SNB-Aktie als Spielball der Spekulanten?

Die Aktie der Schweizerischen Nationalbank legte am Donnerstagnachmittag bis 18 Prozent zu. Marktnahe Kreise vermuten einen Hedgefonds dahinter.
09.04.2015 17:44
Von Daniel Hügli
Gebäude der SNB in Zürich.
Gebäude der SNB in Zürich.
Bild: cash

Ist die Aktie der Schweizerischen Nationalbank zum Spielball von Spekulanten geworden? Die Titel der SNB stiegen am Donnerstagnachmittag bis 18 Prozent auf 1252 Franken. Das war der höchste Stand seit Herbst 2011 und wahrscheinlich einer der höchsten Tagesgewinne, welche die wenig gehandelte Aktie jemals erzielt hat. Bei Handelsschluss lagen die Aktien noch 8 Prozent im Plus.

Gerüchtehalber könnte der Hedge-Fonds Transamerica Series Trust hinter den Kursbewegungen stehen, wie cash aus Händlerkreisen erfuhr. Das ist eine Tochtergesellschaft von Transamerica Asset Management, die ihrerseits dem holländischen Lebensversicherer Aegon gehört. Aegon übernahm den US-Lebensversicherer Transamerica 1999 für fast zehn Milliarden Dollar.

SNB-Sprecher Walter Meier wollte die Kurssprünge der SNB-Aktie auf Anfrage von cash nicht kommentieren.

Schon am Mittwoch zugelegt

Bereits am Mittwoch legte die SNB-Aktie ungewöhnliche 3 Prozent zu. Im Nachgang zur Aufhebung der Kursuntergrenze Mitte Januar war der Titel unter die Marke von 1000 Franken abgesackt, da der SNB-Schritt wohl zu Verlusten in der Nationalbankrechnung führen wird und somit die Gefahr besteht, dass keine Dividende ausgeschüttet wird. 

Tatsächlich eignen sich die SNB-Titel nur für Liebhaber und für auf höchste Sicherheit bedachte Anleger. Immerhin bietet die SNB-Aktie eine Dividendenrendite von 1,5 Prozent.

Das hat sich wohl auch der deutsche Multi-Verwaltungsrat Prof. Theo Siegert gedacht, als er in der Finanzkrise seinen Anteil an der SNB auf 6 Prozent erhöhte. Damit ist Siegert noch immer der zweitgrösste Aktionär der SNB. Laut Informationen von cash steht Siegert nicht hinter dem Kursanstieg der SNB-Aktie vom Donnerstag. Siegert selber begründete 2008 sein SNB-Engagement gegenüber der Tageszeitung "cash daily" mit der "Bonität und Professionalität" der SNB.

Immer wieder bizarre Kurssprünge

Grösste SNB-Aktionärin ist der Kanton Bern mit 6,63 Prozent. Insgesamt befinden sich 62 Prozent der SNB-Aktien in Besitz von Kantonen und Kantonalbanken. Die übrigen verteilen sich auf 2236 Privataktionäre. Für sie gelten Stimmrechtsbeschränkungen, die SNB kann also nicht angegriffen werden.

Die Aktie der SNB ist ein Exot im Tableau des Swiss Performance Index. Sie wird kaum gehandelt, und sie folgt auch nicht wirtschaftlichem oder profitorientiertem Handeln des Unternehmens SNB, weil das nicht die Aufgabe der Nationalbank ist. Die Aktie ist eigentlich auch keine Aktie, sondern, wie sie der emeritierte Wirtschaftsprofessor Max Boemle einmal nannte, ein "Perpetual Bond". 

Die SNB-Aktie macht immer wieder bizarre Kurssprünge. So stieg sie im Jahr 2006 auf einen Stand von 1520 Franken. Weil Investoren von der irrigen Annahme ausgingen, dass sie vom Erlös der SNB-Goldverkäufe teilhaben könnten.

 

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