SNB: Deflationsrisiken nochmals gestiegen

Die Schweizerische Nationalbank erwartet im nächsten Jahr eine negative Inflationsrate in der Schweiz. Sie rüttelt wie erwartet nicht am rekordtiefen Leitzins und an der Kursuntergrenze.
11.12.2014 10:49
Von Daniel Hügli, Bern
SNB-Präsident Thomas Jordan erläutert in Bern die Entscheide der Zentralbank.
SNB-Präsident Thomas Jordan erläutert in Bern die Entscheide der Zentralbank.
Bild: Bloomberg

Eine Zinswende bleibt in der Schweiz in weiter Ferne: Die SNB belässt das Zielband für ihren Leitzins bei 0 bis 0,25 Prozent. Das gab die Zentralbank am Donnerstag anlässlich ihrer vierteljährlich stattfindenden Standortbestimmung bekannt. Ebensowenig rüttelt die SNB an der Kursuntergrenze zum Euro von 1,20 Franken.

"Die Deflationsrisiken haben nochmals zugenommen und der Franken bleibe nach wie vor hoch bewertet" sagte SNB-Präsident Thomas Jordan vor den Medien in Bern.

Für 2015 erwartet die SNB neu eine negative Inflationsrate von 0,1 Prozent. Das entspricht einer Abwärtsrevision von 0,3 Prozentpunkten. Für das laufende Jahr senkte die SNB die Inflationsprognose von 0,1 Prozent auf 0,0.

Vor allem der spürbar tiefere Ölpreis lasse die Teuerung über die nächsten vier Quartale in den negativen Bereich sinken, heisst es. Mittel- und langfristig dämpften die weltweit hartnäckig tiefe Inflation und die erneut schwächeren Konjunkturaussichten für die Eurozone die Teuerung in der Schweiz.

Erst 2016 wird ein leichter Anstieg der Inflation auf 0,3 Prozent erwartet. Diese Prognosen gehen laut Jordan davon aus, dass der Dreimonats-Libor über den gesamten Prognosezeitraum bei null bleibt und sich der Franken abschwächt.

Der Franken stieg unmittelbar nach der Entscheidung auf 1,2014 pro Euro. Er blieb dann zunächst unter 1,2020 Franken. Davor hatte die Gemeinschaftswährung zwischen 1,2028 und 1,2038 Fr. geschwankt.

Frankenkurs nahe an der Untergrenze

Bezüglich Konjunkturentwicklung meinte Jordan, dass die Auslastung der Wirtschaft unbefriedigend bleibe. Im vierten Quartal dürfte das Wachstum wieder spürbar tiefer ausfallen. Weil die Zahlen für die Vorquartale aufgrund der umfassenden Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung höher ausgewiesen würden, sollte das Wachstum des Bruttoinlandprodukts im laufenden Jahr mit 1,5 Prozent bis 2 Prozent etwas höher ausfallen als noch im September angenommen.

Die zugrundeliegende Dynamik der Konjunktur habe sich damit jedoch nicht verändert, so die SNB. Für das kommende Jahr erwartet die Nationalbank ein Wachstum von rund 2 Prozent. Damit dürfte die bestehende Unterauslastung der Wirtschaft nur langsam abnehmen.

Der Eurokurs bewegt sich seit Wochen wieder in der Nähe der Marke von 1,20 Franken. Nach der Ablehnung der Goldinitiative wich der Aufwertungsdruck auf die Schweizer Währung nur geringfügig.

Die SNB sei bereit, zur Verteidigung der Kursuntergrenze unbeschränkt Devisen zu kaufen. Bei einem Dreimonats-Libor von null sei der Mindestkurs das zentrale Instrument, um eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen zu verhindern. Bei Bedarf werde man "unverzüglich weitere Massnahmen" ergreifen, bestätigte sie frühere Aussagen.

Die SNB-Direktoriumsmitglieder hatten bei zahlreichen Gelegenheiten in der jüngeren Vergangenheit zwar gesagt, dass sie ihre seit drei Jahren bestehende Kursuntergrenze mit weiteren Massnahmen ergänzen wollen, sollte dies nötig werden. Auch negative Zinsen auf Sichteinlagen wurden in Erwägung gezogen.

Hinweis: Ab etwa 14 Uhr strahlt cash ein Video-Interview mit SNB-Präsident Thomas Jordan aus.