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«SNB wird Hellebarde hervorholen»

Die Schweizerische Nationalbank muss wegen der Franken-Aufwertung an den Devisenmärkten wohl wieder einschreiten müssen, sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. Dem SMI traut er eine Steigerung zu.
29.08.2014 01:00
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk.
Bild: cash

Geopolitische Brandherde wie die Ukraine oder der Konflikt im Nahen Osten haben die Investoren in den letzten Woche und Monaten wieder vermehrt in Anlagen getrieben, welche als sichere Häfen bezeichnet werden. Dazu zählt traditionell auch der Schweizer Franken. Die Schweizer Währung hat sich gegen den Euro von einem Jahreshoch bei 1,24 Franken pro Euro im Januar kontinuierlich aufgewertet und steht jetzt bei 1,2050 Franken.

"Ich war überrascht über die rasche Aufwertung des Frankens in den letzten Wochen", sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk dazu. Ich hätte erwartet, dass die Schweizerische Nationalbank schon bei einer 'moralischen Grenze' von 1,21 Franken pro Euro eingeschritten wäre."

Der Wechselkurs hat sich bei derzeit 1,2050 gefährlich nahe an die Kursuntergrenze angenähert, welche die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor drei Jahren eingeführt hat und seither mit teilweise massiven Käufen von Euros verteidigt. "Ich habe fast ein wenig Angst, dass die Nationalbank nun wieder die Hellebarde hervorholen muss und wacker wird kämpfen müssen", so Herbert. Einige Devisenprofis schätzen, dass die SNB spätesten bei einem Kurs von 1,2020 einschreiten wird.

Himalaja in Reichweite

Die Vorgaben einer weiter sich aufwertenden Schweizer Währung sind da. Die Krise in der Ukraine wird kaum schnell gelöst sein, und die Europäische Zentralbank wird ihre Geldpolitik wohl noch weiter lockern und damit den Euro weiter schwächen. Und von diesem absackenden Euro wollen Hedgefonds profitieren, indem sie auf eine weiter fallende Gemeinschaftswährung wetten, wie Herbert sagt. "Die jetzige Baisse des Euro ist noch nicht ausgespielt."

Die SNB musste zuletzt vor zwei Jahren an den Märkten intervenieren, als der Euro-Franken-Kurs die Mindestgrenze zu unterschreiten drohte. Die SNB hat zuletzt immer wieder betont, dass sie analog zur EZB Negativzinsen einführt, um die Attraktivität des Franken einzudämmen. Dass sie also Gebühren von Banken verlangt, die überschüssige Liquidität bei der Zentralbank parken.

Bezüglich Börsenentwicklung ist Herbert einigermassen optimistisch. Den Anstieg der Aktienmärkte nach dem "Sommergewitter" erklärt er mit dem "alten Lied des Anlagenotstandes", das heisst mit dem Fehlen von Alternativen zu Aktien. Der Swiss Market Index (SMI) könnte weiter steigen. "Das Erreichen des Himalaja, nämlich 8848 Punkte, liegt immer noch drin in diesem Jahr".

Ideenlose Nestlé

Von den Blue Chips aus der Schweiz sieht Herbert insbesondere Nestlé mit kritischen Augen. Der Nahrungsmittelhersteller, dessen Aktie sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt hat und nahe einem Rekordhoch handelt, hat in dieser Woche ein neues Aktienrückkaufprogramm gestartet.

"Das ist etwas ideenlos", meint Herbert dazu. Er ortet fehlende Dynamik bei Nestlé gerade bei einem Unternehmen, das in einer Branche mit etlichen Baustellen tätig sei. "Einiges spricht dafür, dass die grosse Wachstumsdynamik bei Nestlé für die nächsten Jahre draussen ist", so Herbert.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert weiter zu Nestlé, dann auch zu Roche und zum Flughafen Zürich.