SNB-Maechler: Weiterer Spielraum bei Negativzins vorhanden

Wo die Zinsuntergrenze für die Schweizerische Nationalbank liege, sei nicht exakt bestimmt, sagte Direktionsmitglied Andréa Maechler an einem Referat.
18.11.2016 07:08
Andréa Maechler ist seit Juli 2015 in der Führung der SNB.
Andréa Maechler ist seit Juli 2015 in der Führung der SNB.
Bild: iNg

Auch für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist die Geldpolitik seit der Finanzkrise 2008 mit der Einführung der sogenannten "unkonventionellen Massnahmen" anspruchsvoller geworden. Für die SNB seien der Negativzins und die Bereitschaft zur Intervention am Devisenmarkt sich gegenseitig verstärkende Massnahmen, die ihre Wirkung entfalteten, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler am Donnerstag in einem Referat am Geldmarkt-Apéro in Genf: "Gleichwohl ist der Franken nach wie vor signifikant überbewertet."

Die SNB habe ihr Marktverständnis vertiefen und die Analyseinstrumente verfeinern müssen, sagte Maechler laut Redetext. Beim Negativzins sei das Potenzial für Zinssenkungen durch die "effektive Zinsuntergrenze" begrenzt, die unter anderem durch die Kosten der Bargeldhaltung bestimmt sei. Wo diese Zinsuntergrenze liege, sei nicht exakt bestimmbar, räumte Maechler ein. "Wir gehen davon aus, dass wir, falls nötig, noch einen gewissen weiteren Zinssenkungsspielraum haben."

Zudem gebe es bei der Transmission des Negativzinses auf das Finanzsystem und die Wirtschaft gewisse Besonderheiten. So hätten die Einlagenzinsen der Banken mehrheitlich bei null verharrt und deshalb seien auch die Kreditzinsen, insbesondere jene am Hypothekarmarkt, weniger stark gesunken als die Zinssätze am Geld- und Kapitalmarkt. "Diese unvollständige Transmission auf die Kreditzinsen ist aus Sicht der Nationalbank im aktuellen Umfeld nicht unerwünscht", sagte Maechler.

Mehr Risikobereitschaft erwünscht

Bezüglich der Auswirkungen des Negativzinses auf die Investoren stelle die SNB fest, dass vor allem inländische Anlagen gesucht würden. Die von der Wirtschaft erzielten Leistungsbilanzüberschüsse würden nämlich meist in Franken umgetauscht und nicht, wie früher, im Ausland investiert.

"Dies trägt massgeblich zur Frankenstärke bei. Hier wäre die Bereitschaft der grossen Investoren, gewisse zusätzliche Risiken auf sich zu nehmen, geldpolitisch durchaus erwünscht", sagte Maechler. Die SNB hält den Franken nach wie vor für signifikant überbewertet.

Präsenz am Devisenmarkt

Auch bei ihrer Präsenz im Devisenmarkt habe die SNB Veränderungen vornehmen müssen. "Wir sind zu allen marktrelevanten Zeiten am Devisenmarkt präsent. Dies ist eine besondere Herausforderung", betonte die SNB-Direktorin. Da der Markt sehr viel dezentraler sei als früher hätten auch die Anzahl und Vielfalt der Marktkontakte, die für das Verständnis des Devisenmarkts und der Frankennachfrage notwendig seien, zugenommen.

Insgesamt sei zu beobachten, dass sich einige traditionelle Beziehungen und Korrelationsmuster an den Finanzmärkten in den vergangenen Jahren verändert hätten, räumte Maechler ein. Dafür dürften ihrer Ansicht nach allerdings neben den unkonventionellen geldpolitischen Massnahmen auch die Globalisierung der Finanzmärkte und der Gleichlauf der Konjunktur- und Preisentwicklung verantwortlich sein.

Nach wie vor reflektierten die Finanzmarktpreise letztlich aber die Erwartungen der Anleger zur künftigen Entwicklung der Wirtschaft und der Inflation.

(AWP)