SMI setzt zur Erholung an

Der Schweizer Aktienmarkt ist nach einer bisher schwarzen Handelswoche am Freitag auf einen Erholungskurs eingeschwenkt.
17.06.2016 12:50

Steigende Ölpreise und zunehmende Hoffnungen auf einen Verbleib Grossbritanniens in der EU beflügeln die Dividendenpapiere, meinen Händler. Denn nach der Ermordung der Labour-Abgeordneten Jo Cox - einer erklärten Gegnerin eines EU-Ausstiegs - lassen beide politischen Lager ihren Wahlkampf zum Referendum in der kommenden Woche ruhen. Dies werde als relativer Vorteil für das "Remain"-Lager gewertet, hatten doch die jüngsten Umfragen auf erheblich wachsende Zustimmung zu "Leave" gedeutet.

Die Märkte reagierten damit effizient, aber nicht pietätvoll auf die Bluttat, so Marktbeobachter. Händler warnen jedoch davor, dass es sich lediglich um ein Strohfeuer handeln könnte vor dem "grossen Finale" in Grossbritannien. Am Berichtstag gelingt vor allem den zuletzt stark unter Druck geratenen Bankaktien eine deutliche Erholung. Kurz vor dem Mittag kam es allerdings zu einem kleinen Rücksetzer, was laut Händlern auf den heutigen "Hexensabbat" zurückgeführt werden könnte, sind doch um 12 Uhr die Index-Optionen und -Futures an der Eurex verfallen. Am Nachmittag könnten dann US-Häuserdaten Impulse bringen.

SMI klar über 7700 Punkte

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt bis 12.10 Uhr 1,45% auf 7'745,29 Punkte, auf Wochensicht verliert der Leitindex damit aber immer noch 2,2%. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 1,62% auf 1'169,05 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,37% auf 8'387,39 Punkte. Von den 30 Blue Chips notieren 29 in der Gewinnzone.

Börsenrelevante News der Blue Chips-Firmen sind am Berichtstag Mangelware. Vor diesem Hintergrund werden in erster Linie jene Aktien gekauft, welche zuletzt besonders an Wert eingebüsst hatten. In vorderster Front stehen denn auch die Titel der Credit Suisse (+3,9%) und der UBS (+2,9%). Vor allem Credit Suisse sind in den vergangenen Tagen stark unter die Räder gekommen. Julius Bär ziehen um 2,3% an.

Die Grossbankenaktien hatten auch am Vortag Federn gelassen. Die Schweizerische Nationalbank hatte den beiden Instituten in ihrem Bericht zur Finanzstabilität zwar eine Verbesserung ihrer Kapitalsituation attestiert, aber weitere Massnahmen angemahnt. Sollten die Banken ihre Risiko-Positionen nicht anpassen, bräuchten beide laut SNB je rund 10 Mrd CHF an zusätzlichem Eigenkapital.

Die Anleger greifen auch bei den Versicherungen zu: Swiss Life gewinnen 3,0%, Zurich Insurance 2,8%, Bâloise 2,4% und Swiss Re 2,1%. Kommt hinzu, dass die Auswirkungen der Überschwemmungen in Europa nach heutigem Stand wohl nur gering ausfallen dürften, wie die ZKB schreibt. So rechnen etwa Bâloise oder Helvetia (Aktie: +1,5%) wegen der Stürme in Deutschland lediglich mit Kosten in einstelliger Millionenhöhe.

Zykliker sind ebenfalls gefragt: Allen voran die in diesen Jahr stark gebeutelten LafargeHolcim gewinnen 2,6%. Aber auch Swatch (+2,2%), Sika (+2,1%), Schindler (+1,8%) und Adecco (+1,6%) ziehen deutlich an. Nicht wirklich erwärmen können sich die Anleger hingegen für die Papiere von Syngenta (-0,1%) und Clariant (+0,2%). Wobei zu Syngenta angefügt werden muss, dass die Papiere seit Anfang Februar ungefähr auf dem derzeitigen Niveau "festgepinnt" sind, als die Übernahmeofferte von ChemChina akzeptiert wurde.

Mehrheitlich mit dem Markt gehen auch die Aktien der defensiven Schwergewichte: Novartis steigen um 1,7%, Roche um 1,5% und Nestlé um 0,6%. Sonova steigen am Tag nach dem Dividendenabgang um 1,0% in die Höhe. HSBC hat im Rahmen einer Branchenstudie das Rating und das Kursziel für die Sonova-Aktien erhöht.

Im breiten Markt stehen die Aktien des Sicherheitstechnik-Konzerns Dorma+Kaba (+3,6%) im Fokus. Das Unternehmen restrukturiert den Standort Deutschland und verlagert Aktivitäten in den Fernen Osten. Damit verbunden ist ein Abbau von rund 440 Stellen. Die Meldung zeige, dass die Integration langsam Formen annimmt, so ein Analyst.

Rieter gewinnen 1,3%, nachdem der Vermögensverwalter Blackrock seinen auf über 5% von zuvor 4,5% erhöht hat. Goldbach Media (+3,4%) erhalten von der Verlängerung eines wichtigen Werbevertrags mit RTL Deutschland Unterstützung.

(AWP)