börsen-talk

SNB-Negativszenario vor Gold-Abstimmung

Der Franken steht unter Aufwertungsdruck. Devisenspezialistin Ursina Kubli beleuchtet im cash-Börsen-Talk die Franken-Euro-Kursentwicklung und erklärt, warum der Nationalbank gerade jetzt Devisenkäufe ungelegen kämen.
14.11.2014 01:00
Von Marc Forster
Ursina Kubli, Währungsexpertin bei der Bank J. Safra Sarasin.
Bild: cash

Die Goldinitiative, über die am 30. November abgestimmt wird, setzt den Franken und die Schweizerische Nationalbank (SNB) gehörig unter Druck. Schon die Befürchtung, dass die Währungshüter bei einem Ja-Entscheid an der Urne Probleme mit der Verteidigung der Kursuntergrenze um Euro bei 1,20 Franken bekämen, haben die Schweizer Währung aufgewertet.

Damit nicht genug: "Wenn die SNB gezwungen wäre, die Untergrenze noch vor der Abstimmung zu verteidigen, würden diese Devisenkäufe den Befürwortern der Initiative in die Hände spielen", sagt Ursina Kubli, Ökonomin und Währungsspezialistin bei J. Safra Sarasin, im cash-Börsen-Talk. Das wäre dann ein echtes Negativszenario für die SNB.

So unrealistisch ist es nicht, dass das Szenario Realität wird. Am Donnerstagnachmittag erreichte der Franken zum Euro einen Kurs von 1,2016, am Dienstag sogar 1,2013. Laut einer Studie der UBS hat die SNB in der Vergangenheit zwischen 1,2005 und 1,2010 interveniert.

Die SNB hat für ihre Verhältnisse ungewöhnlich deutlich gegen die Initiative Stellung bezogen. Nationalbankpräsident Thomas Jordan sagte in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung", ein Verkaufsverbot für Goldbestände, wie dies die Initianten vorschreiben wollen, würde die Handlungsfreiheit der Notenbank einschränken. Mit steigenden Goldbeständen in der Bilanz könnte die SNB an den Finanzmärkten weniger flexibel agieren. Auch die Kursuntergrenze zum Euro, welche die SNB seit dem 6. September 2011 verteidigt, wäre von diesem "Gold-Befehl" an die Nationalbank mit grosser Wahrscheinlichkeit betroffen. 

"Diese Untergrenze geniesst enorme Glaubwürdigkeit", sagt Ursina Kubli im cash-Börsen-Talk. Den Folgen der aktuellen, erfolgreichen Abwertungsbemühungen der Europäischen Zentralbank für den Euro werde die Untergrenze standhalten. Dass die SNB wenn nötig interveniert, ist aus Kublis Sicht klar. Der Euro-Kurs bleibe über 1,20 Franken.

Zur Parität entwickeln werde sich hingegen das Währungspaar Franken-Dollar, und zwar im nächsten Jahr: "Der Grund ist, dass die US-Zentralbank bereits im kommenden Jahr einen ersten Zinsschritt vornehmen wird, was zu einem enormen Unterscheid in der Geldpolitik in den jeweiligen Währungsräumen führt - und das kommt dem Dollar zugute", sagt die Währungsexpertin.

Eine Euro-Dollar-Parität sieht Kubli nicht heraufziehen: Der Euro wird laut der Prognose von J. Safra Sarasin von derzeit knapp 1,25 auf 1,20 Dollar fallen. Allerdings sieht sie im Aufbau von Dollaranlagen sehr vieler Anleger auch ein Risiko: "Ich finde das immer gefährlich, wenn alle in die gleiche Richtung rennen." Dies löse dann möglicherweise Enttäuschungen aus. 

Im cash-Börsen-Talk analysiert Ursina Kubli auch die akutelle Schwäche des Yen und sagt, welche Währungen sie interessant findet und welche Devisen für Anleger eher ein Problem darstellen könnten.