SMI gibt nach - Verunsicherung unter den Anlegern

Die Schlappe beim ersten grossen Reformvorhaben von US-Präsident Donald Trump hat zu Wochenbeginn die Schweizer Börse belastet.
27.03.2017 17:30
Schweizer Börse in Zürich.

Das Scheitern der Abschaffung von Barack Obamas Gesundheitsreform habe Zweifel am Erfolg der von Trump in Aussicht gestellten Konjunkturpläne geweckt, sagten Händler. "Die Schlappe hat dem Bild von Präsident Trump als Macher einen tiefen Kratzer zugefügt", sagte ein Börsianer. Der SMI lag 0,2 Prozent im Minus bei 8593Punkten. Vorübergehend war der Leitindex bis auf 8519 Zähler gefallen.

An den Finanzmärkten verstärkten sich die Befürchtungen, dass Trump auch mit anderen Wahlversprechen nicht den erhofften Erfolg haben könnte. Die mangelnde parlamentarische Unterstützung für das erste Reformvorhaben sei ein schlechtes Omen für weitere Projekte des Präsidenten. Ausserdem fehle Trump finanzieller Spielraum für seine Steuerreform und die billionenschweren Investitionen.

Überfällige Korrektur

Eine Korrektur an den Märkten sei zwar überfällig, hiess es im Marktkommentar der Zürcher Kantonalbank. Diese sollte aber nur temporär und das Rückschlagspotenzial auf als fünf bis zehn Prozent begrenzt sein. Aus fundamentaler Sicht müssten sich die Anleger keine Sorgen um den Aktienmarkt machen, so die ZKB. Die vorauslaufenden Konjunkturindikatoren würden in fast allen Weltregionen nach oben zeigen und die Analysten damit beginnen, die Gewinnerwartungen anzuheben.

Die Konjunkturzahlen seien weltweit nicht kleinzukriegen. Die Euro-Zone erlebe ihre erste Blütephase seit sechs Jahren, kommentierte die Zuger Bantleon Bank.

Dennoch zeigten sich die Anleger verunsichert. Das Angstbarometer der Börse, der SMI-Volatilitätsindex schnellte um mehr als zehn Prozent hoch. Zudem steuerten die Marktteilnehmer wegen der erhöhten Unsicherheit vermehrt Aktien der als krisensicher geltenden Firmen an. Die Nestle-Aktien zogen 0,3 Prozent an. Die Pharmawerte Roche und Novartis hielten sich etwas besser als der Markt.

Unter Druck standen die Aktien zyklischer Firmen: ABB, Adecco und LafargeHolcim verloren rund ein Prozent und mehr.

Die Titel des Luxusgüterkonzerns Richemont schwächten sich um 0,9 Prozent ab. Zwar hat sich nach Angaben von Richemont-Chef Johann Rupert das Geschäft im wichtigen Markt China normalisiert. "Wir sehen Wachstum in allen Segmenten", sagte Rupert der "Finanz und Wirtschaft". Aber die Lagerbestände der Händler seien noch immer hoch. "Ich fürchte, dass die Lagerbestände in allen Verkaufskanälen noch immer hoch sind - bei allen Marken, nicht nur bei Richemont." Die Aktien von Richemont und Rivale Swatch waren in den vergangenen Wochen dank zuversichtlicher Aussagen aus der Branche kräftig gestiegen. Die Swatch-Aktien sanken um 0,9 Prozent.

Dagegen machten die Banken, die wie die zyklischen Titel zu den stärksten Profiteuren der erwarteten Trump-Hausse der vergangenen Monate zählten, einen Teil der Kursverluste wett. Die Aktien der Credit Suisse erholten sich 0,5 Prozent in die Gewinnzone. Die Titel der UBS verloren 0,8 Prozent.

Zurich unter Druck

Bei den ebenfalls nachgebenden Versicherungen fiel Zurich mit einem Kursminus von 1,2 Prozent auf. Händlern zufolge trennten sich die Anleger aus Angst vor einer milliardenschweren Kapitalerhöhung von den Aktien des Versicherungskonzerns. Ausgelöst wurden die Verkäufe von einem Bericht der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore", demzufolge Zurich Massnahmen vorbereite, die zu einer Kapitalerhöhung von bis zu acht Milliarden Euro führen könnten. Die Einladung zur Generalversammlung dürften am Anfang der Spekulationen gestanden sein, sagte ein Börsianer. "Auf der Agenda steht unter anderem das Traktandum Nummer sechs: Die Abstimmung über das genehmigte und das bedingte Kapital. Das ist eigentlich eine Routineangelegenheit."

Am breiten Markt fielen die Galenica-Titel um 2 Prozent. Der Gesundheitskonzern will mit dem Börsengang seines abgespaltenen Apotheken-Geschäfts und Medikamenten-Vertriebs bis zu 1,68 Milliarden Franken einsammeln. Der erste Börsengang in der Schweiz in diesem Jahr verspricht ein Erfolg zu werden. Bereits kurz nach dem Start der Zeichnungsfrist für die Aktien von Galenica Sante sind genügend Käufer gefunden, wie Galenica-Sante-Präsident Jörg Kneubühler am Montag sagte. Die Zeichnungsfrist für einen der größten Börsengänge der vergangenen Jahre in der Schweiz begann am Morgen und soll bis zum 6. April laufen.

Die Aktien von Walter Meier stiegen um 3,2 Prozent. Händler verwiesen auf eine Kaufempfehlung in der Anlagekolumne der "SonntagsZeitung". Die Firma will auch nach der Fusion mit dem Haustechnik-Grosshändler Tobler eine stabile Dividende bezahlen. Die Aktien der Pharmafirma Newron sanken am Tag vor der Generalversammlung um 5 Prozent.

(Reuters)