SNB: Ungleichgewichte im Immo-Markt wieder leicht gestiegen

Die Ungleichgewichte im Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt sind nach Ansicht der Nationalbank im vergangenen Jahr wieder leicht angestiegen.
16.06.2016 07:34
Die SNB legt ihre geld- und wirtschaftspolitische Einschätzung vor.
Die SNB legt ihre geld- und wirtschaftspolitische Einschätzung vor.
Bild: Bloomberg

Zwar sei das Kreditvolumen etwas weniger stark gewachsen und das Wachstum der Immobilienpreise habe sich etwas verlangsamt. Allerdings hätten sich gleichzeitig auch das BIP, das Bevölkerungswachstum und die Mietpreise schwächer entwickelt, schreibt die Schweizerische Nationalbank SNB in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Stabilitätsbericht.

Das Wachstum des Hypothekargeschäfts der inlandorientierten Banken sei auch im vergangenen Jahr stark geblieben, stellt die Nationalbank in dem Bericht fest. Dabei sei auch der Anteil der risikoreicheren Kredite mit einer hohen Belehnung im Verhältnis zum Immobilienwert weiter angestiegen und die Exposition der Banken bezüglich des Zinsänderungsrisikos habe sich weiter erhöht.

Weiterhin sei allerdings die Kapitalisierung der meisten Banken im Verhältnis zu den regulatorischen Minimalanforderungen genügend gross, um auch die Verluste in den meisten ungünstigen Szenarien aufzufangen, stellt die SNB fest. Dabei nennt die SNB namentlich die Szenarien einer Euro-Schuldenkrise sowie eines Zinsschocks.

Risiko bei Anstieg der Zinsen

Auch weiterhin könnten die Risiken für die Finanzstabilität aus dem Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt zunehmen, mahnt die SNB. Sie verweist dabei insbesondere auf den nur schwachen Anstieg der zugrundeliegenden Makrodaten. Auch dürfte der Preisdruck im Immobilienmarkt weiterhin hoch bleiben, solange sich die Zinssätze nicht wieder normalisierten - womit sich auch das Risiko eines künftigen starken Preisrücksetzers bei einem Wiederanstieg der Zinsen erhöhe.

Die SNB werde die Entwicklung in den Märkten und insbesondere auch die von den Banken eingegangenen Risiken weiter verfolgen, heisst es in dem Bericht. Gleichzeitig werde der Bedarf für eine Anpassung des antizyklischen Puffers "regelmässig überprüft".

Banken haben Kapital aufgebaut

Den Schweizer Grossbanken attestiert die SNB eine weitere Verbesserung ihrer Kapitalsituation. Wie sie in ihrem neuesten, am Donnerstag veröffentlichten "Financial Stability Report 2016" schreibt, haben diese sowohl in Bezug auf die risiko-gewichteten Kapitalraten wie auch in Bezug auf die Leverage Ratio im vergangenen Jahr weitere Fortschritte gemacht.

Beide Grossbanken entsprächen mit ihren aktuellen Kapitalraten fast vollständig den sogenannten "look-through"-Anforderungen, also den Anforderungen, die sie im Rahmen der "Too big to fail"-Gesetzgebung (TBTF1) und gemäss den Basel III Rahmenbedingungen bis Anfang 2019 zu erreichen hätten.

Allerdings sieht die SNB trotzdem weiteren Bedarf für Verbesserungen. Um die die Anforderungen gemäss der verschärften "Too big to fail"-Gesetzgebung (TBTF2) zu erfüllen, die per 1. Juli 2016 in Kraft treten und die bis Anfang 2020 erfüllt sein müssen, fordert die SNB von den Grossbanken weitere Massnahmen; dies besonders in Bezug auf die Leverage-Ratio und das verlustabsorbierende Kapital ('Gone concern').

Leverage Ratios unterdurchschnittlich

Was die risikogewichteten Aktiven (RWA) betrifft, würden die Grossbanken derweil die Anforderungen fast vollständig erfüllen, schreibt die SNB weiter. Allerdings sei es wahrscheinlich, dass die RWA im Rahmen der vom Basel-Komitee verabschiedeten Massnahmen steigen dürften.

Dass die Grossbanken ihre Situation weiter verbessern, sei aufgrund ihrer systemischen Wichtigkeit aus zwei Gründen notwendig, so die SNB weiter. So sei das Verlustpotential der Grossbanken im Verhältnis zu ihrer Kapitalsituation weiterhin substantiell. Das höchste Verlustpotential sehen die hiesigen Notenbanker in einem Szenario mit einer US-Rezession, in einem Szenario mit Euro-Schuldenkrise oder einem mit einer Krise in den Emerging Markets. Als zweiten Grund nennt die SNB die Tatsache, dass die Leverage Ratios weiter unter dem Durchschnitt internationaler Grossbanken seien.

(AWP)