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SNB-Aktie geht auf Tauchstation

Die Aktie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) fällt zum ersten Mal seit langer Zeit unter die Marke von 1000 Franken. Die (wenigen) Anleger bangen um die Dividende.
28.01.2015 15:56
Von Daniel Hügli
Gebäude der SNB am Sitz in Zürich.
Gebäude der SNB am Sitz in Zürich.
Bild: www.snb.ch

Die SNB-Aktie fiel am Dienstag auf einen Stand von 990 Franken. Das ist die tiefste Notierung seit Oktober 2012. Seit dem 15. Januar, als die SNB das abrupte Ende der Euro-Kursuntergrenze verkündete, hat der Titel fast 10 Prozent verloren. Am Mittwoch schlichen sich die Aktien wieder auf ein Niveau von knapp über 1000 Franken.

Grund für das Absacken der SNB-Aktien sind Dividendenängste. Die Schweizerische Nationalbank hatte 2013 wegen des hohen Verlusts erstmals seit 1992 den Kantonen und den Aktionären keine Gewinne ausgeschüttet und auch die Dividende fiel damals aus. Nun könnte ähnliches bevorstehen.

Denn das Ende des Euro-Mindestkurses wird der SNB wegen Buchverluste auf Fremdwährungen voraussichtlich einen gigantischen Jahresverlust 2015 einbrocken. Und die Dividende kann, genau wie die gesetzlich geregelten Ausschüttungen an Bund und Kantone, wegen des schlechten Geschäftsganges der SNB ausfallen. Daher befindet sich die Aktie in diesem Tagen wohl auch unter Druck.

Die Aktie der SNB ist ein Exot im Tableau des Swiss Performance Index. Sie wird kaum gehandelt, und sie folgt auch nicht wirtschaftlichem oder profitorientiertem Handeln des Unternehmens SNB, weil das gar nicht die Aufgabe der Nationalbank ist. Die Aktie ist eigentlich auch keine Aktie, sondern, wie sie der emeritierte Wirtschaftsprofessor Max Boemle einmal nannte, ein "Perpetual Bond".

Nur für "Liebhaber"

Tatsächlich hat die SNB-Aktie wegen der gesetzlichen Maximaldividende von 15 Franken pro Titel (6 Prozent des Nennwertes von 250 Franken) den Charakter einer langfristigen Bundesobligation, aber ohne Fälligkeit. Die Inhaber kommen also in den Genuss einer Rendite von relativ bescheidenen 1,5 Prozent.

Die SNB-Aktie macht denn auch immer wieder bizarre Kurssprünge. So stieg sie im Jahr 2006 auf einen Stand von 1520 Franken. Weil Investoren von der irrigen Annahme ausgingen, dass sie vom Erlös der SNB-Goldverkäufe teilhaben könnten.

Die Aktien der SNB eignen sich nur für Liebhaber und für auf höchste Sicherheit bedachte Anleger. Das mag sich auch der deutsche Multi-Verwaltungsrat Theo Siegert gedacht haben, als er in der Finanzkrise seinen Anteil an der SNB auf knapp 6 Prozent erhöhte. Damit ist Siegert der zweitgrösste Aktionär der SNB.

Grösste Aktionärin ist der Kanton Bern mit 6,63 Prozent. Insgesamt befinden sich 62 Prozent der SNB-Aktien in Besitz von Kantonen und Kantonalbanken. Die übrigen verteilen sich auf 2236 Privataktionäre. Für sie gelten Stimmrechtsbeschränkungen.