Börse von Seiten der Notenbanken. So hatte die von BoE-Chef Mark Carney in Aussicht gestellte weitere geldpolitische Lockerung am Vorabend bereits an der Wall Street für gute Stimmung gesorgt. Etwas gedämpft wird der Handel von enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus China.

Brexit verblasst

Der Stimmungskiller Brexit sei zuletzt in den Hintergrund gerückt, doch könne sich das Blatt mit der zu erwartenden Hängepartie in den Verhandlungen zwischen Grossbritannien und der EU auch rasch wieder wenden, meinen Händler. Immerhin sehen nicht wenige Experten nun für Europa die Chance, sich neu zu ordnen und längst notwendige Reformen durchzuführen. Zudem dürften die internationalen Notenbanken wegen des Brexit ihre Geldschleusen weit geöffnet lassen. Gleichzeitig steigt in Japan der Druck auf die Währungshüter, tätig zu werden. Am Berichtstag stehen noch Einkaufsmanagerindizes aus Europa auf dem Programm, wobei der britische besonders interessiert. Am Nachmittag folgt das Pendant aus den USA.

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt um 9.30 Uhr 0,35% auf 8'048,48 Zähler. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 0,51% auf 1'187,01 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,31% auf 8'687,00 Zähler. Von den 30 Blue Chips stehen 24 im Plus, die restlichen sechs im Minus.

Bei den Blue Chips stehen die Gewinner der Finanzbranche den Verlierern der Pharmabranche gegenüber. So klettern die im Juni arg gebeutelten Bankaktien der UBS, der Credit Suisse und von Julius Bär um 1,5%, 0,4% bzw. 1,3% in die Höhe. Auch an anderen europäischen Börsen legen die Banken zu, dies nachdem die EU-Kommission es Italien erlaubt hat, notleidende Banken unterstützen zu dürfen.

Weit vorne sind auch Versicherer wie Swiss Life (+0,9%), Bâloise (+0,8%) und insbesondere Zurich Insurance (+1,6%) zu finden. JPMorgan hat das Rating für die Zurich auf "Overweight" von "Neutral" erhöht und auch das Kursziel klar angehoben. Die Zurich sei von den Marktschwankungen in Europa am wenigsten betroffen, da 40% der Nichtlebenprämien in Nordamerika generiert würden, heisst es in der Begründung. Zudem sei der Schweizer Versicherer weniger anfällig mit Blick auf das aktuelle Tiefstzinsumfeld als die Konkurrenz.

Bei den Zyklikern fallen Aryzta (+1,5%) und ABB (+0,9%) auf, während sich Lonza (+0,4%) im Mittelfeld tummeln. Die Gruppe hat im Bereich der Zellforschung die US-amerikanische Triangle Research Labs (TRL) übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in North Carolina stellt Hepatozyten (Leberzellen) her, die zur in vitro Beurteilung von Stoffwechselfunktionen genutzt werden. Analysten begrüssen es, dass Lonza den lukrativen Life Science-Bereich ausbaut.

Swatch verlieren dagegen 0,1% und Richemont liegen mit 0,4% im Plus. Die Analysten von JPMorgan haben die Kursziele für beide Titel ziemlich deutlich gesenkt, das Rating aber auf "Neutral" belassen. Nach der Brexit-Abstimmung hat die Bank die Modelle überarbeitet, um den Wechselkursbewegungen Rechnung zu tragen. Zudem seien die Analysten der Luxusgüterbranche gegenüber nun für das zweite Quartal sowie das zweite Halbjahr noch vorsichtiger eingestellt.

Im breiten Markt hat der Bankensoftwarespezialist Temenos von der britischen Standard Chartered den Auftrag zur Integration der WealthSuite-Plattformlösung erhalten. An der Börse gewinnen die Temenos-Aktie mit 3,8% überdurchschnittlich. Der Deal sei trotz des Brexit zu einem Abschluss gekommen, was positiv zu werten sei, so ein Analyst. Allerdings dürften die Aufträge von der Insel künftig wohl seltener werden.

Derweil gibt das Immobilienunternehmen Intershop (+0,2%) sein Auslandsengagement auf und verkauft die 2013 erworbene Beteiligung am weltweiten Immobilieninvestor Corestate Capital an deren Mehrheitsaktionär Ralph Winter. Unter erhöhtem Abgabedruck stehen etwa BKW (-4,4%) oder Züblin (-3,5%).

(AWP)