SNB: EZB sorgt für Aufatmen in der Schweiz

EZB-Chef Mario Draghi hat nach Einschätzung von Experten Druck von der Schweizer Notenbank (SNB) genommen.
10.03.2016 17:33
Der Aufwertungsdruck auf den Franken hält sich am Donnerstag in Grenzen.
Der Aufwertungsdruck auf den Franken hält sich am Donnerstag in Grenzen.
Bild: cash

Analysten gehen nun davon aus, dass die SNB bei ihrem Treffen kommende Woche die Füsse stillhalten wird. Zwar weitete die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihre Geldschwemme weiter aus. Auf der anschliessenden Pressekonferenz erklärte Draghi jedoch, er erwarte nicht, dass es notwendig sein werde, die Zinsen weiter zu senken. Das sorgte für Aufsehen am Markt: Der Schweizer Franken, der zunächst angezogen hatte, schwächte sich nach den Äusserungen Draghis ab: Ein Euro kostete am Nachmittag um die 1,10 Franken, nachdem es unmittelbar vor den EZB-Beschlüssen noch 1,0950 Franken waren.

SNB reibt die Hände

Das spielt der Schweizer Notenbank (SNB) in die Hände - denn sie will einen weiteren Höhenflug des Franken mit allen Mitteln verhindern. Eine starke Währung schwächt die exportorientierte Industrie des Landes. Dafür setzt die SNB auf Negativzinsen und Strafzinsen für Banken - von aktuell jeweils minus 0,75 Prozent. Zudem interveniert sie bei Bedarf am Devisenmarkt, indem sie andere Währungen kauft und damit den Franken schwächt. Die nächste vierteljährliche Lagebeurteilung der SNB steht am nächsten Donnerstag an.

Viele Ökonomen erwarten, dass die SNB dann ihr Pulver trocken halten dürfte. Bei den Entscheidungen werde das Direktorium um Notenbankchef Thomas Jordan wohl den Wechselkurs des Franken in den Mittelpunkt stellen, sagte UBS-Ökonom Alessandro Bee. "Die SNB kommt unter Druck, wenn der Schweizer Franken aufwertet. Solange das nicht der Fall ist oder die Devisenmarktinterventionen ausreichen, kann sich die SNB zurücklehnen", erläuterte Bee. Auch Felix Adam, Chef des Handelshauses ACT Currency in Zürich, erwartet nicht notwendigerweise weitere Schritte des SNB-Direktoriums: "Sie werden immer zuerst die sanfteren Varianten versuchen. Es ist nicht zwingend, dass sie etwas machen müssen", sagte Adam. Credit-Suisse-Ökonom Maxime Botteron geht davon aus, dass die SNB auch in den kommenden Wochen am Devisenmarkt eingreifen wird.

Auch am Markt geht die Mehrheit der Investoren nicht mehr davon aus, dass die SNB den Strafzins demnächst auf 1,00 Prozent senkt. "Der dreimonatige Franken-Geldmarktfuture signalisiert einen stabilen Leitzins", sagte ein Händler. Der Future notierte bei 100,82 Prozent, nachdem er vor der EZB-Entscheidung noch bei 100,89 Prozent gelegen hatte. Das bedeutet, die Hälfte der Marktteilnehmer hatte eine Zinssenkung nicht ausgeschlossen. Anders sieht es für die SNB-Treffen im Juni und September aus, für die Marktteilnehmer weiterhin mit einer Zinssenkung rechnen.

(Reuters)