SMI: Kurseinbussen nach Anschlägen in Brüssel

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Dienstagmittag ganz im Zeichen der Terroranschläge von Brüssel, bei denen es Tote und Verletzte gab. Allerdings dämmt der Leitindex SMI seine Verluste bis zum Mittag etwas ein.
22.03.2016 12:56
Der Hauptsitz von Actelion: Die Aktien legen am Dienstag gegen den Trend zu.
Der Hauptsitz von Actelion: Die Aktien legen am Dienstag gegen den Trend zu.
Bild: ZVG

Der belgische Premierminister Charles Michel hat mittlerweile bestätigt, dass es sich bei den Explosionen in der Hauptstadt um Terroranschläge handelt. Medien hatten am frühen Morgen von mehreren Explosionen am Brüsseler Flughafen sowie in der Metro-Station der belgischen Hauptstadt berichtet. Die Terrorangst habe diese Reaktionen an den Finanzmärkten ausgelöst, heisst es von Händlern. Während es an den Börsen europaweit abwärts geht, flüchten Investoren in sichere Häfen wie etwa den Franken.

Volatilitätsindex steigt

Der Swiss Market Index (SMI) steht gegen 12.20 Uhr bei 7'805,35 Punkten und damit 0,56% tiefer. Das Tagestief liegt bisher bei 7'719,41 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,54% auf 1'202,87 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,50% auf 8'299,95 Punkte zu. Von den 30 SMI/SLI-Titeln notieren 22 im Minus, sieben im Plus und einer (ABB) unverändert.

Die Verunsicherung der Investoren zeigt auch der Schweizer Volatilitätsindex VSMI. In den ersten Handelsminuten markierte er bei 19,2 Punkten sein bisheriges Tageshoch. Dass der erste Schock etwas nachgelassen hat, sieht man am aktuellen Stand von 17,9 Punkten. Am Devisenmarkt macht sich eine erhöhte Nachfrage nach dem Franken bemerkbar, wie man am aktuellen Kurs des EUR/CHF-Paares ablesen kann. Es notiert bei 1,0881 nachdem es im frühen Handel noch über der 1,09 notiert hatte.

Auch auf der Verliererliste machen sich die Terroranschläge bemerkbar. Ganz am Ende des SLI stehen mit Dufry (-3,2%), Richemont (-2,4%) und der Swatch Group (-1,1%) jene Werte, die ein nachlassende Reisetätigkeit bzw. veränderte Konsumausgaben angesichts der gestiegen Angst am deutlichsten zu spüren bekämen, erklärt ein Händler.

Sehr schwach zeigen sich auch die Anteilsscheine vom Schwergewicht Roche (-1,1%), bei denen eine Herabstufung durch die HSBC belastet. In der Studie heben die Analysten vor allem den möglichen Druck durch Biosimilars hervor. Novartis (+0,6%) schüttelt dagegen eine Kurszielsenkung durch die gleiche Bank ab und stemmen sich gegen den Markt.

Nestlé unter Abgabedruck

Das dritte Schwergewicht, Nestlé (-1,0%), fällt stärker als der Markt und übt somit Druck aus. Überdurchschnittliche Kursabschläge verzeichnen aber vor allem die Aktien der beiden Grossbanken Credit Suisse (-1,3%) und UBS (-1,1%). Hier prognostizieren die Experten von Goldman Sachs in einer Branchenstudie einen Rückgang bei den Erträgen im europäischen Investment Banking von 24%.

Bis zum Mittag können sich aber einige Papiere in die Gewinnzone vorarbeiten. Dazu gehören etwa Actelion (+0,9%). Das Biopharma-Unternehmen hat für sein Mittel Uptravi in Neuseeland und Australien die Zulassung erhalten. Zykliker wie LafargeHolcim und Sika (beide +0,6%) gewinnen ebenfalls hinzu.

Der Versicherer Bâloise (-0,4%) bewegt sich mit dem Markt. Das Unternehmen ist der einzige Blue Chip, der an diesem Morgen Zahlen vorgelegt hat. Sie werden unterschiedlich bewertet. Einige Investoren monieren vor allem die nicht erhöhte Dividende.

Das Hauptgeschehen findet an diesem Tag aber im breiten Markt statt. Wie ein Händler kommentiert, gab es bei den vorgelegten Zahlen viel Licht und Schatten. Auf der Schattenseite stehen ohne Frage die Aktien des Solarzulieferers Meyer Burger (-11,5%). Davon zu reden, was im Jahr 2020 dann sein könne, erscheine dann doch etwas weit in die Zukunft gerichtet, kommentiert ein Börsianer. Nach Zahlen im Minus sind zudem die Anteilsscheine vom Mischkonzern Conzzeta (-2,2%), von Komax (-1,7%) und der Pharmagruppe Siegfried (-1,2%). Noch nicht gehandelt sind dagegen die Papiere von Lastminute.com.

Das Gegenstück bilden unter anderem die Aktien der Partners Group (+7,3%) nach guten Jahreszahlen. Das Unternehmen habe gute Aussichten, auch langfristig stark zu wachsen, kommentiert etwa die Bank Vontobel. Auch die Aktien von Orell Füssli (+5,7%) können sich nach guten Zahlen dem negativen Trend entziehen, ebenso wie die auf Glasverpackungen spezialisierte Vetropack (+0,1%).

(AWP)