SMI gibt nach – Credit Suisse bleibt unter 10 Franken

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch ihre Talfahrt fortgesetzt. Die Furcht vor den Folgen der Brexit-Abstimmung und der Krise im italienischen Bankensektor belasteten die Dividendenpapiere.
06.07.2016 17:30
Ampel bei der Schweizer Börse in Zürich zeigt rot.
Ampel bei der Schweizer Börse in Zürich zeigt rot.
Bild: cash

Die Anleger seien nervös, sagte ein Händler. "Die Anleger haben auf 'Risk-off umgeschaltet'." Der Markt sei dabei, die kräftige Erholung im Anschluss an den Brexit-Kursrutsch zu konsolidieren, sagte ein Börsianer. Der SMI büsste 0,6 Prozent auf 7898 Punkte ein. Am Dienstag war der Leitindex bereits um 1,4 Prozent gefallen.

Die Verunsicherung nach dem britischen EU-Austrittsvotum spiegelt sich auch im "Angstbarometer" wider, der Volatilitätsindex stieg um fünf Prozent. Viele Marktteilnehmer bauen Händlern zufolge Risikopositionen ab und schichten ihre Mittel in defensivere Anlagen um. Fed-Führungsmitglied William Dudley sprach vom Brexit als einer der "dunkelsten Wolken" am Konjunkturhorizont. Richtungsweisende Impulse erhoffen die Anleger vom Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung, die nach Börsenschluss in Europa veröffentlicht werden, und den US-Arbeitsmarktdaten am Donnerstag und Freitag.

Credit Suisse fällt unter 10 Franken

Europaweit büssten Finanzwerte am stärksten an Wert ein. Der Bankaktienindex sackte 2,6 Prozent ab und der Versicherungssektor verlor 2,7 Prozent. Belastet werden die Banktitel auch davon, dass der italienische Bankensektor unter einem hohen Berg von 360 Milliarden Euro an faulen Krediten ächzt. Die italienische Regierung plant derzeit nach Angaben von Vertretern des Finanzministeriums keine Massnahmen zur Unterstützung der angeschlagenen Traditionsbank Monte Paschi.

Zu den grössten Verlierern unter den Standardwerten zählten die Aktien der Banken UBS, Credit Suisse und Julius Bär mit Einbussen von mehr als drei Prozent. Die CS-Titel fielen erstmals unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Franken und erreichten vorübergehend ein Rekordtief von 9,76 Franken. Zum aktuellen Kurs würde ein Übernahmeversuch für die zweitrgösste Schweizer Bank nicht mehr überraschen, hiess es am Markt.

Die Anteile der Vermögensverwalter EFG International und GAM Holding sackten 1,5 und 2,3 Prozent ab. EFG will auf einer ausserordentlichen Generalversammlung am 26. Juli zusätzliches genehmigtes Kapital im Volumen von 15 Millionen Aktien schaffen.

Die Aktien der Versicherer büssten zwischen zwei und drei Prozent ein.

Die Anteile der als krisenresistent geltenden Pharmafirmen Novartis und Roche hielten sich mit Einbussen von weniger als einem halben Prozent vergleichsweise gut. Die Aktien von Actelion waren nahezu stabil. Die Biotech-Firma startet eine Phase-III-Studie zum Einsatz des Lungenmedikaments Opsumit bei Kindern mit Lungenhochdruck (PAH). Die Studie wird bis zu sechs Jahre in Anspruch nehmen.

Nestle, ein weiteres defensives Index-Schwergewicht, notierten als geringfügig fester. Auch die Titel des Agrarchemiekonzerns Syngenta rückten leicht vor.

Die Aktien zyklischer Firmen waren auf der Verliererseite zu finden. ABB, Clariant und Geberit fielen um rund ein Prozent. Swatch und Richemont büssten mehr 0,8 und 1,7 Prozent ein. Swatch will mit Marcolin Eyewear unter der Marke Omega ab August Sonnenbrillen verkaufen.

Am breiten Markt legten die Aktien von Schindler leicht zu. Der Rolltreppen- und Lifthersteller will gemeinsam mit GE Digital das Potenzial des industriellen Internets im Aufzugs-, Fahrtreppen- und Smart Building-Bereich erschliessen.

Gewinnmitnahmen drückten die Von-Roll-Aktien 10,3 Prozent ins Minus. Die Titel waren am Dienstag nach der Ankündigung eines Sparprogramms kräftig gestiegen.

(Reuters)