SMI legt Verschnaufpause ein

Der Terroranschlag in Nizza drückt auf die Stimmung an der Schweizer Börse. Die Aktien des Uhrenherstellers Swatch kommen unter die Räder.
15.07.2016 09:11
Anleger sehen vorerst wenig Kurspotenzial am Schweizer Markt.
Anleger sehen vorerst wenig Kurspotenzial am Schweizer Markt.
Bild: Bloomberg

Der Swiss Market Index (SMI) geht mit einem Minus von 0,4 Prozent in den Handel.  Das ist im Vergleich zum Schlusskurs der letzten Woche aber immer noch ein Plus von gut 1 Prozent.

Wenig Orientierung bietet den europäischen Märkten die Übersee-Börsen: Der Future auf den Dow Jones Industrial gab seit Europaschluss am Vortag einen Tick nach und die asiatischen Aktienmärkte fanden keine gemeinsame Richtung. Derweil könnte der Terroranschlag in der südfranzösischen Stadt Nizza auf die Stimmung an den Finanzmärkten drücken. Terrorsorgen aber vor allem die Gewinnwarnung fürs erste Halbjahr dürften Swatch stark unter Druck setzen.

Beachtung finden am Berichtstag eine Reihe von Konjunkturnachrichten. So ist Chinas Wirtschaft laut Angaben des staatlichen Statistikamts im zweiten Quartal um 6,7% gewachsen und damit etwas stärker als von Ökonomen erwartet. Allerdings wird von Experten trotz Stabilisierung die Nachhaltigkeit des Wachstums angezweifelt. Das Ergebnis sei fast ausschliesslich durch eine rapide Ausweitung von Krediten erreicht worden, hiess es etwa.

Im Verlauf des Morgens werden Konjunkturdaten aus Europa (Handelsbilanz, Konsumentenpreise) und am Nachmittag eine Reihe Konjunkturindikatoren aus den USA (Konsumentenpreise, Detailhandelsumsatz, Industrieproduktion etc.) erwartet.

Swatch-Aktie im freien Fall

Für einen Paukenschlag hat die Swatch Group gesorgt (Aktie -13,6%). Der Uhrenkonzern gab im Rahmen einer Gewinnwarnung erste Angaben zum Halbjahresabschluss bekannt und rechnet mit einem Umsatzrückgang von 12% sowie einem Gewinneinbruch von 50-60%. Auch die Analystengemeinde hatte im Vorfeld des Halbjahresabschlusses mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang gerechnet, allerdings nicht in diesem Ausmass. Im Sog von Swatch büssen Richemont 5,6% ein, wobei der Anschlag in Nizza, das sowieso bereits belastete Marktumfeld für Uhren- und Schmuckverkäufer zusätzlich verschlechtern dürfte.

Rückläufige Kurse verzeichnen auch ABB (-0,9%). Die Titel des Technologiekonzerns wurden von Kepler Cheuvreux auf Hold von Buy abgestuft. Die Grossbanken UBS (+0,2%) und Credit Suisse (-0,3%), die am Donnerstag von überraschend guten Zahlen der US-Grossbank JPMorgan profitiert hatten, starten unterschiedlich. Am frühen Nachmittag werden auch Citigroup und Wells Fargo Quartalszahlen vorlegen.

SGS gewinnen 0,1%. Im Vorfeld der Publikation der Halbjahreszahlen vom kommenden Montag haben die Analysten von Barclays und der Deutschen Bank ihre Kurszielschätzungen jeweils klar angehoben. Während Barclays jedoch die Aktie weiterhin mit "Underweight" bewertet, empfiehlt die Deutsche Bank die Titel weiterhin zum "Kauf". Die Schwergewichte Nestlé (-0,3%) und Novartis (-0,2%) verlieren in etwa im Rahmen des Gesamtmarkts, während Roche (+0,3%) Gewinne macht.

Ems-Chemie überzeigt einmal mehr

Im breiten Markt hat sich der Spezialchemiekonzern Ems von der starken Seite gezeigt. Ems-Chemie (Aktie +3%) ist im ersten Halbjahr profitabel gewachsen und hat die Erwartungen der Finanzanalysten vor allem in Sachen Gewinn übertroffen. Aufgrund der guten Entwicklung hat Ems die Gewinnprognose erhöht und eine zusätzliche Dividendenerhöhung in Aussicht gestellt. Ausserdem gelang es auch der Zuger Kantonalbank, den Geschäftserfolg und den Gewinn im ersten Halbjahr zu steigern.

Derweil hat bei Schaffner (Aktie unverändert) CEO Alexander Hagemann überraschend den Hut genommen und das Unternehmen per sofort verlassen. Er werde sich einer neuen Herausforderung widmen, teilte das Unternehmen mit. Die operative Leitung bei Schaffner übernimmt CFO Kurt Ledermann interimistisch. Auch bei SHL Telemedicine (-2,7%) kommt es zu einem Wechsel im Management: Ehud Ben Yair heisst der neue Finanzchef.

(cash/AWP/Reuters)