SMI-Resultate: Eine erste Zwischenbilanz

Selten zuvor fiel die Berichterstattung bei den Grosskonzernen aus dem SMI so durchwachsen aus. Wer überzeugen konnte, wer nicht und wer guten Mutes in die zweite Jahreshälfte startet.
03.08.2016 23:45
Von Lorenz Burkhalter
Anleger müssen sich nach dem ersten Halbjahr durch einen Zahlen-Dschungel schlagen.
Anleger müssen sich nach dem ersten Halbjahr durch einen Zahlen-Dschungel schlagen.
Bild: cash

Über die vergangenen vier Wochen hinweg haben nicht weniger als 12 der 20 im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen ihre Ergebnisse für das zweite Quartal oder das erste Halbjahr veröffentlicht. Das Schlusslicht bildet wie immer Richemont - die Anteilseigner des Luxusgüterkonzerns aus Genf müssen sich noch bis Mitte September gedulden.

Neben den beiden Indexschwergewichten Roche und Novartis sind seit Ende letzter Woche endlich auch die Zahlenkränze der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse bekannt.

Wenn sich heute schon etwas pauschal sagen lässt, dann dass die Umsatzentwicklung mehrheitlich besser als erwartet ausgefallen ist. Obschon ABB und Syngenta diesbezüglich leicht enttäuschten, wurden die von der Nachrichtenagentur AWP erhobenen Konsensschätzungen über alle 12 Vertreter aus dem SMI hinweg um durchschnittlich 1,9 Prozent übertroffen.

Der Teufel liegt oft im Detail

Noch beeindruckender fällt die Zwischenbilanz bei der Gewinnentwicklung aus. Unter den 12 Unternehmen gab es gerade mal zwei schwarze Schafe. Hohe Investitionen und eine kurzfristige Verwässerung durch die zahlreichen kleineren Firmenübernahmen der vergangenen Monate liessen den Genfer Warenprüfkonzern SGS die Analystenerwartungen beim Gewinn um knapp 8 Prozent verfehlen.

Der Basler Agrarchemiehersteller Syngenta hatte hingegen mit Währungsverlusten und ungünstigen Witterungsverhältnissen in Nordamerika und Europa zu kämpfen. Als Folge dessen fiel der operative Gewinn (EBITDA) um 6 Prozent tiefer aus, als von Experten prognostiziert worden war. Mehr als diese beiden Kennzahlen wies das Unternehmen im Hinblick auf die geplante Übernahme durch die staatliche ChemChina nicht aus.

Zumindest auf den ersten Blick sehr ansprechende Resultate legten UBS, Credit Suisse und Julius Bär vor. Gerade im Fall der Credit Suisse hielt die Freude allerdings nicht lange. Ohne die Auflösung von Rückstellungen im Kreditgeschäft und tiefer als erwartet ausgefallene Restrukturierungskosten hätte Konzernchef Tidjane Thiam womöglich auch für das zweite Quartal einen Verlust kommunizieren müssen. Die Börse reagierte am Tag der Ergebnisveröffentlichung wenig zimperlich und schickte die Aktie der Credit Suisse um 5 Prozent in die Tiefe.

Ähnlich erging es Julius Bär. Die Traditionsbank aus Zürich übertraf die Markterwartungen mit dem Halbjahresgewinn um respektable 16 Prozent. Da sich ein Grossteil dieser Differenz mit Umstellungen bei der Verbuchung des Schweizer Pensionskassenplans erklären lässt, war die anfängliche Euphorie rasch verflogen. Dasselbe war wenige Tage zuvor schon dem Basler Pharma- und Diagnostikkonzern Roche zum Verhängnis geworden.

Besser kam in Expertenkreisen das Resultat der UBS an. Obschon Analysten den um 42 Prozent über den Konsensschätzungen liegenden Reingewinn kräftig zerpflückten, hiess es bei den meisten von ihnen: Daumen hoch.

Belebung in der zweiten Jahreshälfte?

Wenn sich etwas wie ein roter Faden durch die Zahlenkränze zieht, dann dass diese von einer Vielzahl einmaliger Kosten und Erträge geprägt waren. Die nackten Zahlen sind folglich erst einmal mit Vorsicht zu geniessen, werden sie um Sonderfaktoren bereinigt von der Börse doch nicht selten ganz anders beurteilt.

Interpretationsspielraum bieten auch die von den Unternehmen zur zweiten Jahreshälfte gemachten Aussagen. Etwas vorweg: Die Resultate von Julius Bär, Credit Suisse und UBS lassen in naher Zukunft nicht auf eine Belebung schliessen, wie auch die Zusammenstellung in der nächsten Tabelle zeigt.

Gerade weil sich der SMI über die letzten vier Wochen in einem engen Handelsband zwischen 7845 und 8263 Punkten seitwärts bewegt hat, sind Anleger auf der Suche nach Orientierungsmöglichkeiten für die Zukunft. Die Angaben zu den Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf sind diesbezüglich wichtige Anhaltspunkte.

Unternehmensresultate und Ausblick der SMI-Firmen

Unternehmen

Zahlen

Ausblick

ABB

gut

vorsichtig

Actelion

sehr gut

erhöht

Credit Suisse

mässig

vorsichtig

Givaudan

gut

vage

Julius Bär

mässig

vorsichtig

Lonza Group

gut

erhöht

Novartis

mässig

reduziert

Roche

gut

bestätigt

SGS

schwach

reduziert

Swiss Re

mässig

vage

Syngenta

schwach

reduziert

UBS Group

gut

vorsichtig

Quelle: www.cash.ch

Die Ausblicke könnten je nach Branche und Unternehmen unterschiedlicher kaum sein. So sahen sich der Genfer Warenprüfkonzern SGS und der Basler Pharmahersteller Novartis aufgrund eines hohen Investitionsbedarfs zu einer Reduktion ihrer Jahresprognosen gezwungen. Bei Novartis ist vor allem der Markteintritt des vielversprechenden Herzmedikaments Entresto mit hohen Vorabkosten verbunden. Auch Syngenta war bei der diesjährigen Gewinnprognose zum Zurückkrebsen gezwungen.

Nestlé verspricht weitere Anhaltspunkte

Die ebenfalls in Basel beheimateten Unternehmen Lonza und Actelion hoben ihre Jahresprognosen anlässlich der Ergebnisveröffentlichung hingegen an und wurden mit Erhöhungen der Gewinnschätzungen aus dem Analystenlager belohnt. Auch auffällig: Fast ausschliesslich unternehmensspezifische Gründe führten zu einer Anpassung der Jahresprognosen.

Weitere Anhaltspunkte in Bezug auf die zweite Jahreshälfte erhofft man sich in Expertenkreisen vom Halbjahresergebnis von Nestlé. Dieses steht erst am 18. August zur Veröffentlichung an. Wartet der Nahrungsmittelhersteller aus Vevey mit optimistischen Aussagen zur organischen Umsatzentwicklung auf, könnte das dem breiten Aktienmarkt helfen. Schliesslich ist Nestlé beim SMI für nicht weniger als einen Viertel der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.