SMI: Ruhiger Handel vor Brexit-Abstimmung

Die Schweizer Börse hat einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung über ein Ausscheiden der Briten aus der Europäischen Union leicht zugelegt.
22.06.2016 17:14
Die CS-Aktien sind am Mittwoch gesucht.
Die CS-Aktien sind am Mittwoch gesucht.
Bild: cash

Der SMI notierte am Mittwoch mit 7972 Punkten um 0,5 Prozent höher. Die Unsicherheit über den Ausgang des Votums mache die Anleger laut Händlern vorsichtig. Die Umsätze gingen merklich zurück. "Es scheint, als ob die Positionen bezogen wären. Die Marktteilnehmer haben sich an die Seitenlinie zurückgezogen", sagte ein Händler.

"Ich glaube zwar fest, dass sich die Briten für die Europäische Union entscheiden werden. Aber es gibt eben immer ein Restrisiko und das könnte in diesem Fall recht hoch sein", sagte ein anderer Händler. Daher seien die Umsätze so gering. "Das Motto lautet: Abwarten und Tee trinken."

Wettbüros setzen auf Verbleib in der EU

Manche Anleger orientierten sich an den Quoten der Wettbüros, da diese manchmal bessere Indikatoren als Meinungsumfragen lieferten, sagte ein Börsianer. "Und dort liegen die Befürworter eines 'Bremain' mehr oder weniger klar vorne." Daher hätten sich die europäischen Börsen in den vergangenen Handelstagen auch deutlich von ihren Tiefstwerten erholen können. "Wir stehen bereits wieder an", sagte ein Händler. Ein weiterer Anstieg sei erst nach der Abstimmung zu erwarten.

Während sich Finanzwerte als Stützen des Marktes erwiesen, wirkten sich Abgaben bei dem als krisenresistent geltenden Lebensmittelschwergewicht Nestle belastend aus.

"Die Käufer wetten auf ein Nein zum Brexit und tauschen Finanzwerte gegen Pharmatitel", sagte ein Händler.

Die Anteile des Versicherers Zurich rückten um 2 Prozent auf 237,60 Franken vor. BofA Merrill Lynch hat den Titel mit einem Kursziel von 280 Franken auf "Buy" von "Hold" hochgestuft.

Die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS verzeichneten Anstiege um 2,2 und 1,6 Prozent. Die Papiere von Julius Bär gewannen 1,4 Prozent. Citigroup hat die Empfehlung auf "Buy" von "Neutral" erhöht.

Händler sagten, die Banken träfen Vorkehrungen, um trotz anderer Erwartungen für den Fall eines Brexits gewappnet zu sein. "Bei manchen Banken sollen Händler in der Nacht auf Freitag auf Abruf bereitstehen müssen", sagte einer. Die Investmentbank der UBS hat ihre Kunden vor möglichen Einschränkungen im Handel im Zuge der Brexit-Abstimmung gewarnt. Es könne zu extremen Volatilitäten oder Liquiditätsengpässen kommen.

LafargeHolcim auf Erholungskurs

Die Aktien zyklischer Firmen stimmten im Verlauf einen freundlicheren Ton an. Die arg gebeutelten Anteile von LafargeHolcim glänzten mit einem Plus von 1,4 Prozent. Auch die Titel des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Personalvermittlers Adecco oder der Sanitärtechnikfirma Geberit waren zwischen 0,4 und 1,1 Prozent fester.

Bei den Luxusgüterherstellern waren die Aktien von Richemont um 0,9 Prozent höher, während sich Swatch nahezu unverändert präsentierten. Der unerwartet starke Rückgang der Uhrenexporte im Mai laste weiter auf den Papieren, hiess es. Die Bank Vontobel rechnet neu mit einem Rückgang der Exporte für das ganze Jahr von rund fünf Prozent. Zuvor war sie von insgesamt unveränderten Exporten ausgegangen. Richemont hat ein breiteres Angebot als der fokussierte Uhrenkonzern Swatch.

Leicht fester gehandelt wurden die als defensiv eingestuften Pharmatitel Roche. Rivale Novartis aber zog 0,6 Prozent an. Der Lebensmitteltitel Nestle verlor leicht Terrain.

Am breiten Markt setzten die Aktien der Handy-Verkaufskette Mobilzone ihren Aufwärtstrend fort. Gewinnmitnahmen bremsten dagegen die Papiere der Lagerlogistikfirma Kardex, des Maschinenbauers Bobst und des Arzneimittelherstellers Santhera.

Die Titel von Meyer Burger verloren 1,1 Prozent. Der Kurs des Solarzulieferers hatte sich an den Vortagen kräftig erholt. GAM Holding setzten den Erholungstrend vom Vortag fort und gewannen 3 Prozent.

(Reuters)