SMI: Verschnaufpause nach Kursfeuerwerk

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag nach einem starken Wochenauftakt mit angezogener Handbremse unterwegs.
21.06.2016 12:50
Die Aktien der UBS sind am Dienstag gesucht.
Die Aktien der UBS sind am Dienstag gesucht.
Bild: Bloomberg

Die Sorge vor einem Brexit schwinde zusehends, heisst es im Handel, entsprechend würden sich die Dividendenpapiere stabilisieren, nachdem sie zuletzt stärkere Schaukelbewegungen mitgemacht hätten. Zumindest kurzfristig wendet sich die Aufmerksamkeit der Anleger gar von Grossbritannien ab: Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat unter Bedingungen grünes Licht für den Anti-Krisenkurs der Europäischen Zentralbank (EZB) gegeben.

Marktstrategen rechnen aber jederzeit wieder mit stärkeren Schwankungen. Sollte sich die Stimmung der britischen Wähler wieder drehen, könnten die Märkte ebenfalls wieder in die andere Richtung gehen, heisst es. Am Nachmittag stehen Reden von EZB-Präsident Mario Draghi und Fed-Chefin Janet Yellen auf der Agenda. Letztere spricht vor dem Bankenausschuss des Senats in Washington, wobei Experten nicht mit klaren Signalen rechnen.

SMI leicht im Minus

Der Swiss Market Index (SMI) verliert bis 12 Uhr 0,14% auf 7'889,45 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 0,17% auf 1'197,43 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,12% auf 8'549,37 Zähler ein. Bei den Blue Chips stehen 21 Verlierern 9 Gewinner gegenüber.

Deutlich unter Druck kommen die Aktien der beiden Luxusgüterkonzerne Swatch (-1,5%) und Richemont (-0,9%); diese hatten am Vortag in der Hoffnung auf verbesserte Daten zu den Uhrenexporten deutlich zugelegt. Die nun publizierten Daten sagen aber Gegenteiliges: Zwar hat sich der Rückgang gegenüber den Vormonaten leicht abgeschwächt, mit minus 9,7% sind die Schweizer Uhrenexporte im Mai 2016 aber zum dritten Mal in Folge deutlich zurückgegangen. Die Markterwartungen seien klar verfehlt worden, meinen Analysten.

Die im Mai um 23% gestiegenen chemisch-pharmazeutischen Exporte sorgen für Gesprächsstoff im Handel. Allerdings waren die Exporte der Branche von einem markanten Preisanstieg geprägt. Bereinigt um die Teuerung sie um 1% gefallen. Die im SMI vertreten Pharmawerte Actelion (-0,4%), Novartis (-0,1%) und Roche (-0,6%) fallen denn auch nicht besonders auf. Das dritte defensive Schwergewicht, Nestlé, verteuert sich leicht um 0,3%.

UBS und CS gesucht

Gesucht waren am Vortag die Finanzwerte und hier vor allem die Bankaktien Credit Suisse (+0,1%), UBS (+1,1%) und Julius Bär (+0,1%). CS-CEO Tidjane Thiam hat laut Bloomberg Spekulationen am Markt über eine zusätzliche Kapitalerhöhung eine Absage erteilt. Erwartungen von Hedge Funds, die sich entsprechend positioniert hätten, seien "nicht korrekt", zitierte die Nachrichtenagentur aus einem Memo an Mitarbeitende. Der Aktienkurs der CS sei durch "unüblich hohe Short-Positionen" gedrückt worden, heisst es offenbar in dem Dokument.

Ansonsten bleibt die Nachrichtenseite hierzulande ruhig. Sonova (+1,7%) werden derweil von einem Analystenvotum bewegt, hat doch Morgan Stanley die Einstufung für den Hörgerätehersteller auf 'Equal Weight' von 'Underweight' erhöht. Auf die Seite der Gewinner schlagen sich auch Galenica (+0,6%), Aryzta (+0,4%) und SGS (+0,3%).

Gewinnmitnahmen sind teils in den zum Wochenstart festen Aktien der Zykliker zu sehen. So büssen etwa Sika 0,9%, Lonza 0,6% und Geberit 0,6% ein. Auch die Versicherer sehen mit Swiss Re (-0,8%) und Zurich Insurance (-0,4%) Abgaben.

Im breiten Markt verteuern sich Huber+Suhner um deutliche 4,4%. Der Kabelhersteller meldete einen sehr guten Geschäftsgang für das erste Semester 2016. Kursgewinne gibt es auch in Leclanché (+2,1%) und Santhera (+1,1%). Bei Leclanché haben zwei der wichtigsten Investoren des Batterieherstellers ihre Darlehen in Aktien umgewandelt und Santhera meldete, dass der Zulassungsantrag für das Mittel Raxone von der Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) angenommen wurde.

Die Papiere des Verpackungskonzerns Bobst ziehen um weitere 4,2% an. Die Aktien hatten bereits am Montag von der Nachricht profitiert, wonach die wichtige Branchenmesse "drupa" für das Unternehmen ein voller Erfolg gewesen sei. Die Verkaufsabschlüsse hätten "alle Erwartungen übertroffen", so die Westschweizer. Basler KB steigen um 3,3%. Das Institut legt Bereiche zusammen und baut Stellen ab.

Um satte 13% nach unten auf noch 40 Rappen geht es hingegen mit Gottex. Der Vermögensverwalter will im Zuge der Rekapitalisierung bis zu 100 Millionen neue Aktien ausgeben.

(AWP)