SNB-Schock: Was Anleger tun sollten

Die Schweizerische Nationalbank schockt die Aktien- und Devisenmärkte mit der Aufgabe der Kursuntergrenze. Wovon Anleger nun die Finger lassen sollten und welche Investments attraktiv erscheinen.
16.01.2015 06:01
Von Ivo Ruch und Frédéric Papp
Lohnt sich ein Euro-Kauf nach dem SNB-Schock?
Lohnt sich ein Euro-Kauf nach dem SNB-Schock?
Bild: Bloomberg

Am Donnerstagvormittag platzte die Schweizerische Nationalbank mit der  Aufhebung des Franken-Mindestkurses heraus. Schlagartig wertete sich der Franken auf 86 Rappen zum Euro auf. Derzeit notiert er um die Parität. Zeitgleich rasselte auch der Swiss Market Index in den Keller. In der Spitze betrug das Minus rund 14 Prozent, geschlossen hat er am Donnerstag bei minus 9 Prozent.

Wie stark sich die Aufhebung der Kursuntergrenze auf die Schweizer Wirtschaft und somit auf den Aktienmarkt auswirken wird, lässt sich im Moment nur schwer abschätzen. Dennoch bieten sich auf dem aktuellen Kursniveau die eine oder andere Einstiegschance. Alex Hinder von Hinder Asset Management rät aber, zuzuwarten bis sich der Nebel etwas verzieht.

Dennoch lässt sich bereits jetzt in etwa abschätzen, welche Anlageklassen und Sektoren vom SNB-Entscheid eher profitieren und welche nicht – eine Übersicht:

Diese Aktien zählen zu den Verlierern: Insbesondere die Exportindustrie, die vom Mindestkurs profitiert hatte, blickt düsteren Zeiten entgegen. Firmen wie Swatch oder Richemont werden unter dem starken Franken leiden. Auch in der Finanzindustrie dürften einige Unternehmen auf dem falschen Fuss erwischt worden sein. Die Folgen für Banken und Versicherungen sind jedoch noch nicht abschätzbar.

Hinzu kommt die Tourismusbranche. Aufgrund des teuren Frankens werden sich weniger Touristen Ferien in der Schweiz leisten können. Gleichzeitig wird das Einkaufen im Ausland noch attraktiver. Schlechte Nachrichten für Detailhändler wie Bell, Intersport, Charles VögeleCalida oder Valora. Für viele kleinere und mittlere Unternehmen kommt ein weiterer Aspekt zum Tragen. Es ist anzunehmen, dass sich einige auf die Verteidigung des Euro-Mindestkurs durch die SNB verlassen haben und eine Absicherung für obsolet gehalten haben. Dies dürfte sich nun rächen.

Auch Aktien-Wetten auf einen nachhaltig starken Dollar bieten sich nun nicht mehr vorbehaltslos an. Firmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus dem Dollar-Raum wurden vor wenigen Monaten noch als attraktiv bewertet (siehe hier). Doch für AMSTemenos, OC Oerlikon, ABB, oder Nobel Biocare gilt aktuell: Vorsicht.

Diese Aktien profitieren: Im Gegenzug gibt es Schweizer Aktien, die profitieren, weil sie hauptsächlich in der Schweiz aktiv sind oder einen tiefen Fremdwährungsanteil aufweisen. Swisscom ist ein Beispiel dafür. Als eine der wenigen Aktien an der Schweizer Börse haussierte die Aktie am Donnerstag 1,5 Prozent. Im Markt machen zudem verschiedene Kaufempfehlungen die Runde. Dazu gehören: ActelionGeberitLonzaNovartis, RocheSyngenta oder Zurich.

Der starke Franken macht auch Reisen ins Ausland günstiger. Kuoni (solange der Konzern noch Reisen organisiert) oder Bravofly werden sich über die zunehmende Auslandsmobilität freuen. Letztere korrigierte am Donnerstag aber fast 11 Prozent, bei Kuoni sind es rund 8 Prozent.

Euro kaufen: Derzeit hält sich das Euro-Franken-Wechselpaar die Waage. Der faire Wert liegt aber je nach Berechnung zwischen 1,25 bis 1,30 Franken. Wer sich somit mit Euro eindeckt, kann allenfalls von einer starken Aufwertung der Gemeinschaftswährung profitieren, vorausgesetzt das EZB-Programm beginnt zu greifen und es keinen Austritt Griechenlands aus der Eurozone gibt. Wer auf einen stärkeren Euro hofft, nicht seine ganzen Barreserven in Euro wechseln.

Dollar kaufen: Noch stärker als der Euro kam zweitweise der Dollar unter die Räder. In der Spitze sackte der Greenback am Donnerstag auf unter 74 Rappen ab. Aktuell muss für ein Dollar rund 90 Rappen bezahlt werden. Devisenspezialisten sehen einen fairen Wert bei über einem Franken. Auch hier gilt: Nicht alles auf die Dollarkarte setzen.

Franken meiden: Wer Franken auf dem Konto hortet, bekommt schon seit einigen Jahren kaum Zins. Mit der Ankündigung der SNB, das Zielband für den Dreimonats-Libor noch stärker in die Minuszone zu drücken, und zwar von -0,75 bis 0,25 Prozent auf -1,25 bis -0,25 Prozent, geraten auch die Zinsen auf Privat- und Sparkonten noch stärker unter Druck. Auch wenn SNB-Präsident Thomas Jordan nicht glaubt, dass die Banken auf Spareinlagen Negativzinsen erheben werden, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die erste Bank diesen Schritt kommunizieren wird (cash berichtete).

Gold glänzt wieder heller: Das Anlegersentiment für das Edelmetall hat sich in den letzten Wochen aufgehellt. Gründe sind die erneut aufgeflammte Euro-Krise sowie geopolitische Unsicherheiten. Und der gestrige Paukenschlag der SNB liess die Feinunze auf 1263 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit September 2014 klettern. Angesichts der nebulösen Situation tun sicherheitsorientierte Anleger gut daran, ihr Depot mit Gold zu füttern. In der Regel wird ein Anteil von 3 bis 5 Prozent empfohlen.

Franken-Obligationen lohnen sich nicht: Die erneute Senkung des Libor liess die Obligationenkurse am Donnerstag anschwellen. Dies freut jene, die Obligationen in ihren Depots haben. Angesichts der kellertiefen Zinsen ist aber von Neuinvestments abzuraten. Dies gilt heute mehr denn je. Die Durchschnittsrendite auf Bundesobligationen der Eidgenossenschaft sackte im Zuge der erneuten SNB-Zinssenkung auf 0,17 Prozent ab. Insbesondere für die Pensionskassen wird die Aufgabe umso schwerer.

Gute Zeiten für Immobilien: Immobilienbesitzer oder solche, die es werden möchten, können sich hingegen freuen. Die ohnehin schon historisch tiefen Hypothekarzinsen werden langfristig auf tiefem Niveau verharren. Vereinzelte Anbieter haben die Zinsen für zehnjährige Hypotheken am Donnerstag bereits weiter gesenkt, im Gegensatz zu den Libor-Hypotheken. Ein weiterer Grund, auf Festhypotheken zu setzen (cash berichtete). Es ist anzunehmen, dass die Nachfrage nach Immobilien zunehmen wird. Dies hilft Immobiliengesellschaften wie Mobimo, Peach Property oder SPS.