börsen-talk

«SMI-Schwergewichte haben alle Probleme»

Tiefe Kurse vieler SMI-Aktien lassen Anleger nach Alternativen suchen. Anlagechef Marcel Schnyder von der Bank Reichmuth erklärt, warum er Small Caps den Schwergewichten vorzieht und warum Industrie-Aktien reizvoll sind.
08.04.2016 01:05
Von Marc Forster
Marcel Schnyder, bei der Luzerner Privatbank Reichmuth & Co. Leiter des Bereichs Investment Management.
Bild: cash

Für Marcel Schnyder, der bei der Luzerner Privatbank Reichmuth & Co. als Chief Investment Officer arbeitet, sind Industriezulieferer mit überzeugenden Marktstellungen mit die interessantesten Aktien im Schweizer Markt: "Für uns sind das Titel wie Komax oder SFS, die wirklich sehr gute Produkte haben", sagt Schnyder im cash-Börsen-Talk.

Der Kabelverarbeitungsspezialist Komax (+12,3 Prozent seit Anfang Jahr) und der Metallverarbeiter SFS (+1 Prozent) seien in Märkten tätig, die nach wie vor gut liefen. Wichtig sei, die Firmen gut zu kennen, sich über die Produkte zu informieren und vor allem auch auf die Pipeline zu achten, also jene Produkte, die noch in der Entwicklung sind.

Nach bald fünf Quartalen ohne die SNB-Mindestkursgrenze im Euro-Franken-Wechelkurs hätten sich viele Industriefirmen gefangen, sagt Schnyder. "Über die Währungssituation wird viel gesprochen, aber sie ist nicht für jede Firma gleich dramatisch." Die Industrieunternehmen der Schweiz hätten vielfach mit Prozess- und Effizienzverbesserungen ihre Hausaufgaben gemacht, auch wenn das bedeute, Arbeitsplätze aus der Schweiz hinauszuverlagern.

Chart nur bedingt aussagekräftig

Das erste Quartal zeigte in einer Bobst, Looser, Tornos, Autoneum oder Georg Fischer und Burkhalter. Und den 6 von 20 SMI-Titeln, die überhaupt im positiven Bereich sind, befinden sich Geberit, Givaudan und ABB. Vor einem Jahr wurde wegen der Mindestkurs-Aufhebung noch stark schwarz gemalt. Inzwischen hat sich das Bild verändert.

Sinnbildlich für die positiven Kursverläufe am breiten Markt ist der SMI (-12 Prozent seit Anfang Jahr) und dem SPI (-9,7 Prozent) hat dieser Index in den ersten drei Monaten des Jahres dem Negativ-Trend standgehalten und bewegt sich derzeit auf etwa der gleichen Höhe wie am 1. Januar.

Die Ausrichtung, die Schnyder als Investment-Verantwortlicher der Bank Reichmuth verfolgt, geht eher in Richtung defensiver Titel. Der Verlauf des SMI-Kurses auf dem Chart interessiert Schnyder wegen der hohen Gewichtung einzelner Titel nur bedingt: "In der Schweiz sind es vier oder fünf grosse Titel, die das Gewicht im Index ausmachen" - also neben Novartis, Roche und Nestlé die beiden Banken UBS und Credit Suisse. Bei den Pharma-Titeln Roche und Novartis habe es starken Druck gegeben, weil die mögliche nächste US-Präsidentin Hillary Clinton gegen hohe Medikamentenpreise vorgehen will, während nach mehreren Boom-Jahren Nestlé auf langsameres Wachstum zusteure.

Kritik an Grossbanken

"Die vier oder fünf grössten Titel haben Probleme, wenn auch unterschiedliche." Während er für Industrie-Aktie durchaus positiv gestimmt ist, mahnt Schnyder besonders bei Bankaktien zur Vorsicht, und zwar nicht nur bei der Credit Suisse, deren Papier seit Anfang Jahr 40 Prozent verloren hat. Viele der grossen Banken in Europa hätten Probleme. Mit der eigenen Branche geht er überhaupt hart ins Gericht: "Als Banker muss man leider zugeben, dass sich die Branche in den vergangenen zehn Jahren nicht mit Ruhm bekleckert hat." Die Schweizer Banken hätten fast alles unternommen, um die Finanzindustrie zu schwächen.

Die "Panama Papers" mit den Steuerschlupf-Listen von Staatschefs und Prominenten sieht Schnyder aber weniger als Problem als jenes der CS, haben laut Schnyder ein überzeugende Zukunftspläne vorgelegt; Stattdessen hangeln sie sich von Restrukturierung zu Restrukturierung.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Marcel Schnyder auch zu den Chancen und Tücken volatiler Märkte und nennt Anlageklassen, die neben Aktien im Moment für interessant erachtet.