SMI-Schlusslicht - Swiss Re verdient weniger als erwartet - Aktie schwach

Die Gewinnentwicklung bei Swiss Re wird von Analysten als enttäuschend bezeichnet. Intakter Dividendenaussichten zum Trotz nimmt die Aktie einen Kurstaucher.
04.08.2017 11:19
Von Lorenz Burkhalter
Das Logo von Swiss Re am Hauptsitz in Zürich.
Das Logo von Swiss Re am Hauptsitz in Zürich.
Bild: Bloomberg

Eigentlich müsste der Rückversicherungskonzern Swiss Re auf ein starkes zweites Quartal zurückblicken können. Denn grosse Schadensereignisse blieben aus und die Stimmung an den Finanzmärkten war gut.

Allerdings verfehlt der am Freitag früh veröffentlichte Zahlenkranz die Analystenerwartungen sowohl beim Vorsteuergewinn als auch beim Reingewinn überraschend deutlich. Dasselbe gilt für die um 10 Prozent rückläufige Volumenentwicklung anlässlich der Erneuerungsrunde vom Juli.

Das kommt bei den Anlegern verständlicherweise nicht gut an. An der Schweizer Börse SIX fällt die Aktie von Swiss Re zur Stunde noch um 3,7 Prozent auf 91,40 Franken. Mit einem Minus von gut 5 Prozent seit Jahresbeginn bleibt die Aktie das Schlusslicht im Swiss Market Index.

Schwieriges Branchenumfeld

Der für Alliance Bernstein tätige Analyst sieht seine eigenen Gewinnerwartungen zumindest knapp erfüllt. Allerdings räumt er ein, dass seine Prognosen unter denjenigen anderer Berufskollegen liegen. Enttäuscht zeigt er sich vom Gewinnbeitrag aus den Sparten Corporate Solutions und Life Capital.

Sich des Prämiendrucks im Nichtleben-Rückversicherungsgeschäfts und der weiterhin tiefen Zinsen bewusst, stuft er die Aktie von Swiss Re dank der starken Eigenkapitalbasis und der dadurch guten Dividendenaussichten unverändert mit "Market Perform" ein.

Aus Sicht des Berufskollegen bei der Zürcher Kantonalbank kann der Halbjahresabschluss die Erwartungen insgesamt hingegen nicht ganz erfüllen. Dies sei die Folge der schlechter als erwarteten Entwicklung in den beiden dem Nichtleben-Rückversicherungsgeschäft zurechenbaren Geschäftsbereichen, so schreibt er weiter. Im Gegenzug begrüsst der Analyst sowohl das auf der Anlageseite erzielte Ergebnis sowie die weiterhin sehr gute Eigenmittelausstattung. Das Anlageurteil lautet wie bis anhin "Marktgewichten".

Dividendenaussichten werden als intakt beurteilt

Verteidigende Töne schlägt die Expertin von Morgan Stanley an. Sie hält die Geschäftsentwicklung um Sonderfaktoren bereinigt für ziemlich stabil. Das gilt auch für die Prämienentwicklung im Neugeschäft. Erst kürzlich nahm sie die Wiederabdeckung der Swiss-Re-Aktie mit "Overweight" und einem Kursziel von 104,30 Franken auf.

Als "eher mässig" bezeichnet der für die Bank Vontobel tätige Verfasser eines Kommentars den vorliegenden Zahlenkranz. Auch er macht das schwierige Branchenumfeld für das enttäuschende Abschneiden in den ersten sechs Monaten verantwortlich. In Anbetracht des starken Gewinnbeitrags aus dem Leben-Rückversicherungsgeschäft sowie aus dem Geschäft mit geschlossenen Lebensversicherungsportfolios schätzt er die Dividendenaussichten weiterhin als gut ein. Die Aktie wird bei der Zürcher Bank mit "Hold" und einem Kursziel von 94 Franken eingestuft.

Der Experte von RBC Capital Markets findet hingegen Gefallen an der starken Eigenmittelbasis. Seinen Berechnungen zufolge hielt Swiss Re Ende Juni ein Überschusskapital in Höhe von 4,4 Milliarden Dollar in den Büchern. Alleine schon deshalb sieht er die ordentliche Dividende im Gesamtbetrag von 1,6 Milliarden Dollar sowie das Aktienrückkaufprogramm über 1 Milliarde Dollar schon heute in trockenen Tüchern. Das Anlageurteil lautet folglich weiterhin "Outperform".

Ähnlich sieht man es bei Julius Bär. Auch bei der Traditionsbank aus Zürich wird die Swiss-Re-Aktie aufgrund ihrer intakten Dividendenaussichten mit einem Kursziel von 105 Franken zum Kauf empfohlen.