börsen-talk

«SMI in zwölf Monaten zehn Prozent höher»

Der Aktienmarkt bleibt laut Anja Hochberg von der Credit Suisse noch eine Weile volatil. Die Grundlagen für eine mittelfristige Steigerung des SMI sind aber intakt, wie die Anlagechefin im Börsen-Talk erläutert.
04.09.2015 01:05
Von Marc Forster
Anja Hochberg, Chief Investment Officer Schweiz und Europa, Credit Suisse.
Bild: cash

Für den Schweizer Aktienmarkt ist Anja Hochberg in der kurzfristigen Betrachtung vorsichtig:  "Wir erwarten keinen schnellen Ausbruch nach oben", sagt die Anlagechefin, die bei der CS für die Schweiz und Europa verantwortlich ist, im cash-Börsen-Talk.

Eine Seitwärtsentwicklung sei das wahrscheinlichste Szenario, bedingt durch die Wachstumsprobleme in China und die Frage, wann die amerikanische Notenbank die Zinsen erhöhe. Die deutlichen Schwankungen im Swiss Market Index dürften weitergehen, während sich die Schwankungsbreite, in der sich der Leitindex der Schweizer Börse derzeit bewegt, demnach noch eine Zeitlang beibehalten wird. 

Fundamental gesehen hat der SMI nach Ansicht von Hochberg aber weiter Potenzial. Auf Jahresfrist erwarte sie denn auch einen steigenden Schweizer Aktienmarkt. Ihre Prognose lautet klar: "Auf zwölf Monate sind das sicherlich zehn Prozent plus." In den nächsten drei bis sechs Monaten liegt laut der CS-Anlagespezialistin eine Steigerung des SMI um fünf Prozent drin. 

China-Verwerfung zeitlich begrenzt

Das China-Phänomen, also die weltweiten Folgen der Wachstumprobleme der zweitgrössten Volkwirtschaft und der Fall der chinesischen Börsenkurse, ist laut Hochberg zeitlich begrenzt. Die Bestrebungen der Regierung, die Wirtschafts zu stabilisieren, dürften sich mit der Zeit auch an anderen Aktienmärkten bemerkbar machen. Die Verwerfungen, die der Schweizer Aktienmarkt derzeit durchlebt, hätten schliesslich auch viel mit den tiefen Rohstoffpreisen zu tun. 

Nun helfe der schwächere Franken dem heimischen Aktienmarkt. Hochberg geht davon aus, dass sich der Euro-Franken-Kurs auf dem aktuellen Niveau in der Grössenordnung von 1,08 Franken für den Euro halten kann. Maximal sehen die CS-Prognosen den Kurs bei 1,10: "Das ist immer noch nicht der faire Wert, selbst hier ist der Franken noch leicht teurer, aber wegen der quantitativen Lockerung der Europäischen Zentralbank werden wir auch nicht so schnell an den fairen Wert kommen." Lediglich geopolitische Risiken könnten den Euro-Franken-Kurs wieder gegen das Juni-Niveau von 1,04 drücken. 

Genauso sieht Hochberg einen Kurstreiber in der Eurozone. Positive Konjunkturdaten aus den Ländern mit der Einheitswährung haben in den vergangenen Tagen und Wochen sogar teils überrascht. Es sei auch nicht mehr nur Deutschland, das den Wirtschaftsblock antreibe, sondern auch die lange gebeutelten Peripherieländer mit starken Impulsen. Namentlich Spanien hat jüngst deutliche Wachstumverbesserungen aufgewiesen. 

Pharma- und Industrietitel mit hohem Kurspotenzial

Als solide Werte im Aktienmarkt nennt Hochberg die "guten alten Bekannten" aus der Gesundheitsbranche, allen voran die grossen Pharmatitel Novartis und Roche. Dank der aktuell gefallenen Kurse sieht Hochberg dort ein Potenzial von bis zu 40 Prozent. Aber auch bei den kleineren Titel sieht sie prozentual ähnlich starke Möglichkeiten der Steigerung. "Eine ganz klein kapitalisierte Micronas kann ich hier nennen, aber auch eine Georg Fischer - das sind Werte, die für uns nach wie vor sehr interessant sind." 

Etwas verhaltener sieht Hochberg die Steigerungs-Aussichten im US-Aktienmarkt. Der Grund: Das anhaltende Ratespiel um den Termin für die erste Zinserhöhung der Notenbank Federal Reserve seit rund zehn Jahren. Anja Hochberg ist weiterhin überzeugt, dass der Zinsschritt noch im laufenden Monat kommt. Sollten neue Arbeitsmarkt-Daten schlechter ausfallen als gedacht, könnte die Fed auch im Oktober handeln. 

Mit allmählich steigenden Zinsen in den USA, bei anhaltend tiefen Zinsen in der Eurozone, wird laut Hochberg der Devisenmarkt wieder in Bewegung geraten: "Euro-Dollar wird ganz spannend sein, und daher auch exportorientierte Firmen." Wenn der Euro durch eine US-Zinserhöhung schwächer werde, dann dürften sich laut dem CS-Szenario die europäischen Exportfirmen in Richtung Outperformance bewegen.

Im cash-Börsen-Talk beurteilt Anja Hochberg auch die Abwertungspolitik der People's Bank of China und erklärt, was sie von Investitionen in Aktien und Devisen der Schwellenländer hält.