SNB-Jordan: «Negativzins bringt unerwünschte Nebenwirkungen»

Der im Januar 2015 von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit der Einführung von Negativzinsen eingeschlagene, geldpolitische Weg hat laut SNB-Präsident Thomas Jordan Wirkung gezeigt.
24.10.2016 18:25
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.
Bild: ZVG

"Zusammen mit der Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, hat der Negativzins eine weitere Frankenaufwertung verhindert und generell dazu beigetragen, dass sich der Druck auf den Franken verringert", erklärte Jordan am Montag in einer Rede vor der Vereinigung Basler Ökonomen.

"Viele Menschen halten negative Zinsen für unnatürlich. Auf Guthaben Zinsen zu zahlen, scheint gegen die Logik ökonomischer Gesetzmässigkeiten zu verstossen", sagte Jordan weiter. Derzeit lägen nicht nur die kurzfristigen Zinsen im negativen Bereich, sondern auch längerfristige Bundesanleihen und manche Unternehmensanleihen würden mit negativen Renditen gehandelt. Gleichzeitig sorgten sich Sparer um ihr Kapital, Banken um ihre Profitabilität und Pensionskassen um die Erfüllung ihrer Verpflichtungen. "Die SNB nimmt die Bedenken sehr ernst", verspricht Jordan.

Der Negativzins sei für die Schweiz in einem globalen Tiefzinsumfeld aber notwendig und sinnvoll, da sie sich als kleine offene Volkswirtschaft nicht vom internationalen Umfeld abkoppeln könne, verteidigte Jordan die SNB-Politik. Hätte die Schweiz den Negativzins nicht eingeführt, dann hätte sich der Franken noch stärker aufgewertet, es wäre zu einer Wachstumsverlangsamung gekommen und die Arbeitslosigkeit wäre gestiegen, ist er überzeugt.

Negativzins bringt «unerwünschte Nebenwirkungen»

Jordan wies gleichzeitig auch auf die Risiken bzw. die "unerwünschten Nebenwirkungen" einer Phase tiefer Zinsen hin. Dazu zähle die Hortung von Bargeld, die den geldpolitischen Spielraum einschränkten. Und anhaltend tiefe Zinsen könnten negative Auswirkungen auf die Finanzstabilität haben. Es sei denkbar, dass Anleger aufgrund der tiefen Zinsen höhere Risiken eingehen.

"Dies kann dazu führen, dass sich Ungleichgewichte am Immobilien- und Hypothekarkreditmarkt aufbauen", so Jordan. In der Schweiz seien aber seit 2012 verschiedene Massnahmen getroffen worden - etwa der antizyklische Kapitalpuffer - um die damit verbundene Gefahr für die Finanzstabilität zu reduzieren. Die Dynamik am Hypothekar- und Immobilienmarkt habe sich abgeschwächt, die Hypotheken würden hierzulande jedoch weiterhin schneller als das BIP wachsen.

Weiter gab Jordan unumwunden zu, "dass ein Negativzins oder, allgemeiner gefasst, eine expansive Geldpolitik kein Allheilmittel ist". Für eine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft seien nach wie vor realwirtschaftliche Anpassungen notwendig. "Strukturpolitische Massnahmen in den wichtigen Volkswirtschaften können die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Gleichgewichtszinsen weltweit wieder ansteigen", so der SNB-Präsident. Dies würde es den Zentralbanken erlauben, die Zinsen allmählich wieder anzuheben und mögliche negative Auswirkungen anhaltend tiefer Zinsen zu begrenzen.

(AWP)