SMI weitet Kursverluste aus - Schwergewichte belasten

Nach zwei Handelstagen mit moderaten Kursgewinnen, büsst der Schweizer Aktienmarkt am Mittwoch an Terrain ein, wobei der SMI unter dem Druck der Index-Schwergewichte die Abgaben bis am Mittag noch ausgeweitet hat.
05.10.2016 12:40
Ampel bei der Schweizer Börse SIX in Zürich zeigt rot.
Ampel bei der Schweizer Börse SIX in Zürich zeigt rot.
Bild: cash

Spekulationen um eine baldige Straffung in der europäischen Geldpolitik hätten die Anleger aufgeschreckt und Gewinnmitnahmen ausgelöst, so ein Händler. Die Sorge gehe um, dass nach der US-Notenbank Fed nun auch die EZB auf die Bremse treten könnte.

Die EZB könnte die Wertpapierkäufe tatsächlich noch vor dem geplanten Ende des laufenden Programms drosseln, meint ein Marktbeobachter. Das Programm stosse sowieso an seine Grenzen und der Nutzen dieser Massnahme werde seit längerem in Frage gestellt. Derweil ist die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im September auf den tiefsten Stand seit Anfang 2015 gesunken. Am Nachmittag rückt dann der ADP-Beschäftigungsbericht als Vorbote für den am Freitag zur Publikation anstehenden Jobs Report in den Fokus der Anleger.

SMI sinkt unter 8200 Punkte

Bis um 12 Uhr verliert der Swiss Market Index (SMI) 0,75% auf 8'168,98 Punkte nachdem er sich zuvor nach schwachem Beginn bis auf 8'211 Stellen vorgearbeitet hatte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,66% auf 1'247,31 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,76% auf 8'916,75 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titel stehen bis auf drei alle im Minus.

Bei den Blue Chips büssen weiterhin Zykliker wie Aryzta (-2,5%), Sika (-1,4%) oder Kühne+Nagel (-1,6%) stark an Wert ein. Letztere waren noch am gestrigen Dienstag auf einen neuen Jahreshöchststand geklettert.

Auch die Aktien des Technologiekonzerns ABB rückten am Dienstag anlässlich des Capital Markets Day auf ein neues Jahreshoch vor und büssen nun 1,3% ein. Die Anleger hatten den Entscheid, die Sparte Stromnetze nicht abzuspalten, gut aufgenommen. Einige Analysten erhöhen nun ihre Kurszielerwartungen. Bei LBBW etwa wird die Digitalisierung der industriellen Produktion und der Stromnetze als zentraler Werttreiber gesehen.

Mit deutlichen Abgaben lasten die defensiven Index-Schwergewichte Nestlé (-1,0%), Roche (-0,9%) und Novartis (-0,8%) auf den Gesamtmarkt. Der Roche-Genussschein erhält dabei von dem für Actemra/RoActemra von der FDA erteilten "Therapiedurchbruch"-Status kaum Unterstützung. Den Status erhielt das Medikament in der Behandlung der Gefässerkrankung Riesenzellenarteriitis. Novartis gab derweil die Schliessung des Standorts in Schlieren bekannt, wovon 73 Mitarbeiter betroffen sind.

Etwas Nervosität hat sich bei Swiss Re (-0,7%) breit gemacht, nachdem der Hurrikan 'Matthew' mit voller Wucht auf Haiti getroffen ist und nun auf die US-Ostküste zusteuert. Unter dem Wirbelsturm-Risiko dürften auch die Aktien der Zurich Insurance Group (-0,2% auf 254 CHF) leiden. Eine Stütze bietet hier allerdings die Kurszielerhöhung auf 300 CHF (zuvor 281 CHF) durch JP Morgan. Die Analysten glauben, dass die Zurich die hohen Dividendenzahlungen beibehalten wird.

Banken auf Erholungskurs

Derweil setzen die Banken den Erholungskurs der beiden letzten Handelstage fort, nachdem vergangene Woche die Turbulenzen um die Deutsche Bank den Sektor in die Tiefe gerissen hatten. Die Titel der UBS (+0,7%) profitieren zudem von der Ratingerhöhung auf 'Sector Perform' von 'Underperform' durch RBC sowie auf 'Strong Buy' von 'Buy' durch S&P Global. Die S&P-Analysten wittern eine gute Einstiegschance.

Auch Julius Bär (+0,2%) legen zu, nachdem sie von RBC mit 'Outperform' ins Anlageuniversum aufgenommen wurden, wie am Markt zu hören ist. Dagegen sind Credit Suisse (-0,4%) ins Minus gerutscht.

Auch im breiten Markt sind Unternehmensnews äusserst dünn gesät. Am Vorabend hatte der Industriezulieferer Dätwyler den Ausbau der Produktion in den USA mit einem neuen Werk in Delaware bekanntgegeben. Analysten begrüssen diesen Schritt und die Aktie legt um 2,8%.

Gar 5,1% gewinnen SNB. Marktbeobachter sprechen von für SNB-Verhältnissen grossen Volumen, die in den ansonsten wenig beachteten Titel umgesetzt werden. Unter erhöhtem Abgabedruck stehen dagegen Addex (-7,0%) oder Gottex (-3,5%).

(AWP)