So geben Banken die Negativzinsen weiter

Die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank sind nun in Kraft. Die Banken wälzen die neuen Kosten offiziell «nur» auf ihre Grosskunden ab. Doch betroffen sind alle.
28.01.2015 01:05
Von Ivo Ruch
Das Umfeld für Banken und ihre Kunden wird ungemütlich.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verlangt seit knapp einer Woche Negativzinsen auf Gelder, die Geschäftsbanken bei der SNB lagern. Der Zins beträgt 0,75 Prozent und betrifft alle Guthaben, die einen bestimmten Freibetrag überschreiten. Die SNB will damit verhindern, dass Banken und Investoren weiter Franken bunkern und damit den Aufwertungsdruck auf die Schweizer Währung noch mehr erhöhen.

Schon seit der Ankündigung dieses Strafzinses fragen sich auch Kleinsparer und Anleger, ob, wie und wann sie von dieser Massnahme betroffen sein werden. Noch verlangt keine Bank von ihren Privatkunden explizit Strafzinsen. Aber implizit sind schon mehrere Mechanismen in Kraft, mit denen die Banken ihre neu entstandenen Kosten auf Privatsparer übertragen. Hier eine Auflistung:

1) Kontogebühren fressen Zinsen auf

Sparen lohnt sich vielerorts nicht mehr. Ob Kontoführung, Maestrokarte, Geldüberweisung oder Bargeld-Bezug: Bei mehreren Banken übersteigen die Gebühren dieser Dienstleistungen mittlerweile die Zinsen, wie comparis.ch berechnete.

Am schlechtesten fahren die Kunden der Credit Suisse und der UBS. Bei vergleichbaren Leistungen müssen sie ihren Banken bis zu 155 Franken bezahlen, während Postfinance-Kunden 60 Franken gutgeschrieben bekommen (zum ausführlichen Test). Comparis-Experte Marc Parmentier schreibt dazu, die Banken würden ihren Kunden keine direkten Negativzinsen verrechnen. Allerdings sei nicht auszuschliessen, "dass sie sich die Mehrkosten über höhere Gebühren bei den Kunden hereinholen".

Das heisst für Sparer: Nicht nur auf die Zinsen, sondern auch auf die Gebühren achten und allenfalls den Anbieter wechseln. Zudem können Gebühren eingespart werden, wenn mehrere Konten zusammengelegt werden.

2) Hypothekarzinsen steigen plötzlich

Wer in den letzten Tagen eine Hypothek abschliessen wollte, staunte nicht schlecht. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses fielen die Hypo-Zinsen vorerst auf neue Rekordtiefstände. Doch Ende letzter Woche drehte der Wind plötzlich.

Bei einzelnen Anbietern muss seither für dieselbe Hypothek bis zu 50 Prozent mehr bezahlt werden als noch vor ein paar Tagen. So erhöhte beispielsweise die Credit Suisse den Richtzins für eine zehnjährige Festhypothek von 1,19 auf aktuell 1,84 Prozent. Die Zürcher Kantonalbank schraubte den Zins von 1,17 auf 1,52 Prozent.

Mit dem jüngsten Zinsanstieg bei den Festhypotheken ist die Liborhypothek wieder attraktiver geworden. Und wer bereits heute von den historisch immer noch tiefen Hypothekarzinsen profitieren will, das Geld aber erst später braucht, kann dies mittels Forward-Hypothek machen. Diese kann in der Regel bis zu einem Jahr und in Ausnahmefällen bis zwei Jahre im voraus abgeschlossen werden, kostet aber einen Aufschlag (Details dazu hier).

3) Zinssturz bei Säule 3a

Bei den Vorsorgekonten der Säule 3a droht ein Zinssturz. Die Unterschiede der einzelnen Institute waren zwar schon immer gross. Nun senken aber verschiedene Banken die Zinsen zusätzlich.

Bei der Zürcher Kantonalbank erhalten Säule-3a-Sparer bald nur noch 0,5 Prozent Zins (vorher 1 Prozent), bei der Raiffeisen Bank noch 0,875 Prozent (vorher 1,125). Und bei der UBS müssen bereits seit Anfang Jahr 0,7 Prozent in Kauf genommen werden. Zum Vergleich: Bei der Banque CIC oder der Corner Bank werden immer noch mehr als 1,5 Prozent angeboten (hier eine aktuelle Übersicht).

Mehr denn je sollte das Geld deshalb zum besten Anbieter überwiesen werden. Ein Kontowechsel ist bis auf wenige Ausnahmen jederzeit möglich, und Kontoführungsgebühren fallen in der Regel keine an. Zwei andere Möglichkeiten bieten sich an: Das Geld in einen 3a-Anlagefonds mit einem hohen Aktienanteil verschieben. Das erhöht zwar das Risiko, aber auch die Renditechancen. Oder gar nichts mehr einzahlen, bis die Zinsen wieder steigen, und das Geld z.B. in Aktien anlegen.

4) Drohende Strafzinsen für Private

Noch traut sich keine Schweizer Bank, die Negativzinsen direkt an ihre Privatkunden weiterzugeben. Nur Grosskunden oder Vermögende werden von einzelnen Instituten bisher zur Kasse gebeten. So verlangt beispielsweise die Privatbank Lombard Odier auf Bargeld-Bestände ab 100'000 Franken eine Gebühr von 0,75 Prozent. Allerdings wird in Bankkreisen bereits gemunkelt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Kleinsparer ebenfalls einen Strafzins zu entrichten haben. Einzelne Stimmen sprechen sogar von einem Zeithorizont von wenigen Tagen.

Die Frage ist, welche Bank sich zuerst exponiert. Ist man davon betroffen, muss die folgerichtige Reaktion lauten: Sofort Konto wechseln.