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SNB-Aktie kratzt an Acht-Jahres-Hoch

Die Aktie der Schweizerischen Nationalbank steigt am Donnerstag über 10 Prozent. Was steckt dahinter?
25.08.2016 14:22
Von Daniel Hügli
Der Sitz der Schweizerischen Nationalbank in Zürich.
Der Sitz der Schweizerischen Nationalbank in Zürich.
Bild: cash

Die Aktie der Schweizerischen Nationalbank steigt am Donnerstag um über 10 Prozent auf 1375 Franken. Sie steht damit an der Spitze der Tagesgewinner aller SPI-Werte. Letztmals stand die Aktie im April 2015 annähernd so hoch, als sie im Tagesverlauf einmal bei 1400 Franken notierte. Einen Schlusstand von deutlich über 1300 Franken erreichte die Aktie letztmals Ende 2008.

Der Höhenflug der Aktie begann heuer schon Anfang Juli. Damals notierte der Titel noch bei 1100 Franken. Es resultiert also ein Wertzuwachs von gegen 30 Prozent innert weniger Wochen. Was ist geschehen? Im Handel kann man sich den Anstieg jedenfalls nicht erklären. "Es sind halt mehr Käufer als Verkäufer im Markt", meint ein Händler ebenso witzelnd wie desinteressiert.

Auffallend ist, dass die Aktie der Nationalbank mit in den Aufwärtssog der kleinkapitalisierten Schweizer Aktien geraten ist: Ausserordentlich viele kleinere und unbekanntere Aktien haben in den letzten Wochen massiv zugelegt, der Small Companies Index der Schweizer Börse hat seit Ende Juni über 10 Prozent gewonnen. Möglich daher, dass sich Anleger bei ihrer verzweifelten Suche nach kleineren Schweizer Werten in den letzten Wochen selbst auf den wenig gehandelten SNB-Titel gestürzt haben.

Bei den normalerweise tiefen Volumen im Handel mit SNB-Aktien genügen nur wenige Trades, um die Aktie nach oben oder nach unten sausen zu lassen. Tatsächlich eignen sich die SNB-Titel nur für Liebhaber und für auf höchste Sicherheit bedachte Anleger. Immerhin bietet die SNB-Aktie eine Dividendenrendite von 1,5 Prozent. Nachhaltige Kurssteigerungen bleiben auf lange Sicht aber aus.

SNB-Aktie ist ein Exot im Tableau

Die Aktie der SNB ist eigentlich ein Exot im Tableau des Swiss Performance Index (SPI). Sie folgt nicht wirtschaftlichem oder profitorientiertem Handeln des Unternehmens SNB, weil das nicht die Aufgabe der Nationalbank ist. Die Aktie ist in strengen Sinn auch keine Aktie, sondern, wie sie der emeritierte Wirtschaftsprofessor Max Boemle einmal nannte, ein "Perpetual Bond". 

Dass die Aktie der SNB immer mal wieder zu Kurskapriolen neigt, wurde letztes Jahr unter Beweis gestellt. Im April 2015 stieg der Titel innert weniger Tage von 1000 auf bis 1400 Franken. In der Spitze resultierte gar ein Tagesgewinn von 18 Prozent. Ein Medienbericht, wonach ein US-Investmentfonds ein grosses SNB-Aktienpaket erworben habe, stellte sich im Nachhinein als Falschmeldung heraus. Nicht verwunderlich daher, dass die SNB-Aktie in den Folgewochen ihre plötzlichen Gewinne wieder abgab.

Oder das Jahr 2006: Damals stieg die Aktie auf einen Stand von 1520 Franken, ein Rekord, der noch heute Bestand hat. Investoren waren von der irrigen Annahme ausgegangen, dass sie vom Erlös der SNB-Goldverkäufe teilhaben könnten. Auch damals fiel die SNB-Aktie in der Folge wieder.

Grösste SNB-Aktionärin ist der Kanton Bern mit 6,63 Prozent. Insgesamt befinden sich 62 Prozent der SNB-Aktien in Besitz von Kantonen und Kantonalbanken. Die übrigen verteilen sich auf etwa über 2200 Privataktionäre. Darunter ist auch der deutsche Multi-Verwaltungsrat Prof. Theo Siegert. Mit einem Anteil von 6 Prozent an der SNB ist er zugleich der zweitgrösste Aktionär der Zentralbank. 

(Mitarbeit: Lorenz Burkhalter)