SMI-Schwergewicht - Roche meldet sich eindrucksvoll zurück

Der jüngst verschmähte Genussschein von Roche feiert an der Börse sein Comeback. Alleine in den vergangenen zwölf Stunden trafen zwei neue Kaufempfehlungen ein. Das hilft dem gesamten Schweizer Aktienmarkt.
22.11.2017 08:30
Von Lorenz Burkhalter
Die Wolkendecke über dem Hauptsitz von Roche reisst auf. Dasselbe gilt für den Genussschein an der Börse.
Die Wolkendecke über dem Hauptsitz von Roche reisst auf. Dasselbe gilt für den Genussschein an der Börse.
Bild: Bloomberg

Nicht selten liegen an der Börse Erfolg und Misserfolg nahe bei einander. Das mussten in den vergangenen Monaten auch die Anteilseigner des Pharma- und Diagnostikkonzerns Roche schmerzhaft erfahren. Nach wenig überzeugenden Studienergebnissen zu Perjeta und einer Umsatzerosion beim Schlüsselmedikament Rituxan in Europa warf ein Aktienanalyst nach dem anderen das Handtuch. Noch bis vor wenigen Tagen errechnete sich beim Genussschein deshalb sogar ein leichtes Kursminus für die Zeit seit Anfang Januar.

Doch nun wird Roche an der Börse wiederentdeckt, ausgelöst durch ermutigende Resultate einer Kombinationsstudie der Immuntherapie Tecentriq mit dem milliardenschweren Medikament Avastin bei bestimmten Formen von Lungenkrebs. Darüber hinaus erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA dem Bluterpräparat Hemlibra drei Monate früher als erwartet die Marktzulassung. Auch zu Hemlibra kann das Basler Traditionsunternehmen mit vielversprechenden Studienergebnissen aufwarten. Schon heute trauen Experten den beiden Medikamenten zukünftig Milliardenumsätze zu.

Immuntherapie Tecentriq verschafft Roche mehr Zeit

Alleine in den vergangenen zwölf Stunden trafen zwei Kaufempfehlungen für den Genussschein von Roche ein. Den Anfang machte der für Baader-Helvea tätige Pharmaanalyst. Er stufte das zuvor verschmähte SMI-Schwergewicht von "Hold" auf "Buy" herauf. Nach dem Kursfeuerwerk der letzten Tage lässt sich vom neu 256 (zuvor 231) Franken lautenden Kursziel allerdings nur noch ein Aufwärtspotenzial von rund 5 Prozent ableiten.

Mit den überzeugenden Studienresultaten zu Tecentriq habe sich der Pharma- und Diagnostikkonzern zusätzliche Zeit verschafft, um den Patentabläufen auf wichtigen Medikamenten Herr zu werden, so zeigt sich der Baader-Helvea-Experte zuversichtlich. Er schliesst nicht aus, dass die Kombination von Tecentriq mit Avastin auch bei weiteren Krebsarten zur Anwendung kommen könnte.

Sein Berufskollege bei der britischen Investmentbank Liberum stuft den Genussschein von Roche am frühen Mittwoch ebenfalls von "Hold" auf "Buy" herauf und errechnet gar ein Kursziel von 279 (bisher 250) Franken. Er argumentiert mit Anpassungen bei der Krankenversicherungsdeckung von Nachahmermedikamenten. Diese dürften den Baslern bei den drei von Patentabläufen betroffenen Schlüsselpräparaten Herceptin, Avastin und Rituxan helfen.

Schwergewicht Roche lässt den SMI kräftig steigen

Der Pharmaanalyst hält zudem die Forschungs- und Entwicklungspipeline für unterbewertet. Seines Erachtens dürfte der Genussschein von Roche nach dem seit März um 17 Prozent schlechtere Abschneiden zu einer Aufholjagd auf die Aktie des Erzrivalen Novartis ansetzen. Der Experte empfiehlt zwar auch letztere noch immer zum Kauf, gibt ihr allerdings nicht mehr länger den Vorzug.

Der Roche-Genussschein (rot) im 12-Monats-Vergleich mit der Aktie von Novartis (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Nicht nur für die Anteilseigner von Roche, auch für viele andere Schweizer Aktienmarktakteure ist die Häufung von Kaufempfehlungen ein wahrer Segen. Schliesslich trägt das Schwergewicht beim Swiss Market Index (SMI) fast 16 Prozent zur Gesamtkapitalisierung bei. Alleine seit Freitag hat Roche dem viel beachteten Börsenbarometer so zu einer Avance von nahezu 100 Punkten verholfen.