SMI: Gewinne auf breiter Front

Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Tag der Brexit-Abstimmung zunächst wie erwartet nervös. Doch bis am Mittag legen die Kurse auf breiter Front zu.
23.06.2016 12:55
Die Wolken des Brexit scheinen sich aufzulösen: Aufatmen an den Börsen.
Die Wolken des Brexit scheinen sich aufzulösen: Aufatmen an den Börsen.
Bild: cash

Anfänglich hatten sich die Anleger zwar noch zurückgehalten: der Leitindex SMI war in den ersten Stunden auf Richtungssuche. Gegen die Mittagszeit ging es dann zwischenzeitlich allerdings rasant bergauf. Der SMI verzeichnete im Hoch ein Plus von etwa 1%. Auch an den wichtigsten Aktienmärkten Europas zogen die Kurse deutlich an.

Die Buchmacher in den Wettbüros sehen mittlerweile die EU-Anhänger deutlich vorn. Auch das britische Pfund, das im Handelsverlauf gegenüber dem US-Dollar auf den höchsten Stand des Jahres gestiegen ist, mache deutlich, dass der Markt auf ein "Bremain" setze - einem Verbleib Grossbritanniens in der EU, hiess es im Handel. Entsprechend gross dürften die Verwerfungen bei einem Brexit-Votum sein. Die britischen Wahllokale schliessen allerdings erst am späten Abend. Klarheit herrscht also erst Freitagmorgen. Bis dahin bleibt es spannend.

SMI steigt über 8000 Punkte

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt kurz nach 12 Uhr 0,79% auf 8'035,39 Punkte und weitet damit die Gewinne der vergangenen vier Handelstage aus. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legt 1,01% auf 1'223,99 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,91% auf 8'705,47 Zähler zu. Von den 30 Blue Chips stehen bis auf Syngenta alle im Plus.

Die grössten Gewinne verzeichnen Galenica mit +3,3%. Bereits am Morgen waren die Titel gesucht und weiteten die Gewinne noch deutlich aus. Dahinter folgen die beiden Grossbankenwerte CS (+2,3%) und UBS (+2,0%) und Zykliker wie Adecco (+1,7%), Geberit (+1,9%) und LafargeHolcim (+1,6%).

Die beiden Pharmaschwergewichte Novartis (+0,5%) und Roche (+0,2%) bleiben weiterhin zurück, wenn auch das Vorzeichen im Vergleich zum Morgen gewechselt hat. Novartis profitieren offensichtlich kaum von positiven Studiendaten zum wichtigen Herzmedikament Entresto. Allerdings hatten sich die Titel am Vortag relativ stark entwickelt.

Das dritte Schwergewicht Nestlé (+0,8%) liegt im Trend. Von einer Stimmungsaufhellung würden die genannten drei Aktien wegen ihres defensiven Charakters grundsätzlich weniger profitieren, merkte ein Händler an. Allerdings sollten die Titel im Gegenzug auch weniger stark auf das Szenario Brexit reagieren als etwa Zyklioder oder die Bankentitel.

Einziger Verlierer ist Syngenta (-0,3%), hier gibt es nach wie vor Unsicherheiten in Bezug auf das laufende Übernahmeangebot durch ChemChina. Unterdurchschnittlich entwickeln sich zudem Swiss Life (+0,4%).

Im breiten Markt gehören Meyer Burger mit +3,6% weiterhin zu den grossen Gewinnern. In der Startphase war der Titel um über 5% angesprungen. Der Solarzulieferer hat einen Auftrag über 21 Mio CHF in China erhalten. Die bringe das Unternehmen einen Schritt weiter bezüglich der Refinanzierung der Schulden, heisst es bei Vontobel. Seit Anfang Juni hat der Thuner Betrieb Aufträge über insgesamt über rund 70 Mio CHF gemeldet.

Auch Leonteq (+4,3%) haben einen starken Lauf. Bereits die vergangenen Tage machten die Titel etwas an verlorenem Terrain gut. Mit einem Minus von etwa 60% seit Jahresbeginn gehören sie aber unverändert zu den schwächsten Werten an der SIX.

Im Blick stehen auch die Aktien von Carlo Gavazzi (+1,7%). Die Elektronikgruppe Carlo Gavazzi hat im Ende März abgeschlossen Geschäftsjahr zwar weniger Umsatz und Gewinn gemacht, belässt die Dividende aber unverändert. Umsatz und EBIT lagen leicht über den Schätzungen, schreibt die ZKB.

(AWP)