SNB-Zinssenkung derzeit kaum nötig

Die Schweizerische Nationalbank dürfte eine weitere Zinssenkung in der nächsten Woche vermeiden können, nachdem sich ein deutlicher Anstieg des Franken gegenüber dem Euro als kurzlebig erwiesen hat.
12.03.2016 09:03
SNB am Bürkliplatz in Zürich
SNB am Bürkliplatz in Zürich
Bild: cash

Die Schweizer Währung wertete am Donnerstag im Gefolge des Zinsentscheids der Europäischen Zentralbank bis unter 1,09 je Euro auf. Die EZB senkte alle ihre Zinssätze und weitete gleichzeitig die monatlichen Anleihekäufe aus, was die Erwartungen der meisten Investoren übertraf. Der Anstieg war jedoch nicht von Dauer. Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi erklärte, dass die Notenbank ihre Zinssenkungen wahrscheinlich abgeschlossen habe, holte der Euro seine Verluste auf und rückte gegenüber allen anderen Hauptwährungen vor. Am Freitag notierte der Euro über 1,10 Franken.

"Solange der Franken einigermaßen stabil gegenüber dem Euro bleibt oder durch Interventionen stabilisiert werden kann, besteht keine Notwendigkeit für die SNB, die Zinsen zu senken", erläuterte Alessandro Bee, Ökonom bei der UBS in Zürich.

SNB-Chef Thomas Jordan und seine Kollegen in der Schweiz müssen seit Jahren die Auswirkungen von EZB-Zinsentscheidungen ausgleichen. Am Donnerstag kommender Woche steht der nächste Zinsentscheid der SNB an. Volkswirte haben darauf spekuliert, dass die SNB ihre aktuelle Geldpolitik anpassen kann, indem sie entweder die Interventionen am Devisenmarkt ausweitet oder ihren Einlagensatz weiter senkt, der bereits auf einem Rekordtief von minus 0,75 Prozent liegt.

Im Dezember kam die SNB um eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik herum, als Draghi ein Konjunkturpaket ankündigte, das hinter den Erwartungen der Investoren zurückblieb. Anfang 2015 führte die Aussicht auf EZB-Käufe von Staatsanleihen dazu, dass die SNB ihre Franken-Deckelung von 1,20 je Euro aufgab. Die Schweizer Zinsentscheider, die wiederholt erklärt haben, dass der Franken überbewertet ist, haben deutlich gemacht, dass noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Negativzins von 1,25 Proznt möglich

Laut einer aktuellen Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten kann die SNB den Einlagensatz bis auf minus 1,25 Prozent absenken, bevor eine Flucht ins Bargeld einsetzt. Die Notenbank kann außerdem ihre Bilanz von derzeit 100 Prozent bis auf 128 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Schweiz ausweiten ohne dass ihre Glaubwürdigkeit leidet, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage vom 15. Februar.

Neben einer Zinssenkung oder weiteren Interventionen am Devisenmarkt wäre eine Veränderung der von den Negativzinsen nicht betroffenen Einlagesummen der Banken eine Option. Derzeit können die Kreditinstitute bis zum 20-fachen ihrer vorgeschriebenen Mindestreserve bei der SNB deponieren, ohne Zinsen zahlen zu müssen.

"Bis auf weiteres planen wir keinerlei Änderungen, aber selbstverständlich ist der Mindestreserve-Freibetrag ein mögliches Instrument zur Gestaltung", sagte Jordan am 27. Februar in Schanghai, wo er an einer Sitzung der G20 teilnahm. Sowohl der Zinssatz als auch die Freibetragsschwelle seien geldpolitische Optionen, die der SNB zur Verfügung stünden, führte er aus.

(Bloomberg)