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SMI-«Neuling» Swiss Life hat noch Potenzial

Swiss Life kehrt in den SMI zurück. Indem der Traditions-Konzern zum moderenen europäischen Lebensversicherer mutiert ist, ist auch die Aktie wieder interessant geworden.
21.03.2016 12:18
Von Marc Forster
SMI-«Neuling» Swiss Life hat noch Potenzial
Bild: Bloomberg

Die ehemalige Rentenanstalt mit Gründungsjahr 1857 ist fast so alt wie die moderne Schweiz. Seit 2002 Swiss Life genannt, gehört der Lebensversicherer zu den bedeutendsten Unternehmen des Landes und war auch früher schon SMI-Mitglied. 2010 verdrängte das eigentlich amerikanische Unternehmen Transocean die Vorsorgespezialisten aus dem Grosskonzerne-Index.

Jetzt, wo Transocean der Schweizer Börse wieder den Rücken zukehrt, kommt Swiss Life erneut in den Kreis der 20 wichtigsten Aktien der Börse von Zürich. Die Aktienentwicklung der letzten Monate verlief für Swiss Life durchaus positiv: Auf sechs Monate betrachtet stieg der Kurs um 15,5 Prozent, wobei die Aktie den Börsen-Knick von Anfang Januar bereits wieder wettgemacht hat. Geholfen haben Swiss Life sicherlich Index-Käufe, denn wenn eine Aktie in einen grossen Index eintritt, kommt sie auf den Radar von Grossinvestoren und Fonds.

Anfang März legte der Konzern dazu ein positives Jahresresultat für 2015 vor, das eine Dividendenerhöhung von 6,50 auf 8,50 Franken enthält. Der Titel steht im Moment bei 260 Franken.

Entwicklung der Swiss-Life-Aktie innerhalb von sechs Monaten (Quelle: cash.ch)

Das Mehrjahres-Hoch von Dezember bei 274 Franken hat die Swiss-Life-Aktie noch nicht erreicht, doch die Zeichen stehen gut, dass dies demnächst noch passieren kann. Der Titel verfügt über ein traaditionell tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,8. Was aber vor allem für Swiss Life spricht, ist auch verbesserte Widerstandsfähigkeit der Bilanz und des Geschäfts.

Stabile Bilanz

Als rein auf die Vorsorge und Vermögensverwaltung ausgerichteter Anbieter ohne Schadengeschäft ist Swiss Life einseitiger ausgerichtet als andere Schweizer Versicherer. Zu den wesentlichen Risiken im Geschäft, das durch Garantieversprechen an Kunden geprägt ist, sind die tiefen oder gar negativen Zinsen. Mithilfe der Bilanzsteuerung kann das Swiss-Life-Managment das Risiko zumindest in Schach halten.

Im Asset-Liability Management (ALM) sind die Laufzeiten von Anlagen auf der Aktiv- und Passivseite so abgestimmt, dass die Wirkung der Tiefzinsen verzögert einsetzt. Die Zinsmarge der Swiss Life ist in den vergangenen Jahren trotz tieferer Anlagerenditen stabil geblieben.

Operativ verbessern will sich die Swiss Life auch, indem sie die Einnahmen aus dem Kommissionsgeschäft gegenüber dem Zinsegeschäft steigert: Eine Folge der langjährigen Bemühungen seit der Zeit der Finanzkrise 2008/2009, die Staubschicht auf dem geschichtsträchtigen und traditionsschwangeren Haus zu entfernen. 2015 erhöhten sich diese von 21 auf 25 Prozent und sie sollen weiter steigen.

Der Ausbau des Geschäfts mit "modernen" Lebenversicherungsprodukten, bei denen der Kunde mehr vom Risiko trägt, verringert die Abhängigkeit von den je nach dem teuren Garantieversprechungen und ermöglicht Wachstum.

Dividenenhoffnungen berechtigt

Was die Swiss Life ebenfalls stabilisiert, ist der hohe Anteil an Anlageeinnahmen aus Immobilien. Zudem ist der Versicherer gut mit Eigenmitteln ausgestattet. Die Solvenzquote von 140 Prozent unter dem Swiss Solvency Test ist angesichts der Tatsache, dass dieser Lebensversicherer strenger bewertet als Schadenversicherer, ein solider Wert. Dies weckt Hoffnungen, dass die Dividende noch steigt, vor allem dann, wenn sich der Geschäftsmix des Versicherers noch stärker auf ertragreichere Produkte verlagert.

Risiken erwachsen der Swiss Life daraus, dass die Neuausrichtung noch nicht abgeschlossen ist: Das Management muss diesen Prozess weiter vorantreiben. Aufgrund der starken Verankerung in der Berufsvorsorge für Schweizer KMU ist die Swiss Life konjunkturabhängig. Wenig von sich reden macht dafür das Geschäft mit den "Versicherungsmänteln" für reiche Privatkunden im Ausland, die vor einigen Jahren noch der Kritik ausgesetzt gewesen sind, dass sie als Steuerschlupflöcher genutzt werden könnten.