SNB-Jordan: «Wechselkurslage bleibt fragil»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt die Leitzinsen in der Schweiz auf rekordtiefem Niveau. Auch an der Euro-Mindestgrenze zum Franken wird nicht gerüttelt. Der Franken wertet sich leicht auf.
13.12.2012 10:45
Von Daniel Hügli, Bern
SNB-Präsident Thomas Jordan im cash-Interview am 15. Dezember 2011.
SNB-Präsident Thomas Jordan im cash-Interview am 15. Dezember 2011.
Bild: cash

Die Schweizer Notenbank hat die seit mehr als einem Jahr geltende Wechselkurspolitik gegenüber dem Euro bekräftigt. Sie werde den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro auch in Zukunft mit aller Konsequenz durchsetzen, teilte Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag mit. An ihrer Nullzinspolitik hält die SNB fest und lässt das Zielband für den Dreimonats-Libor unverändert bei null bis 0,25 Prozent.

Der Franken stieg gegen den Euro auf 1,2086 von 1,2125 vor Bekanntgabe des Zinsentschiedes. "Die Wechselkurslage bleibt fragil", sagte SNB-Direktoriumspräsident Thomas Jordan an einer Medienorientierung in Bern. "Wir können nicht ausschliessen, dass wir wieder in grösserem Umfang intervenieren müssen." Zuletzt hatten die Währungshüter nicht mehr so viele Euros übernehmen müssen wie im August und im September, als die Schweizer Devisenreserven stark angeschwollen waren.

"Die internationale Unsicherheit wird auf absehbare Zeit andauern und treibt die Nachfrage nach sicheren Anlagen. Damit bleibt die Wechselkurslage fragil, auch wenn im Zuge der Massnahmen der EZB eine Beruhigung eingetreten ist," so der SNB-Präsident.

22 von 24 Ökonomen hatten letzte Woche in einer Reuters-Umfrage gesagt, dass die Notenbank im kommenden Jahr an der die Euro-Kursuntergrenze festhalten werde. 7 gaben an, dass sie auch für 2014 damit rechnen. Eine grosse Mehrheit geht davon aus, dass der Mindestkurs auch dann hält, wenn Griechenland oder ein anderer Euro-Staat aus der Währungsunion ausscheiden.

Perspektiven für die Schweizer Wirtschaft

Die Perspektiven für die Schweizer Wirtschaft schätzt die Notenbank weiterhin zurückhaltend ein. Die Währungshüter rechnen damit, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) dieses Jahr um rund ein Prozent steigen wird. Für 2013 erwartet die SNB ein Wachstum zwischen 1,0 und 1,5 Prozent.

"Die Abwärtsrisiken für die Schweizer Wirtschaft sind weiterhin erheblich" sagte Jordan. Die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in der Eurozone sei nach wie vor hoch. Zwar hätten die angekündigten Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) die Wahrscheinlichkeit von extremen Entwicklungen in der Währungsunion deutlich reduziert. Dennoch sei die Unsicherheit in der Eurozone nach wie vor hoch. Auch bleibe offen, wie stark die anstehende Haushaltskonsolidierung in den USA das Wachstum dämpfen werde.

Inflationsprobleme hat die Schweiz nach Einschätzung der SNB keine. Die Notenbank rechnet dieses Jahr mit einer Teuerungsrate von minus 0,7 Prozent. Bisher hatte die SNB ein Minus von 0,6 Prozent erwartet. 2013 dürften die Preise dann um 0,1 Prozent sinken und 2014 dürfte die Inflation bei 0,4 Prozent liegen.