SNB dürfte die Weihnachtsruhe geniessen

Thomas Jordan dürfte die Gelegenheiten zum Durchatmen in der diesjährigen Weihnachtszeit nutzen. An der heutigen geldpolitischen Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank wird kein Kurswechsel erwartet.
15.12.2016 07:25
Thomas Jordan. Präsident der SNB.
Thomas Jordan. Präsident der SNB.
Bild: ZVG

Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sowie die tatsächliche Brexit-Auslösung der Briten dürften 2017 zu einem Jahr mit erhöhter Unsicherheit machen. Für den Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und seine Kollegen könnte das letztlich mit viel Arbeit verbunden sein.

"Die Eurozone wird weiter erheblichen Problemen ausgesetzt sein, was den Euro niedrig hält", sagt Janwillem Acket, Chefökonom bei Julius Bär. "Unberechenbare US-Politik sowie ein erhöhtes Niveau geopolitischer Spannungen könnten dazu beitragen, ängstliche Investoren aus dem Dollar herausführen, als sicheren Hafen, und abermals hin zum Schweizer Franken."

Die nächste geldpolitische Entscheidung der SNB fällt heute um 9.30 Uhr Ortszeit in Bern. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte erst vergangene Woche angekündigt, ihre quantitative Lockerung weiter auszudehnen.

"Wir haben aus einer schweizerischen Sicht ein Interesse daran, dass die Geldpolitik weltweit in Richtung Normalisierung geht, vor allem, wenn dies vor dem Hintergrund einer Verbesserung der Weltkonjunktur erfolgt", hatte Jordan in einem am 24. November veröffentlichten Interview mit dem Tages-Anzeiger erklärt.

Versuch der Inflationsbelebung

Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten, dass die SNB an ihrem derzeitigen Kurs festhalten wird. Die Notenbank versucht, die Inflation mit einer Doppel-Strategie wiederzubeleben: einem Einlagensatz von minus 0,75 Prozent und dem Versprechen, an den Devisenmärkten einzugreifen. Nach Bekanntgabe der Entscheidung heute werden Jordan und seine Kollegen um 10 Uhr Ortszeit vor die Presse treten.

Die SNB wird zudem ihre Inflationsprognose aktualisieren und eine erste Einschätzung zum Wachstum im kommenden Jahr abgeben. Im September hatte sie geschätzt, dass die Verbraucherpreise 2017 lediglich um 0,2 Prozent und 2018 um 0,6 Prozent steigen werden.

Die Welle an Populismus - ausgelöst durch Frust mit den politischen und wirtschaftlichen Eliten und unter anderem sichtbar beim Brexit-Votum und dem Referendum in Italien – wird bei den anstehenden Wahlen in Europa wahrscheinlich eine Rolle spielen. Damit steigen die Risiken einer Destabilisierung der Eurozone.

Los geht es mit den Wahlen in den Niederlanden am 15. März. Bis zum selben Monat will die britische Regierung den Brexit über Artikel 50 auslösen. Die zwei Wahlrunden für die Präsidentschaftswahl in Frankreich stehen im April und Mai an. Und die Deutschen sind dann im Herbst zur Stimmenabgabe aufgefordert.

IWF-Ratschlag in den Wind schlagen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte empfohlen, dass die SNB ihre Eingriffe darauf begrenzt, grosse Zuflüsse zu bekämpfen, und dass sie ihren Einlagensatz weiter senkt, um dem starken Franken zu begegnen und die Inflation anzutreiben. Laut der Median-Schätzung von Volkswirten in einer anderen Bloomberg-Umfrage kann der Zins bis auf minus 1,25 Prozent sinken, bevor Investoren damit beginnen, Barmittel zu horten.

Die SNB wird nach Einschätzung von Markus Schmieder, Ökonom bei Wellershoff und Partners in Zürich, zögerlich dabei sein, die Zinsen weiter zu reduzieren und damit den Ratschlag des IWF wohl nicht befolgen.

"Die Negativzinsen zu senken scheint keine zulässige Option für die SNB zu sein", weil die Gewinne der Banken darunter sogar noch mehr leiden würden und das Risiko von Barmittel-Hortungen zunehmen dürfte, erklärt er. Seiner Meinung nach könnte ein sich verbessernder Inflationsausblick es der SNB erlauben, eine Aufwertung des Franken in "einer kontrollierten Art und Weise" zuzulassen.

Natixis erklärte ebenfalls, die Notenbank dürfte toleranter gegenüber einer Aufwertung werden - aus Angst, die Immobilienblase des Landes anzuheizen.

(Bloomberg)